Haftstrafe für Hoeneß : Das Spiel ist aus

Bayern-Präsident Uli Hoeneß verliert sein Finale vor Gericht. Er soll drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis – geht aber in Revision

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13. März 2014, 11:28 Uhr

Als der Vorsitzende Richter Rupert Heindl im Namen des Volkes das Urteil spricht, als er die Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten ankündigt, da scheint Uli Hoeneß für einen Moment zu erstarren. Fast regungslos steht er da, als kämen die Worte von weit weg, als beträfen sie ihn gar nicht. Danach, während Heindl das Urteil begründet, wirkt der Präsident des FC Bayern München, als koche er innerlich, presst die Lippen zusammen, fast scheint es, als kämpfe er gegen Tränen an.

Nein, es klicken keine Handschellen im Gerichtssaal. Hoeneß verlässt den Saal, er bleibt auf freiem Fuß, so lange, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Der 62-Jährige ist kaum zur Tür raus, da sagt sein Anwalt Hanns Feigen: „Wir werden das Urteil natürlich angreifen.“ Das bedeutet: Der Fall geht zum Bundesgerichtshof. Dieser kann die Revision verwerfen, selbst ein Urteil fällen oder die Sache zurück nach München verweisen, an eine andere Kammer. Das könnte sich  ein Jahr hinziehen.

Aber zunächst ist da dieses Urteil. Hoeneß, das rechnet ihm Richter Heindl noch mal vor, hat mindestens 26,927 Millionen Euro Steuern hinterzogen, genau genommen sind es 28,462 Millionen, weil der Solidaritätszuschlag noch dazukommt. Unabhängig vom Urteil: Es wird am Ende definitiv nicht bei dieser Summe bleiben. Hoeneß wird Strafe und Verzugszinsen zahlen müssen – die Summe, die er an die Staatskasse entrichten muss, dürfte an die 50 Millionen Euro herankommen.

Ruhig und sachlich erklärt Heindl, warum es keine Bewährungsstrafe gibt – und warum er das Verfahren auch nicht einstellte. „Es wird manchmal vergessen, dass Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt ist“, sagt er. „Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir Ihnen nicht ab.“  Die Selbstanzeige sei nicht aus freien Stücken erfolgt, hält er dem Verurteilten vor. „Sie waren getrieben von der Angst vor Entdeckung.“ 

Die Selbstanzeige ist in den Augen des Gerichts unwirksam.  Im Grunde sagt Heindl zu Hoeneß: Sie hätten alle Zeit der Welt gehabt, reinen Tisch zu machen, dann aber haben sie auch mit ihrer Selbstanzeige alles falsch gemacht, was sie falsch machen konnten. Unvollständig eingereicht, dann die Angaben nicht wie gefordert im vollen Umfang berichtigt, und so weiter.

Ob Hoeneß versteht, was Heindl da sagt? Schon kurz nach Ende der Plädoyers  hatte Hoeneß nicht gewirkt wie einer, der weiß, worum es geht. In einem der wichtigsten Momente eines jeden Prozesses zeigte er keine Demut. „Haben Sie noch etwas zu sagen“, fragte ihn Heindl, der Angeklagte habe ja schließlich das letzte Wort. Nein, er schließe sich den Ausführungen seines Anwalts an, „ich hätte es nicht besser sagen können“, entgegnete Hoeneß. Heindl hakt nach, doch Hoeneß sagt nichts wie: Es tut mir leid, ich bereue, ich bitte um ein mildes Urteil.

 Immerhin: Das Geständnis habe die Kammer „erheblich zu Ihren Gunsten gewertet“. Das bedeutet: Herr Hoeneß, es hätte noch viel schlimmer kommen können für Sie.

Bis zu seinem öffentlichen Absturz wurde der Präsident des erfolgreichsten Fußball-Clubs der Welt von den Reichen und Mächtigen geradezu hofiert. Auch wenn er selbst Millionen verdiente, galt er als ehrliche Stimme des Volkes, als Vertreter des kleinen Mannes sogar. Er inszenierte sich – durchaus mit Erfolg – als großes moralisches Vorbild. Sein Anwalt stellte gestern  die besonderen Verdienste von Hoeneß heraus: „Er hat sich mustergültig in seinem Leben verhalten – privat und beruflich.“ Und er habe „stets ein Herz für andere gezeigt, stets dort geholfen, wo Not am Mann war“.  Hoeneß hört auch dem weitgehend regungslos zu. Nach dem Urteil aber kann er den Saal  gar nicht schnell genug verlassen.  Er bleibt auf freiem Fuß, wenngleich auf Pump – der Haftbefehl bleibt gegen eine 5-Millionen-Euro-Kaution ausgesetzt.  Das Spiel ist aus – zumindest bis es vor dem Bundesgerichtshof in die Verlängerung geht.

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