Kreis Schleswig-Flensburg : Falscher Arzt als Notfallmediziner im Einsatz

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei Anfang Dezember die gefälschte Approbation von Sebastian S.
Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei Anfang Dezember die gefälschte Approbation von Sebastian S.

Ein 35-Jähriger täuschte Studium und Fachausbildung vor. Jetzt kam er in psychiatrische Behandlung.

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19. Dezember 2017, 20:07 Uhr

In dem Hollywood-Film „Catch me if you can“ spielt Leonardo DiCaprio einen Hochstapler und Schecksfälscher, dem es schließlich sogar gelingt, als falscher Pilot Tausende von Meilen kostenlos zu fliegen und sich als Arzt auszugeben. Mit genau einem solchen Fall hat es jetzt die Flensburger Kriminalpolizei zu tun. Nur handelt es sich hier um einen falschen Arzt.

Die Polizei ermittelt gegen einen falschen Notarzt, der offenbar mehrere Jahre lang im Einsatz war. Sebastian S. (35) soll unter anderem einen schwer verletzten Motorradfahrer versorgt haben, dem ein Bein amputiert werden musste.

„Der Beschuldigte ließ sich auf Motorsportveranstaltungen gegen Honorar als Notfallmediziner an Rennstrecken einsetzen“, sagte Christian Kartheus, Sprecher der Polizeidirektion Flensburg. „Hauptsächlich im Motorsportpark im dänischen Padborg.“ Aber auch bei Rennen oder Musikfestivals in Deutschland soll Sebastian S. als Notfallarzt gebucht worden sein.

Seine vermeintliche Karriere war steil: 2012 hatte S. zunächst bei einer Rettungsorganisation in Flensburg als ehrenamtlicher Helfer begonnen, danach als Rettungssanitäter gearbeitet. Laut Polizei täuschte er dann ein Medizinstudium an der Universität in Hannover vor – und eine Facharztausbildung zum Chirurgen am UKSH in Kiel. Kartheus: „Beides hat es nachweislich nicht gegeben.“

Entsprechend groß ist die Bestürzung bei Bekannten. „Es gab nie Zweifel an seinen Fähigkeiten, sie wurden von allen als überdurchschnittlich bewertet“, sagt Heiko Ambos von der Rennsportgemeinschaft Schleswig-Holstein, die regelmäßig in Padborg fährt. Im September soll S. dort einem Motorradfahrer, der bei Tempo 200 verunglückte, das Leben gerettet haben. Das Bein des Mannes, der in die Leitplanke knallte, musste jedoch amputiert werden.

Nach einem Tipp durchsuchte die Polizei Anfang Dezember das Haus von Sebastian S. in Munkbrarup, fand auf seinem Computer eine gefälschte Approbation. Wenige Tage später wurde S. in Niedersachsen in einen schweren Unfall verwickelt, kam in psychiatrische Behandlung. Gegen ihn wird wegen Urkundenfälschung, Amtsmissbrauch und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt, da er mit einem Ausweis („Doktor der Medizin“) verschreibungspflichtige Medikamente in Apotheken gekauft hat.

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