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Übergabe in Kiel : Heute bekommt der Milliardär seine Segelyacht „A“

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Die „A“ wird offiziell übergeben. Andrey Melnichenko soll fast 400 Millionen Euro bezahlt haben.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 18:53 Uhr

Kiel | Sie ist schon etwas Besonderes, daran gibt es keinen Zweifel. Sie ist besonders groß: Mit ihren 143 Metern sogar die längste Segelyacht der Welt. Sie ist auch besonders teuer: Ihr Eigner Andrey Melnichenko soll fast 400 Millionen Euro für das Schiff zahlen. Und sie hat einen besonders kurzen Namen: Sie heißt einfach nur „A“. Nach mehrjähriger Bauzeit will die Kieler Werft German Naval Yards die weltweit größte Segelyacht am Freitag offiziell übergeben.

Ob sie auch besonders schön ist, darüber sind die Meinungen an der Küste geteilt. Die einen finden den Neubau, der seit sechs Monaten gut sichtbar vor dem Baudock der German Naval Yards in Kiel liegt, sehr futuristisch. Der vom bekannten Schiffsdesigner Philippe Starck entworfene Rumpf mit den Ton-in-Ton-farbigen, von außen kaum wahrnehmbaren Fenstern gilt als stylisch. Und die bis zu 100 Meter hohen Masten – zum Vergleich: Die von Segelschulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine sind nicht einmal halb so hoch - werden mit eleganten Lanzen verglichen. Kritische Zeitgenossen meinen hingegen, die Masten sehen aus wie zu spät geernteter Spargel, der Rumpf sei klobig und ähnele eher einem gepanzerten Tanker als einer eleganten Segeljacht und der silbergraue glänzende Anstrich sei mehr als gewöhnungsbedürftig.

Egal wie man zu dem Schiff steht- es sorgt auf jeden Fall für Gesprächsstoff. Der Küstenklatsch berichtet von gläsernen Fußböden im Salon, durch die man beim Cocktailtrinken Fische betrachten kann , und einem schiffseigenen U-Boot für Expeditionen in die Unterwasserwelt.

Als die „A“ im Herbst zu ihrer ersten Probefahrt auf der Kieler Förde auslief, verfolgten Hunderte an den Stränden und auf den Promenaden sowie von Bord der großen Kreuzfahrtschiffe aus das Spektakel. Vergeblich wartete ganz Kiel allerdings darauf, die „A“ endlich unter vollen Segeln zu sehen. 3700 Quadratmeter „Tuch“ – das entspricht der Fläche eines halben Fußballfeldes – können vollautomatisch an den Megamasten aus Carbonfasern gesetzt werden – der Praxistest steht noch aus.

<p>Das mittlere Segel ist gesetzt.</p>

Das mittlere Segel ist gesetzt.

Foto: Rolf Dunkel
 

 

Teures Spielzeug für einen der reichsten Russen

Der Eigner liebt offenbar Rekorde. Die „A“ ist mit 25 Metern nicht nur extrem breit, sie ist auch gut 20 Meter länger als das derzeit noch längst Segelschiff der Welt, die „Sedov“ aus Russland. Auch sie wurde einst in Kiel gebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg aber als Reparationszahlung an die damalige Sowjetunion übergeben.

Viel mehr als die technischen Daten gibt die Werft nicht Preis, denn millionenschwere Privataufträge von Oligarchen und Scheichs gelten als Geheimsache. Werften, die sich nicht daran halten, müssen hohe Konventionalstrafen zahlen oder verlieren den Auftrag gleich komplett. Laut Forbes-Liste gehört Melnichenko zu den zehn reichsten Russen. Das Fachblatt schreibt ihm ein Vermögen von 11,9 Milliarden Dollar zu, das er mit Wechselstuben, Kohle, Dünger und Strom machte.

In Kiel ist der Russe kein Unbekannter. Er hat sich in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt schon einmal ein Schiff bauen lassen. 2008 lieferte die Howaldt-Werft eine 120 Meter lange Motorjacht aus, ebenfalls mit dem Namen „A“. 

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Kürzlich lagen beide Schiffe, die Motorjacht „A“ und das Segelschiff „A“, gemeinsam im Kieler Hafen. Melnichenko war gekommen, um den Baufortschritt zu begutachten und übernachtete auf seiner Motorjacht Die glänzt ebenfalls mit Superlativen: fünf Decks, 3 Pools und 42 Mann Besatzung. Damit kommt die Segeljacht „A“ nicht aus. Die Rede ist von 54 Mann, die für Fahrt sorgen sollen, sich um das Wohl der Passagiere kümmern und darum, dass das Schiff auf Dauer seinen silbrigen Glanz behält.

Bis zum Schluss wurde gerätselt , wann die Jacht nach mehr als fünfjährige Bauzeit offizielle übergeben wird. Und obwohl inzwischen feststeht, dass es heute endlich soweit ist, bleibt die Sache rätselhaft: Einladungen zum feierlichen Akt wurden am Donnerstag überraschend zurückgezogen.

Zentimeterarbeit bei der Fahrt in die Nordsee

Spannend wird noch mal, wenn die die Jacht in den kommenden Tagen die Ostsee verlässt und wärmere Gefilde ansteuert. Die Route steht schon fest, denn es gibt nur eine einzige. Wegen der hohen Masten passt die „A“ weder durch den Nord-Ostsee-Kanal – denn hier haben die Brücken nur eine lichte Höhe von 40 Metern – noch kann sie die Passage durch den großen Belt (Brückenhöhe 65 Meter) oder den Öresund (57 Meter) nehmen. Allerdings haben die Planer der Öresund-Brücke offenbar schon vor 20 Jahren damit gerechnet, dass sich irgendwann reiche Männer teure, große Spielzeuge bauen lassen. Auf den vier Kilometern zwischen Dragør südlich von Kopenhagen bis zur küstlichen Insel Peberholm verläuft deshalb die Örseundbrücke als Straßentunnel, bevor sie aus der Erde kommt und über ein atemberaubendes Brückenbauwerk weiter gen Schweden führt. Die Segeljacht „A“ muss also dieses brückenlosen Teilstück – den sogenannten Drogden – als Notausgang aus der Ostsee nehmen.

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Für den Kapitän, der immer gerne eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hat – oder gleich zwei – wird das zur Zitterpartie. Nach Angaben der dänischen Schifffahrtsbehörde beträgt die Wassertiefe im Drogden etwa acht Meter. Also genau so viel, wie die „A“ bei voller Ladung Tiefgang hat. Der Swimmingpool sollte also besser noch nicht geflutet sein, und auch Vorräte an Krimsekt und teuren Krustentieren werden besser erst jenseits der Enge aufgefüllt. Dann, so sagen Experten, werden unter dem Kiel des Segler wohl die nötigen 50 Zentimeter Wasser sein, um ohne Schrammen in die Nordsee zu kommen. Ein Spektakel wird das auf jeden Fall. Auf dem Flughafen Kastrup muss sogar vorübergehend eine Landebahn gesperrt werden, weil die Drogden-Enge in der Einflugschneise des Kopenhagener Airports fliegt. Und eine Kollision mit den eleganten Lanzen – wahlweise: dem zu spät geernteten Spargel– will kleiner riskieren.

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