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Segelschulschiff der Marine : Entscheidung über Zukunft der „Gorch Fock“ in wenigen Tagen

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Dem Segelschulschiff droht das Aus: Es sollte repariert werden. Doch die Kosten könnten den Rahmen sprengen.

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erstellt am 24.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Flensburg/Kiel | Ob die „Gorch Fock“ weiterhin für die Deutsche Marine in See stechen wird, ist offenbar unklar. Das Verteidigungsministerium prüft, ob das Segelschulschiff außer Dienst gestellt wird. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird nach Angaben eines Marinesprechers in wenigen Tagen über die Zukunft des Dreimasters entscheiden. Dabei gehe es entweder um eine aufwendige Instandsetzung des fast 60 Jahre alten Dreimasters oder einen Neubau eines Segelschulschiffes für die Marine, sagte der Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Marine, Kapitän zur See Johannes Dumrese, am Dienstag in Rostock.

Die fast 60 Jahre alte „Gorch Fock“ liegt dem Marine-Sprecher zufolge seit dem 4. Januar 2016 für eine geplante Instandsetzung in der Bredow Werft in Bremerhaven. „Die Arbeiten wurden am 11. Oktober 2016 durch den Projektleiter gestoppt, da sich deutliche Kostensteigerungen aufgrund verdeckter Schäden für in der Folge sich ergebende weitere Reparaturen abzeichneten und keine Klarheit über den Umfang der erforderlichen Maßnahmen bestand“, erklärte er. Den Auftrag erhielt die Elsflether Werft in Elsfleth (Niedersachsen), die für die „Gorch Fock“ aber das Dock in Bremerhaven nutzt. Es wurde eine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen, deren Ergebnis bisher nicht veröffentlicht wurde.

Die Kosten für die Instandsetzung des Windjammers liefen 2016 immer mehr aus dem Ruder. Der Bedarf habe sich bis zum Instandsetzungsstopp im vergangenen Oktober „bereits auf rund 35 Millionen Euro“ erhöht. Ursprünglich sollte die Instandsetzung knapp 10 Millionen Euro kosten. „Wir müssen die Entscheidung von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen abwarten, welche Alternative greift“, sagte Dumrese am Dienstag in Rostock.

Mit großer Sorge reagierte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD): „Unser Herz würde bluten, wenn wir die ,Gorch Fock' verlieren würden“, sagte er am Dienstag auf NDR 1 Welle Nord. Kiel ist Heimathafen des weißen Windjammers, der seit Jahrzehnten als „Botschafter Deutschlands“ auf den Weltmeeren und in den Häfen der Welt international viel Sympathie gefunden hat.

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels sagte, die Gorch Fock gehöre zur Identität der Marine, er sei sehr dafür, dass das für die Ausbildung relevante Schiff weiter im Dienst der Marine genutzt werde.

Seit 1958 haben etwa 15.000 Männer und Frauen der Marine - darunter praktisch alle Offiziersanwärter - ihre seemännische Basisausbildung auf dem Dreimaster absolviert. Schiff und Besatzung legten mehr als 750.000 Seemeilen zurück. Das entspricht etwa 35 Erdumrundungen. „Mit der ,Gorch Fock' verbindet den schleswig-holsteinischen Landtag eine jahrzehntelange enge Partnerschaft“, betonte Landtagspräsident Klaus Schlie.

„Die ,Gorch Fock' ist eines der traditionsreichsten Schiffe Deutschlands und sicher sein bekanntestes. Der Landtag steht hinter der Gorch Fock - ob repariert oder neu gebaut“, sagte Schlie. „Wir wollen auch zukünftig die Offiziersanwärterinnen und -anwärter in ihrer Ausbildung begleiten. Die unmittelbare, direkt erlebte Seemannschaft kann nur auf einem Segelschiff erworben werden“, betonte der Landtagspräsident. „Dies ist für die Offiziere der Deutschen Marine ein absolut notwendiger Teil ihrer Ausbildung. Darüber hinaus ist das Mannschaftserlebnis auf einem Segelschiff eine unerlässliche Erfahrung, um Führung kompetent zu erlernen.“

Egal, ob Reparatur oder Neubau: Die Marine will in jedem Fall als Übergangslösung einen Segler als Schulschiff mieten. Welches Schiff dies sein werde, sei noch nicht entschieden, sagte Dumrese.

Der Bund der Steuerzahler hat die immer teureren Reparaturen als Geldverschwendung kritisiert. Ein Neubau wäre günstiger, hieß im Schwarzbuch 2016/17. So habe etwa das private Segelschulschiff „Alexander von Humboldt II“ 2011 nur 15 Millionen Euro gekostet.

Dagegen seien seit 2010 einschließlich der laufenden Arbeiten für die „Gorch Fock“ rund 30 Millionen Euro ausgegeben worden. Das war Stand Oktober, inzwischen sind die geschätzten Kosten weiter gestiegen. „Man kann einen Neubau wie die „Alexander von Humboldt II“ nicht mit einem Segelschulschiff der Marine vergleichen“, betonte Dumrese. Bei einem Neubau müssten die hohen Sicherheitsstandards der Marine eingehalten werden und das koste nun mal Geld - ebenso wie die robuste Technik, die ja nicht nur ein paar Jahre halten solle.

Zur Instandsetzung gehörten zunächst Arbeiten an der Takelage und am Rumpf. Auch die drei bis zu 45 Meter hohen Masten müssten wegen Rostschäden ausgetauscht werden und das Holzdeck ist marode.

Die „Gorch Fock“ ist der Marineschule Flensburg unterstellt. Ihr Heimathafen ist Kiel.

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