wISSEN : Allein im Museum

Philipp Brandstädter (l.) schaut sich im New Yorker Museum um.
Philipp Brandstädter (l.) schaut sich im New Yorker Museum um.

Philipp Brandstädter schaute sich dort um, wo der Kinofilm „Nachts im Museum“ gedreht wurde.

svz.de von
07. November 2015, 17:57 Uhr

Ist das unheimlich! Der gigantische Steinkopf, der mich streng angeguckt hat, macht mich nervös. Dann bin ich noch unter dem lebensgroßen Wal hindurchgelaufen, der in der Halle hängt. Und jetzt stehe ich neben dem Tyrannosaurus Rex. Oder besser: seinem Skelett. Ob der gleich einen Schluck aus dem Wasserspender nimmt und mich durch die Gänge jagt - so wie im Film? Vielleicht kennst du ja die Geschichte „Nachts im Museum“ aus dem Kino oder dem Kinderbuch. Darin erwachen die Ausstellungs-Stücke eines Museums zum Leben. In den Filmen spielt sich alles im Museum of Natural History (gesprochen: mjusiäm of nätschurell histori) in der Stadt New York ab. Genau da bin ich gerade ganz allein.

Nein, ich bin nicht heimlich eingebrochen. Ich habe auch keinen Beruf als Nachtwächter angenommen. Aubrey hat mich ins Museum gelassen, bevor es öffnet. Sie kümmert sich hier um die Besucher. „Wer weiß, was im Museum vor sich geht, wenn sich die Ausstellungs-Stücke nicht beobachtet fühlen“, sagt Aubrey. Dann hat sie mir eine Karte in die Hand gedrückt. Dort sind alle Räume des Gebäudes eingezeichnet.

Im großen Saal mit den Steinen ist es finster. Ich suche nach einer Attraktion – dem Stern von Indien. So heißt der vermutlich größte Saphir der Welt. Das ist ein blauer Edelstein. Als ich ihn entdecke, bin ich enttäuscht. So groß ist der Stein nicht. Dafür ist das Museum riesig. Jeder Raum ist voll mit ausgestopften Tieren, Figuren und alten Steinen.

Plötzlich höre ich im Flur einen lauten Knacks. Dann fängt etwas an, gewaltig zu ächzen und zu rauschen. Sind sie vielleicht doch lebendig, die Ungeheuer aus der Urzeit? Ich drehe mich um und gehe zum Haupteingang. In einem Seiteneingang scheppert eine Tür ins Schloss. Aubrey steht neben mir. Sie hat mir einen tierischen Schrecken eingejagt. „Wir lassen jetzt die Besucher ins Museum. Nicht, dass du dich erschrickst.“

Als wir gemeinsam zum Ausgang schlendern, erzähle ich Aubrey, dass ich in einem Flur etwas Merkwürdiges gehört habe. Aubrey kichert. „Ja, das ist unser Museums-Gespenst“, sagt sie. „Wir nennen es Klima-Anlage.“

Autor: Philipp Brandstädter

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