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Deutschland & Welt

23. Oktober 2017 | 11:56 Uhr

Zukunftsatlas 2016 : Geteiltes Deutschland

vom

Ergebnisse des „Zukunftsatlas 2016“: Nord-Süd-Gefälle bei Wirtschaftskraft bleibt weiter bestehen

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Boom im Süden, düstere Aussichten für Mecklenburg-Vorpommern: Der Graben zwischen reichen Regionen sowie armen Gegenden im Osten, Norden und Westen des Landes ist einer Studie zufolge weiterhin tief. „Die Schere schließt sich nicht. Tendenziell schwächere Regionen haben nicht aufgeholt“, sagt Peter Kaiser, Projektleiter des „Prognos Zukunftsatlas 2016“.

Die Zukunftsperspektiven der Regionen werden anhand eines Zukunftsindex bestimmt. Der Index beruht auf 29 makro- und sozioökonomischen Indikatoren. Eine zusätzliche Differenzierung nach „Stärke“ erlaubt Aussagen über den Ist-Zustand eines Kreises bzw. einer Stadt. Die „Dynamik" zeigt, wie sich eine Region im Zeitverlauf entwickelt hat. Mehr Informationen gibt es hier: www.prognos.com

Die Landkreise von MV verharren weiter am Ende der Rangliste. Unter den bundesweit 402 Kreisen und kreisfreien Städten wurden Vorpommern-Rügen auf Platz 401 und Vorpommern-Greifswald auf Platz 397 eingestuft. Rostock-Land macht einen Sprung von Platz 351 auf 310. Die Stadt Rostock als Wirtschaftszentrum hingegen fällt gegenüber der Studie von 2013 von Rang 203 auf 251 zurück. In den ländlichen Randlagen fernab der Metropolen – zum Beispiel in Vorpommern – sind nach der Studie die Zukunftschancen am geringsten.  „Die jungen Leute gehen weg, und nur wenige kommen nach der Ausbildung zurück. Die Bevölkerung sinkt“, erklärt Kaiser.

>>Hier geht es zum Zukunfsatlas:

„Wie viele Studien und Rankings müssen noch vorgelegt werden, bevor die Landesregierung und allen voran der Ministerpräsident die Realitäten endlich zur Kenntnis nehmen?“, fragte gestern Helmut Holter, Vorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion. MV rangiere bei den Löhnen und Einkommen, der Wirtschaftskraft, bei der Rente und vielen anderen Lebens- und Arbeitsbedingungen weiter im Tabellenkeller. Dabei ginge die Schere nicht nur bundesweit sondern auch innerhalb von MV immer weiter auseinander. Diese Entwicklung dürfe nicht länger ignoriert werden, sagte Holter: „Wer über eine Milliarde Euro im Sparstrumpf hat, muss einen Teil davon heute in die Zukunft des Landes und seiner Menschen investieren.“

Auf dem letzten Platz der Rangliste löst der Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt die Prignitz ab. Mansfeld-Südharz – ebenfalls Sachsen-Anhalt – rutschte von Platz 396 auf Platz 400.  Die größten Probleme: Hohe Arbeitslosigkeit und Kinderarmut sowie steigende Schulden der Kommunen. Die größten Zukunftschancen hingegen bescheinigt das Forschungsinstitut dem Landkreis München, gefolgt von der Stadt München und der Stadt Ingolstadt. „Starke Industrieunternehmen und Dienstleistungen konzentrieren sich auf Bayern, Baden-Württemberg und Hessen und dort vor allem auf die Metropolen“, erläutert Kaiser. Lichtblicke gibt es im Norden mit Wolfsburg (5.) und Hamburg (18.), in Nordrhein-Westfalen mit Düsseldorf (21.) – sie landen immerhin unter den Top 25 des Rankings.

Bund und Länder ringen derzeit um die Umverteilung zwischen „reichen“ und „armen“ Ländern. Der seit Jahren umstrittene Finanzausgleich, der die Verteilung der Einnahmen zwischen Bund, Ländern und Kommunen regelt, und der Solidarpakt II laufen 2019 aus.

Die Regierungsbeauftragte Iris Gleicke forderte im vergangenen Jahr anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung: „Was unser Land für die Zeit nach dem Solidarpakt braucht, ist eine zuverlässige Förderung der strukturschwachen Regionen, und zwar in Ost und West.“

Kommentar von Michael Seidel: Selbstvertrauen gegen Studien
Ranglisten bedienen die alarmistische Grundneigung von Medien.  Deren Ansatz, das Außergewöhnliche hervorzukehren nach dem Motto „Zuspitzung macht deutlich“, ist  normal, hinterlässt aber  einmal mehr den  Eindruck: Im Osten geht gar nix – außer ein paar Positionswechseln am Ende des Fahrerfeldes und wenigen Highlights in Sachsen und Thüringen. Ansonsten: pure Depression.  Das Gefühl,  am A... der Welt zu leben. Unsere Ausgabe „Der Prignitzer“ schrieb in der Vergangenheit nach dem 402.  und letzten Platz im Prognos-Ranking    dagegen   an: „402 gute Gründe“, warum es sich trotzdem lohnt, in der Region zu leben. Das hat mental ein wenig genützt,  strukturell aber kaum. Andererseits ist die Rangliste nur eine Bestandsaufnahme und - eben -  Prognose aufgrund aktuell verfügbarer Fakten.  Umkehrschluss: Veränderte Fakten können beim nächsten Mal auch das Ranking verändern. Wenn etwa die MV-Landesregierung jetzt massiv in  Breitband investiert, könnte das den Nordosten um Ränge voran bringen. Allerdings lehrt das Ranking: Ohne industrielle oder zumindest  Mittelstands-Kerne und Top-Infrastruktur lässt sich wenig   bewegen. Immerhin: Wir leben, wo andere Urlaub machen!
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