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Vor Amtseinführung des US-Präsidenten : Das ist Donald Trumps groteskes Wunsch-Kabinett

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Ideologische Hardliner, Superreiche und wenig Frauen. Trumps Kabinett-Kandidaten im Porträt.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2017 | 11:27 Uhr

Washington | Donald Trump umgibt sich mit seinesgleichen. Seine Regierung besetzt er so gut wie ausschließlich mit reichen weißen Männern. Für die 21 Kabinettspositionen hat der 45. Präsident der Vereinigten Staaten genau vier Frauen und einen Afro-Amerikaner nominiert; niemanden darunter für eine Schlüsselposition. Betsy DeVos soll das Erziehungsgeld-Ministerium führen, Elaine Chao das Verkehrsministerium, Linda McMahon übernimmt die Mittelstands-Behörde und Nikki Haley wird Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Der Neurochirurg Ben Carson ist der einzige Nicht-Weiße und übernimmt den Wohnungsbau.

Das „Kern-Kabinett“, dem der Außen-, Verteidigungs-, Finanz-, Justiz-, und Heimatschutz-Minister angehören, ist ein reiner Herrenclub; ebenso sein engstes Berater-Team im Weißen Haus. Die Regierungsmannschaft spiegelt nicht die sozial-ökonomische Realität der Wählerschaft Trumps wieder.

Das Kabinett hat einen Netto-Wert von zusammen mindestens 13,5 Milliarden US-Dollar. Damit besitzen die Mitglieder der künftigen US-Regierung mehr als das untere Drittel der Einkommensbezieher in den USA zusammen. 

Während der Präsident seine Berater im Weißen Haus nach Gutdünken berufen kann, bedürfen die Minister der Bestätigung durch den Senat. Dort halten die Republikaner eine knappe Mehrheit von 52 zu 48 Stimmen.     

Trumps Kern-Kabinett im Überblick  

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der langjährige EXXON-Mobil-Chef tritt als der politisch am wenigsten erfahrener Bewerber für das Amt des US-Außenministers an. Der Texaner arbeite sein ganzes Berufsleben für den Öl-Konzern. Ehrenamtlich diente er als Chef der „Boy Scouts of America“.  

Regierungserfahrung: Keine.

Warum Trump ihn schätzt: Tillerson hat Milliarden-Geschäfte für ein globales Unternehmen weltweit ausgehandelt. „Er hat enorme Erfahrung, mit allen möglichen ausländischen Regierungen gesammelt“, lobt Trump seine Wahl für das State Department.   

Was andere kritisieren: Seine engen Beziehungen zu Russland. 2012 hat ihm Waldimir Putin persönlich den „Freundschaft-Orden“ Russlands verliehen. Eine hohe Auszeichnung, die bei einigen Russland-Kritikern im Kongress keine Ehrenauszeichnung ist. Es drohen Interessenkonflikte durch persönliche Inventionen.

Aussichten im Senat: Die Bestätigung steht auf der Kippe. Marco Rubio, Lindsay Graham und John McCain haben Probleme mit seiner Russland-Nähe. Keine Unterstützung ist bei den Demokraten zu erwarten.

Geschätzter Netto-Wert: 385 Milliarden USD

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der Viersterne-General machte sich einen Namen als Befehlshaber des für den Mittleren Osten zuständigen Zentral-Kommandos (2010-13). Der „Krieger-Mönch“ hat zusammen mit General David Petraeus das Handbuch für den Kampf gegen den Widerstand in Irak geschrieben. Er hat enge Beziehungen und gute Kontakte zu anderen NATO-Militärs.  

Regierungserfahrung: 44 Jahre im Militärdienst. Hatte bisher noch keinen Regierungsjob.

Warum Trump ihn schätzt: Seine Erfahrung im Umgang mit islamischen Extremisten. „Niemand versteht mehr von Kampf gegen die ISIS als der General“, lobt Trump Mattis. Er benutzt gerne derbe Sprache und nimmt kein Blatt vor den Mund. Außerdem gilt er als Befürworter eines starken Militärs.

Was andere kritisieren: Trägt wegen seiner oft unkonventionellen Methoden den Spitznamen „Mad Dog“ (Tollwütiger Hund). Ihm hängt mit Blick auf den Kampf gegen die Taliban in Afghanistan der Satz an: „Es macht höllischen Spaß diese Leute umzulegen“. Mattis gehörte zu den Befürwortern einer härteren Linie gegen den Iran.

Aussichten im Senat: Bestätigung sehr wahrscheinlich. Die Nähe zur NATO wird von traditionellen Republikanern als Rückversicherung gesehen. 

Geschätzter Netto-Wert: 7,2 Millionen US-Dollar

Justizminister: Jeff Sessions (70)
Jeff Sessions stimmt in vielen Punkten mit Trump überein.
Jeff Sessions. /Archiv. Foto:Imago/Zuma Press

Der Jurist aus Alabama machte sich einen Namen mit seiner harten Haltung in der Einwanderungsfrage. Er diente in den Südstaaten als Bundesanwalt und später als Chef-Ankläger. Sessions vertritt Alabama seit zwanzig Jahren im Senat. Er gehört zu den Republikanern mit dem konservativsten Abstimmungs-Verhalten. 

Regierungserfahrung: Bekleidet seit 1987 öffentliche Ämter. Seit 1997 im US-Senat

Warum Trump ihn schätzt: Wegen seiner Loyalität. Sessions verteidigte Trump bei Kritik am Muslim-Bann und in der Grabsch-Affäre. Er war der erste Senator, der Trump unterstützte. Außerdem teilt er die harte Linie gegen undokumentierte Einwanderer und Muslime. 

Was andere kritisieren: Viele sehen in dem Südstaatler einen unbekehrbaren Rassisten. 1986 fiel er bei der Nominierung für den Job eines Bundesrichters durch, weil er unter anderen die Bürgerrechtsbewegungen NAACP und ACLU als „unamerikanisch“ bezeichnet hatte. Er bestreitet vehement, Sympathien für den Ku Klux Klan zu haben. 

Aussichten im Senat: Trotz der geschlossenen Opposition der Demokraten dürften die Partei-Kollegen im Senat geschlossen hinter ihm stehen. Er gilt persönlich als umgänglich.

Geschätztes Netto-Vermögen: 7,4 Millionen US-Dollar

Finanzminister: Steven Mnuchin (54)
Steven Mnuchin
Steven Mnuchin. /Archiv Foto:dpa

Mnuchin verdiente sein Geld als Banker an der Wall-Street und Filmproduzent in Hollywood. Er war erst für Goldman-Sachs tätig und managte dann einen Hedgefonds, der mit dem Aufkauf der bankrotten Hypothekenbank IndyMac Kasse machte.     

Regierungserfahrung: Keine.

Was Trump an ihm schätzt: Dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. Er gehörte zu den frühen Trump-Unterstützern, managte dessen Wahlkampffinanzen und mobilisierte Spenden für den Milliardär. Mnuchin teilt die Kritik an Chinas Währungsmanipulation und macht sich für eine Steuerreform stark.

Was andere kritisieren: Munchin gilt als der ultimative Wall-Street-Insider. Seine Berufung steht im Kontrast zu dem Populismus Trumps während des Wahlkampfs. Betroffene erinnern an sein unnachgiebiges Vorgehen bei der Kündigung von Hypotheken-Darlehen nach dem Platzen der Immobilien-Blase. Er hat keine Erfahrung mit öffentlichen Ämtern.

Aussichten im Senat: Die Demokraten lehnen ihn ab, aber die Unterstützung bei den Republikanern ist solide. 

Geschätzter Netto-Wert: 621 Millionen Dollar

Heimatschutz-Minister: John Kelly (66)
John Kelly (r.) mit Donald Trump.
Donald Trump mit John Kelly. /Archiv Foto:dpa

Der andere Vier-Sterne-General im Kern-Kabinett machte sich einen Namen als Kommandeur des Southern Command. Dort war er unter anderem für das Gefangenenlager Guantanamo zuständig, das Donald Trump offenhalten möchte. Er verlor seinen Sohn Robert 2010 in Afghanistan. Kelly wäre als Heimatschutz-Minister für die größte Bürokratie neben dem Pentagon zuständig.

Regierungserfahrung: Keine in zivilen Ämtern, blickt aber auf vier Jahrzehnte Dienst im Militär zurück.

Was Trump an ihm schätzt: General Kelly kennt die Grenze zu Mexiko so gut wie kaum ein anderer. Er bringt damit die Expertise mit, die Trump für den Mauerbau, aber auch die geplanten Zwangsdeportationen braucht. Der General warnt seit langem vor Terroristen, die Schmugglerrouten für die illegale Einreise nutzen könnten.

Was andere kritisieren: Dass er seine Reputation mit dem Dienst für Donald Trump aufs Spiel setzt. Er erwies sich als schwierig bei der von Präsident Obama angestrebten Schließung von Guantanamo.

Aussichten im Senat: Bestens. Allein schon um Radikale wie Kris Krobach aus Kansas oder den Polizeichef von Milwaukee,David Clarke, fernzuhalten. 

Der Job des Wirtschaftsberaters ist noch nicht besetzt, für den letzten noch offenen Kabinettsposten des Agrarministers hat Trump Medienberichten zufolge Sonny Perdue, den ehemaligen Gouverneur von Georgia, vorgesehen.

Der 70-jährige Perdue war früher Demokrat, wechselte aber die Parteizugehörigkeit und regierte den südöstlichen Bundesstaat von 2003 bis 2011 als Republikaner. Wenn Trump den früheren Tierarzt offiziell nominiert, gibt es für jeden Posten in seinem Kabinett einen Kandidaten.

Auf den übrigen Posten finden sich Personen aus ganz unterschiedlichen Spähren. Da sind zum einen enge Trump-Vertraute, wie der 79-jährige Großinvestor Wilbur Ross als Handelsminister, der designierte Handelsbeauftragte Robert Lighthizer (69) und Erziehungsministerin Betsy DeVos (59). 

Zur zweiten Gruppe gehören die ideologischen Hardliner. Trump sieht Gesundheitsminister Tom Price (62) wegen dessen radikaler "Obamacare"-Opposition ebenso wie den designierten Chef der Umweltbehörde EPA Scott Pruitt (48). Letzter verspricht, die Behörde an die Kette zu legen. Dann wäre da noch der Hamburger-Großbrater Andrew Puzder (66), der entschieden gegen den Mindestlohn eintritt und das Arbeits-Ministerium übernehmen soll. Schließlich wäre da noch Trumps künftiger Innenminister Ryan Zinke (55), der die Ländereien des Bundes für Ausbeutung von Rohstoffen öffnen soll.     

Auf nachgeordneten Posten bindet Trump auch ehemalige Rivalen ein. Dazu gehören die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, (45) als UN-Botschafterin, der frühere texanische Gouverneur Rick Perry (66), der selber Präsident werden wollte, als Energieminister. Ebenso wie Ben Carson (65), den Trump im Wahlkampf noch mit einem Kinderschänder verglichen hatte. Der soll künftig das Wohnungsbau- und Stadtentwocklungs-Ministerium führen.

Einziger Demokrat im Kabinett ist David Shulkin (57), der sich um die Reform des Gesundheitssystems für die Veteranen kümmern soll.

Neben dem Kabinett gibt es die berufenen Einflüsterer und Strippenzieher im Weißen Haus, die oft mehr Einfluss haben als die Kabinettsmitglieder:

Stabschef: Reince Priebus (44)
Reince Priebus

Reince Priebus

Foto:dpa

Stabschef wird der bisherige Generalsekretär der Republikaner Reince Priebus (44). Traditionell macht der „Chief of Staff“ die Lichter morgens als erster an und abends als letzter wieder aus. Dient Trump als Brücke zum Parteiestablishment und hilft ihm, mit seinem Netzwerk die 4000 Führungspositionen in der Regierung zu füllen. 

Der orthodoxe Christ muss sich den Einfluss mit einem orthodoxen Juden und einem weißen Nationalisten teilen. 

Chefberater: Jared Kushner (35)

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (35) erhält den Titel des  „Chefberater“. Dem Ehemann von Lieblingstochter Ivanka traut Trump am meisten. Er sieht in ihm sein jüngeres „Alter Ego“ und schätzt seinen Rat. An ihm wird kein Weg vorbei führen.

Chefstratege: Stephen Bannon (63)
Steve Bannon wird dem rechten Rand der Republikaner zugeordnet.
Stephen Bannon. /Archiv Foto:dpa

Der dritte im Bunde ist „Chefstratege“ Stephen Bannon, den Trump bei der Ernennung auf eine Stufe mit Priebus stellte. Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der den ideologischen Einfluss des Vordenkers der alternativen Rechten unterstreicht. Bannon hat mit Breitbart ein mächtiges Medien-Imperium aufgebaut, das wie so etwas wie Trumps private Propaganda-Abteilung ist.

Sprecher des Präsidenten: Sean Spicer (45)

Sean Spicer (45) kommunizierte jahrelang für die Republikanische Partei. Für Bush verkaufte er dessen Freihandels-Politik. Dass er nun das Sprachrohr eines Präsidenten mit protektionistischen Instinkten wird, gehört zu den Kuriositäten des Kabinetts.  

Von Hause aus versteht sich Spicer auf die Sicherheitspolitik. Im Unterschied zu anderen Sprechern des Weißen Hauses hat in der Vergangenheit nicht an herausgehobener Stelle für ein US-Medium gearbeitet. 

Sein Verhältnis zu den Journalisten ist gespannt. Er schreckt nicht vor lautstarkem Streit vor laufender Kamera zurück.

 
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