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Deutschland & Welt

20. November 2017 | 22:19 Uhr

Detroit auf Strom: Schräge Ideen für Elektroautos

vom

Ob Golfplatz-Mobil oder Straßen-Flitzer mit drei Reifen - abseits der etablierten Autobauer zeigen Kleinhersteller auf der Detroit Motor Show schlichte und skurrile Elektro-Vehikel.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2010 | 05:01 Uhr

Detroit (dpa/tmn) - Als Chevrolet vor zwei Jahren in Detroit den Volt enthüllte, war das Elektroauto noch eine Sensation. Doch mittlerweile hat man das Stufenheckmodell und seinen deutschen Zwilling Opel Ampera schon oft gesehen.

Zum Verkaufsbeginn in der zweiten Jahreshälfte haben die beiden fast ein wenig Patina angesetzt. Und auch am Nissan Leaf, dem Mitsubishi i-Miev oder am Smart ed hat man sich bereits beinahe satt gesehen. Die Stars auf der «Electric Avenue» bei der Detroit Motor Show (noch bis 24. Januar) sind deshalb nicht die Elektroautos der großen Hersteller. Im Brennpunkt des Interesses stehen vielmehr mal schlichte, mal skurrile Vehikel von umweltbewegten Kleinserienherstellern und ehrgeizigen Tüftlern.

Chinesischer Autobauer mit zwei Dutzend Elektroautos

Befreit vom Druck des Markenimage, den Bürden der Qualitätssicherung und einem Heer von Kostenkillern wollen sie nicht mehr als die Welt retten, ohne dass dabei der Fahrspaß auf der Strecke bleibt. Mit am buntesten treibt es auf der Messe der chinesische Hersteller CT&T, der gleich zwei Dutzend Elektro-Vehikel auf den Stand gestellt hat. Das Angebot der zum größten Teil serienreifen Fahrzeuge reicht vom kleinen Roadster im Stil des Lotus Elise über den Dienstwagen des Eisverkäufers bis hin zum elektrischen Streifenwagen und einem Amphibienfahrzeug mit Batteriebetrieb.

Während diese Elektrofahrzeuge allerdings aussehen wie etwas groß geratene und aufwendig verkleidete Golfkarren, stehen nebenan eine Hand voll Konzeptfahrzeuge, die man sich auch in einem James Bond-Film oder bei Raumschiff Enterprise vorstellen kann. Einer davon ist der ZAP Alias, ein mit der Spitze nach hinten gedrehtes Dreirad, in dem drei Passagiere auf Reisen gehen können. Der rote Keil mit dem beleuchteten Vogel als Markenzeichen schafft den Sprint auf Tempo 100 in rund acht Sekunden, erreicht rund 120 km/h und kommt mit einer Akkuladung mehr als 130 Kilometer weit. Fast das Doppelte schafft der ähnlich unkonventionelle Wave des US-Herstellers EV Innovations, der mit seiner aerodynamischen Form an einen Segelflieger ohne Flügel erinnert.

Einige Exoten schon im Handel erhältlich

Dass es auch ohne Strom geht, will Edison2 mit dem Very Light Car beweisen. Gebaut aus recyceltem Aluminium wiegt der Viersitzer kaum eine halbe Tonne und ist windschnittiger als jeder Ferrari. Deshalb reicht ihm ein Einzylinder-Motor mit 250 Kubikzentimetern Hubraum und 29 kW/40 PS für Geschwindigkeiten jenseits von 100 Meilen pro Stunde (rund 160 km/h). Und wo die Elektroautos nach ein paar hundert Kilometern an die Steckdose müssen, schafft es der glänzende Bote aus der Zukunft mit einer Tankfüllung mehr als 1000 Kilometer weit.

Vergleichsweise konventionell wirken dagegen der kanariengelbe Carbon-Zero Roadster von Saba, der mit einem Sprintwert von unter sechs Sekunden jedem Porsche davon fährt, und der «2 S.S.I.C», der im Glasfaserkleid eines Retro-Coupés aus den 60er Jahren steckt. Entwickelt vor allem für Viertelmeilenrennen, beschleunigt er in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 und saust mit 140 Meilen (rund 225 km/h) davon. Diese Fahrleistungen stützen die These, die seine Entwickler auf die Heckscheibe geklebt haben: «Grün ist so reizvoll wie du es machst.»

Zwar sehen die meisten Autos auf der Electric Avenue erschreckend handgemacht aus. Und ganz so ambitioniert wie bei Chevrolet, Mitsubishi, Nissan oder Mercedes sind die Stückzahlerwartungen auch nicht. Doch streng genommen sind die Tüftler gar nicht so weit hinten dran: Genau wie Volt & Co. sind auch ihre Autos längst im Praxistest. Und während man auf die Serienstromer der Großen noch immer warten muss, kann man einige der elektrischen Exoten bereits kaufen.

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