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Deutschland & Welt

18. November 2017 | 18:44 Uhr

Holland am Hudson

vom

Metropole mit niederländischen Wurzeln: An der Gründung New Yorks vor 400 Jahren hatten Holländer einen entscheidenden Anteil. Zum Jubiläum ehrt die größte Stadt der USA ihren Ursprung - auch Deutsche haben Grund zu feiern.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2009 | 07:26 Uhr

New York (dpa/tmn) - Der schönste Weg nach Manhattan ist immer noch der, auf dem einst Henry Hudson auf die Insel zusteuerte. 400 Jahre ist es her, dass der englische Kapitän mit dem holländischen Dreimaster «Halve Maen», Halbmond, hier aufkreuzte.

Das Jubiläum wird im «Big Apple» mit Partys, Paraden, Konzerten und Ausstellungen groß gefeiert. Selbst routinierten New-York-Reisenden bietet es Möglichkeiten, die Weltstadt neu zu entdecken - und zwar nicht nur durch die holländische Brille. Auch Deutsche haben Grund zu feiern.

Kostenlose Fähre ermöglicht Blick auf Skyline

«Schließlich stammt New Yorks DNA dank Captain Henry und seiner Amsterdamer Auftraggeber zwar vor allem aus Holland. Aber auch das Rheinland war hier früh vertreten», sagt der Historiker Seth Kamil. Mit seinen «Big Onion Tours» bietet er zum Thema «400 Jahre Holland am Hudson» kenntnisreich geführte Spaziergänge an. Sie beginnen im Süden des Broadway. Der schlängelte sich damals noch als Indianerpfad durch dichte Wälder. Holländer nannten ihn «de breede weg».

Zum Auftakt der Spurensuche empfiehlt Kamil die Fähre, die im Halbstundentakt zwischen der Südspitze Manhattans und Staten Island verkehrt: «Die Fähre bietet den besten Blick auf Süd-Manhattan, wo alles begann, und sie ist kostenlos.» Kaum hat sie genügend Abstand vom Wolkenkratzer-Dschungel, klicken die Kameras. Manche New Yorker schauen dagegen bis heute nicht gern hinaus. Einst waren die alles überragenden Zwillingstürme des World Trade Center (WTC) die Glanzlichter der Skyline. Wer am 11. September 2001 auf der Fähre war, konnte sehen, wie die Passagierflugzeuge in die Türme rasten.

Große Hafenparty im September

Die Terroristen wollten eine Lebensweise treffen, für die New York ein Symbol ist: Weltoffenheit und Toleranz. Das hat durchaus auch mit der «holländischen DNA» zu tun. «Die Niederlande waren im 17. Jahrhundert die kulturell vielfältigste und liberalste Gesellschaft der Welt. Das wurde auch New York in die Wiege gelegt», sagt der Autor Russell Shorto. Sein Buch «New York - Insel in der Mitte der Welt» erzählt davon. Es ist eine gute Lektüre für diese Reise.

400 Jahre nachdem Hudson am 11. September 1609 vor jener Insel ankam, die von den Lenape-Indianern «Mannahata» genannt wurde, sind dort «All Things Dutch»: Das Metropolitan Museum of Art zeigt «Dutch Masterworks», das Museum of the City of New York beleuchtet «The Worlds of Henry Hudson». Höhepunkt des Festjahres soll vom 8. bis 13. September die «NYC 400 Week» mit einer Hafenparty werden.

Stolz auf holländisches Erbgut

Niederländische Spuren gibt es in New York einige. Schulkinder lernen, dass die Bronx ihren Namen von Jonas Bronck hat, einem niederländischen Kapitän, der sich dort 1639 als erster Europäer niederließ. Brooklyn hieß Breukelen, die «Pancakes» kommen von Pannenkoeken. Mehrere Veranstalter haben «Holland am Hudson»-Ausflüge aufgelegt. Da gibt es Hafenrundfahrten, Kajak- und Segel-Touren bis hoch nach Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York. Dort bauten Holländer 1624 das Fort Oranje, um den Pelzhandel mit den Indianern zu sichern und koloniale Konkurrenten abzuschrecken.

«Wir sind stolz auf unser holländisches Erbgut, und das zeigen wir in diesem Jahr besonders», sagt George Fertitta, Chef der offiziellen Tourismusagentur NYC & Company. «Wir feiern Toleranz, kulturelle Vielfalt, Liberalität und Optimismus.» Und die Deutschen sollten da ruhig kräftig mitfeiern, findet Fertitta: «Denken Sie nur an Ihren Peter Minuit, ein gutes Beispiel für Internationalität.»

60 Gulden für Manhattans Nutzungsrechte

Im Battery Park an der Südspitze Manhattans erinnert ein Denkmal an Minuit als Gründungsvater von New York. Geboren 1584 in Wesel am Rhein und deutschsprachig aufgewachsen, reiste Minuit mit einem der ersten Siedlerschiffe nach Manhattan. Als Gouverneur vollzog er den legendären Tauschhandel, bei dem die Lenape-Indianer Waren im Wert von gerade mal 60 Gulden als Gegenleistung dafür bekamen, dass sie die Nutzungsrechte für ganz Manhattan an die Holländer übertrugen.

So freizügig und liberal die Gründer New Yorks auch gewesen sein mögen - vor allem waren sie echte Kapitalisten. «New Yorker wie Amsterdamer», heißt es augenzwinkernd in der Jubiläumsausgabe des Magazins «TimeOut», «verbeugen sich vor dem Altar des Geldes. Wir alle lieben einen guten Deal und sind bereit, dafür jemanden über den Tisch zu ziehen.» Kein Wunder, dass auch die Börse an der Wall Street - nicht weit weg vom Minuit-Denkmal - auf jene zurückgeht, die 1611 in Amsterdam entstand und die älteste Wertpapierbörse der Welt ist.

Als Schlusspunkt der Spurensuche bietet sich ein Abstecher ins East Village an. Im Hof der St. Marks Church-in-the-Bowery erinnern eine Grabplatte und ein Denkmal an den wohl berühmtesten Einwohner der holländischen Amerika-Kolonie: Peter Stuyvesant. Er hatte einst die größte Farm der Insel aufgebaut. Zu seinen Verdiensten gehört, dass er 1664 bei der Kapitulation vor den Briten den neuen Herren etliche Bestandsgarantien für Holländer und andere Bewohner der Kolonie abrang. So wurden die niederländischen Wurzeln entlang des Hudson River allmählich überlagert, aber nie ausgerissen.

Anreise und Formalitäten: Nonstopflüge von Deutschland nach New York bieten Fluggesellschaften wie die Lufthansa, Air Berlin, Delta Air Lines, Continental und Singapore Airlines an. Wer vor seiner New-York-Reise Amsterdam besucht, hat auch dort am Flughafen Schiphol mehrere Fluggesellschaften zur Auswahl. Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz brauchen für die USA kein Visum, aber einen maschinenlesbaren Reisepass. Außerdem müssen sie sich vor ihrem Abflug online rechtzeitig anmelden.

Klima und Reisezeit: Der Sommer kann tropisch heiß und schwül werden, der Winter deutlich kälter als in deutschen Großstädten.

Geld: Die Schwäche des US-Dollars ermöglicht Euro-Besitzern teilweise preiswerte Einkäufe. Hotels sind dennoch eher teuer. Kreditkarten werden akzeptiert, Bargeld gibt es mit EC-Karte an Geldautomaten. Ein Euro sind etwa 1,41 US-Dollar (Stand: Juni 2009).

Technik: Die elektrische Spannung in den USA beträgt 110 Volt, Adapterstecker sollten bereits vor der Einreise besorgt werden.

Weitere Auskünfte: NYC & Company, c/o Aviareps, Sonnenstraße 9, 80331 München

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