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Nach Attentat auf Satiremagazin : „Charlie Hebdo“-Anschlag: Verdächtige festgenommen

vom

Schock in Frankreich: Präsident Hollande spricht von einem Terrorakt. Tatverdächtige wurden überwacht. Pegida sieht sich bestätigt. Innenminister de Maizière warnt vor Panikmache. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2015 | 11:42 Uhr

Paris | Im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hat die Polizei mehrere Verdächtige festgenommen. Das gab Premierminister Manuel Valls am Donnerstag im Sender RTL bekannt. Wie viele Festnahmen es gab, sagte Valls nicht. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtet von sieben Personen, die in Gewahrsam seien.

Seit dem Anschlag am Mittwochvormittag fahnden tausende Beamte der französischen Polizei mit Hochdruck nach den Attentätern von Paris – unter anderem in Reims und Straßburg. Bislang ging man davon aus, dass es sich bei den mutmaßlichen Attentätern um die Brüder Said (34) und Chérif Kouachi (32) handelt. Beide sind der Polizei bereits bekannt. Ob die beiden Hauptverdächtigen unter den Verhafteten sind, ist nicht bestätigt. Ein mutmaßlicher Helfer (18) der beiden Brüder stellte sich am Mittwochabend nach knapp zwölf Stunden freiwillig der Polizei. Er soll seine Unschuld beteuern.

Die beiden gesuchten Tatverdächtigen wurden nach Angaben des Pariser Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, gegen die Männer habe es auch kein juristisches Verfahren gegeben, so Cazeneuve dem Sender Europe 1. „Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht“, erklärt Cazeneuve an.

Der jüngere der beiden Brüder hat nach Berichten französischer Medien bereits ein Vorleben als Islamist. Chérif Kouachi wurde 1982 in Paris geboren. Er soll Teil einer nach dem städtischen Park „Buttes-Chaumon“ genannten Verbindung gewesen sein, die in Frankreich Dschihadisten für den Kampf im Irak angeheuert haben soll. Kurz bevor er sich absetzen konnte wurde er verhaftet und 2008 zu drei Jahren Haft verurteil, von denen 18 Monate zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zwei Jahre später wurde sein Name im Zusammenhang mit einem Befreiungsversuch eines inhaftierten Mitglieds einer islamistischen Gruppe genannt.

Auch der ältere Bruder ist als französischer Staatsbürger im zehnten Arrondissement von Paris geboren. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten seines jüngeren Bruders soll auch Said K. 2010 im Visier der Ermittler gewesen sein. Dabei sollen sich keine Erkenntnisse ergeben haben.

Der 18-jährige mutmaßliche Helfer sei in der Kleinstadt Charleville-Mézière nahe der belgischen Grenze in Polizeigewahrsam, hieß es am frühen Donnerstagmorgen in übereinstimmenden Medienberichten. Er heiße Hamyd M. und soll seine Unschuld beteuert haben. Er habe sich gestellt, weil sein Name in den sozialen Netzwerken genannt worden sei. Mitschüler in Charleville-Mézière sollen Medien zufolge erklärt haben, er sei am Morgen in der Schule gewesen.

Die Kouachi-Brüder stehen in dringendem Tatverdacht, das Attentat in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ verübt zu haben.
Die Kouachi-Brüder stehen in dringendem Tatverdacht, das Attentat in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ verübt zu haben. Foto: dpa
 

Spezialkräfte umstellten in der Nacht ein Haus im ostfranzösischen Reims. Die Spurensicherung ist im Gebäude. Reims liegt etwa 150 Kilometer von der französischen Hauptstadt entfernt. Der 18-Jährige wurde ebenso verhört wie das Umfeld der verdächtigen Brüder. Die Behörden veröffentlichten im Internet ein Fahndungsplakat, um Zeugen zu finden.

Zuvor hatte bereits die angesehene Tageszeitung „Libération“ gemeldet, die drei Attentäter von Paris seien identifiziert worden. Es handele sich um Männer im Alter von 34, 32 und 18 Jahren, schrieb das Blatt auf seiner Website. Alle drei stammen demnach aus Gennevilliers im Departement Hauts-de-Seine, das im Westen an Paris angrenzt. Sie besitzen die französische Staatsbürgerschaft.

Die Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Polizei so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift „Le Point“ und die Zeitung „Le Monde“ schreiben, vergaß einer der Brüder seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Attentäter am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten.

Beim schwersten Terroranschlag in Frankreich seit einem halben Jahrhundert ist am Mittwoch praktisch die gesamte Führungsmannschaft des islamkritischen Pariser Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ermordet worden. Die Staatsanwaltschaft sprach von zwölf Toten, darunter sind auch zwei zum Schutz des Magazins abgestellte Polizisten. Bei ihrer Flucht in einem Auto gaben die Täter weitere Schüsse ab; eine Passantin wurde verletzt.

Erst am Dienstag hatte die Zeitschrift eine Karikatur veröffentlicht, auf der ein islamistischer Terrorist mit einer umgehängten Kalaschnikow auf dem Rücken sagt: „Noch immer kein Attentat in Frankreich, aber man darf sich ja bis Ende Januar was wünschen.“

Zeugen zufolge drangen zwei schwarz vermummte Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume ein und schossen kaltblütig um sich. Die Terroristen riefen „Allah ist groß“ und „Wir haben den Propheten gerächt“. „Sie sprachen perfekt Französisch“, sagte die Zeichnerin Corinne Rey, die den Anschlag überlebte, der Zeitung „l'Humanité“. Dabei hätten sie behauptet, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören. Der Überfall habe etwa fünf Minuten gedauert; sie habe unter einem Schreibtisch Deckung gesucht. Die Täter konnten fliehen.

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve waren an dem Mordanschlag insgesamt drei Täter beteiligt. Nach einer Krisensitzung der französischen Regierung sagte der Minister am Mittwoch in Paris, man werde alles tun, „um die drei Kriminellen, von denen dieser barbarische Akt ausging, so schnell wie möglich auszuschalten.“ Cazeneuve äußerte sich nicht näher darüber, wer von den Gesuchten bei der Tat welche Rolle übernommen hatte.

Für den Großraum Paris wurde sofort die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen. Nach dem Anschlag überprüfen auch andere europäische Länder ihre Sicherheitsmaßnahmen. In Dänemark hat die Zeitung „Jyllands-Posten“ die Sicherheit in ihren Redaktionshäusern verschärft. „Die Beobachtungen und das Sicherheitsniveau an unseren Standorten in Kopenhagen und Viby sind erhöht worden“, heißt es in einer E-Mail an die Mitarbeiter des Verlages vom Mittwoch, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die „Jyllands-Posten“ hatte 2005 zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die heftige Reaktionen in der islamischen Welt ausgelöst hatten. Ein Anschlag auf die Redaktion in Kopenhagen hatte 2010 vereitelt werden können. „Wir stehen in engem Kontakt mit den relevanten Behörden“, schrieb der Verlag am Mittwoch an die Mitarbeiter. „Es ändert sich nichts an der Gefahrenstufe (...), trotzdem herrscht vonseiten der Behörden verschärfte Wachsamkeit.“

In Belgien und Italien beriefen die Regierungen Krisensitzungen mit Terrorismusexperten ein. Italien erhöhte die Zahl der Sicherheitskräfte vor gefährdeten Objekten wie Presseredaktionen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Innenminister Angelino Alfano lud den Antiterror-Ausschuss zu einer Sitzung. Der belgische Premierminister Charles Michel berief eine Sitzung von Sicherheitsberatern und Ministeriumsexperten ein. In Spanien wurde die Redaktion der Zeitung „El Pais“ evakuiert. Grund sei ein verdächtiges Päckchen gewesen, sagte ein Sprecher. Die Polizei gab mittlerweile Entwarnung. Das Paket war den Angaben zufolge von einem Unbekannten am Eingang des Gebäudes zurückgelassen worden. Der Mann sei dann wortlos in einem Taxi davongefahren, hieß es. Über den Inhalt des Pakets wurde vorerst nichts bekannt.

Nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ist auch die Bundesrepublik nicht sicher vor terroristischen Angriffen. Der tödliche Anschlag in Paris habe zwar keinen direkten Einfluss auf die Sicherheitslage in Deutschland, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt am Mittwoch in Berlin. Deutschland sei aber schon lange im Visier des islamistischen Terrors, die Bedrohung sei unverändert hoch. „Die Anschläge kommen immer dichter“, mahnte er. Seiner Ansicht nach sei es nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Deutschland einen Anschlag geben werde, sagte Wendt. Gerade Angriffe von fanatischen Einzeltätern seien nicht zu verhindern.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnt hingegen vor Panikmache: „Wir haben keinen konkreten Hinweis auf vergleichbare Anschlagsplanungen in Deutschland oder konkrete Hinweise auf terroristisch motivierte Anschläge im Allgemeinen in Deutschland.“ In Deutschland seien Sicherheitsvorkehrungen teilweise verschärft worden. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Vor dem Hintergrund der Demonstrationen der islamkritischen Pegida-Bewegung sagte De Maizière: „Der extremistische Islamismus, der islamistische Terrorismus, ist etwas ganz anderes als der Islam. Und diese Differenzierung ist gerade an einem Tag wie heute dringend geboten.“

Die „Pegida-Bewegung“ nutzt den Anschlag in Paris, um sich und ihr Handeln zu rechtfertigen. Das offizielle Statement auf Facebook:

Im Videoauschnitt des französischen TV-Senders „France24“, ist der Moment des Anschlags in einem Amateurvideo festgehalten worden. Schüsse sind zu hören. Menschen auf dem Dach gehen in Deckung.

Unter den Opfern sollen nach Informationen aus Justizkreisen auch die vier bekannten Zeichner Charb, Wolinski, Cabu und Tignous sein. Charb heißt mit richtigem Namen Stéphane Charbonnier und ist Redaktionsleiter. Er wurde unter anderem mit Mohammed-Karikaturen international bekannt. Die Toten wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Überlebenden des Anschlags identifiziert. Außerdem soll mindestens ein Polizist getötet worden sein; auf Fernsehbildern war ein Polizeiwagen mit Einschusslöchern zu sehen.

Erst am Mittwoch war die aktuelle Ausgabe des Wochenmagazins erschienen. Auf dem Titelbild ist der Schriftsteller Michel Houellebecq (56), der derzeit mit dem Roman „Soumission“ (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt. Darin beschäftigt sich Houellebecq mit dem Szenario einer Islamisierung Frankreichs unter einem muslimischen Präsidenten. Im Mittelpunkt stehen die Frage nach dem Niedergang des dekadenten Westens und das Verhältnis der drei Religionen Judentum, Islam und Christentum zueinander. Der Roman erschien am Mittwoch in Frankreich.

Aus der ganzen Welt gibt es Reaktionen auf den Anschlag:

Deutschland: „Titanic“-Chefredakteur Tim Wolff

Die „Titanic“-Redaktion will sich von dem tödlichen Anschlag auf das französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ nicht in ihrer Arbeit einschränken lassen. Für religiöse und alle anderen Themen gelten die gleichen Regeln, sagte Chefredakteur Tim Wolff am Mittwoch dem „Wiesbadener Kurier“. „Wenn ein Thema für uns wichtig ist und wir die Witze lustig finden, drucken wir das.“ Mit einem derartigen Anschlag werde das Thema noch relevanter für Satiriker. „Das zieht ja noch mehr Spott nach sich.“ Der Islam sei auch für die „Titanic“-Redaktion in Frankfurt immer wieder ein Thema gewesen. „Wir haben auch einige Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, um sie zu besprechen. Wir halten uns nicht zurück“, sagte Wolff dem Blatt. Bisher sei seines Wissens nach noch kein deutscher Satiriker in der Nachkriegszeit erschossen worden. „Wir hoffen, das bleibt auch so.“

Deutschland: Kanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Terroranschlag scharf verurteilt. „Mit Erschütterung habe ich die Nachricht von dem niederträchtigen Anschlag auf die Zeitungsredaktion in Paris erhalten“, heißt es in einem am Mittwoch versandten Kondolenztelegramm an den französischen Staatspräsidenten François Hollande. Sie wolle in diesen Stunden des Schmerzes die Anteilnahme der Menschen in Deutschland „und mein ganz persönliches Mitgefühl ausdrücken sowie den Hinterbliebenen der Opfer mein aufrichtiges Beileid übermitteln“, betonte Merkel. „Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs.“ Sie stelle auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, „der durch nichts zu rechtfertigen ist“. Deutschland stehe eng an der Seite „unserer französischen Freunde“.

Deutschland: Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit mindestens zwölf Toten in Paris verurteilt. „Ein solcher Akt des Terrors im Herzen einer europäischen Metropole gegen Vertreter einer freien und kritischen Presse ist abscheulich“, sagte Steinmeier am Mittwoch zur „Bild“-Zeitung. „Das ist ein frontaler Angriff auf unsere europäischen Werte und die Freiheit unserer Gesellschaften, dem wir uns gemeinsam mit aller Kraft entgegenstellen müssen. Wir stehen in dieser schweren Stunde noch enger an der Seite unserer Freunde in Frankreich.“

Deutschland: Journalisten-Verband

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat den Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ als „Anschlag auf das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit verurteilt. „Es ist unfassbar, dass in einem demokratischen und freiheitlichen Land eine Satirezeitschrift in den Fokus von Fanatikern geraten kann, die mit brutalsten Mitteln versuchen, islamkritische Standpunkte zu unterdrücken“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am Mittwoch in Berlin. Der Verband sei entsetzt.

Deutschland: Reporter ohne Grenzen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat sich „bestürzt“ über das Attentat auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gezeigt. „Dieser brutale Terroranschlag markiert einen schwarzen Tag für die Pressefreiheit in Europa. Alle unsere Gedanken sind bei den Getöteten, Verletzten und Hinterbliebenen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr am Mittwoch in Berlin. „Regierungen und Öffentlichkeit müssen nun alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu verhindern, dass sich Journalisten und Medien durch diese schockierende Tat einschüchtern lassen.“

Dänemark: Karikaturist Kurt Westergaard

Der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard hat den Anschlag auf das islamkritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris „gruselig und schrecklich“ genannt. Dem dänischen Rundfunk DR sagte Westergaard am Mittwoch, Satire müsse immer einen Platz in einer demokratischen Gesellschaft finden können.

Der Zeichner Westergaard lebt seit dem weltweiten Streit um seine Mohammed-Karikaturen, die 2005 in der Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienen waren, unter Polizeischutz. Einen Mordanschlag in seinem Haus überlebte er knapp. Auch die Zeitungsredaktion wurde bedroht. Um seine eigene Sicherheit fürchtet Westergaard nach dem Anschlag in Paris nicht mehr als vorher. Dänemarks Geheimdienst PET sorge seit Jahren dafür, „dass ich ruhig und sicher leben kann. Ich bin mir sicher, dass ich das auch weiter tun kann“, sagte Westergaard DR.

USA: Komitee zum Schutze der Journalisten (CPJ)

„Das ist mitten im Herzen Europas ein schamloser Angriff auf die Pressefreiheit“, sagte CPJ-Vize Robert Mahoney in New York. „Das Ausmaß der Gewalt ist entsetzlich. Journalisten müssen jetzt zusammenstehen, um eine klare Botschaft auszusenden: Solche Mordanschläge werden uns nicht zum Schweigen bringen.“

USA: Regierungssprecher John Earnest

Die USA haben den Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris aufs Schärfste verurteilt. Man nehme den Anschlag sehr ernst, die US-Sicherheitskräfte seien mit ihren französischen Kollegen in Kontakt, sagte Regierungssprecher John Earnest am Mittwoch. Präsident Barack Obama sei informiert. Ohne auf Einzelheiten des Anschlags mit zwölf Toten einzugehen, wies der Sprecher auf die Gefahr von militanten Islamisten aus dem Westen hin, die sich dem Kampf in Syrien oder Irak zeitweise anschließen und danach in ihre Heimat zurückkehren.

Großbritannien: Premier David Cameron

Auch der britische Premier David Cameron verurteilte den Anschlag. „Die Morde in Paris sind ekelerregend“, schrieb Cameron auf Twitter. „Wir stehen an der Seite des französischen Volks im Kampf gegen Terror und beim Verteidigen der Pressefreiheit.“

Frankreich: Rat der Muslime

Der Rat der Muslime in Frankreich hat den Terroranschlag von Paris als „barbarisch“ verurteilt. Die Tat sei ein „Angriff auf die Demokratie und die Pressefreiheit“, schrieb die Organisation in einer Erklärung „im Namen der Muslime in Frankreich“.

Die Zahl der Muslime in Frankreich ist nicht genau bekannt. Schätzungen gehen von bis zu fünf Millionen Menschen aus.

Frankreich: Parti socialiste

Frankreichs regierende Sozialisten haben zu einem „Marsch der Republikaner“ aufgerufen. Damit solle gegen den Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris demonstriert werden.

Russland: Präsident Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris scharf verurteilt. „Nichts rechtfertigt Terror“, sagte dazu Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Tass in Moskau. Die russische Führung lehne solche Angriffe klar ab. „Der Präsident übermittelt allen Angehörigen und Freunden der Opfer sein tiefes Mitgefühl“, sagte Peskow. Die Opferzahl des „tragischen Vorfalls“ sei schrecklich hoch.

Italien: Regierungschef Matteo Renzi

Der italienische Regierungschef Matteo Renzi hat nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit mindestens zwölf Toten in Paris „Entsetzen und Bestürzung“ geäußert. „Die Gewalt wird immer verlieren gegen die Freiheit und die Demokratie“, schrieb der 39-Jährige am Mittwoch auf Twitter. Renzi drückte Frankreichs Präsident François Hollande zudem seine „totale Nähe (...) in diesem schrecklichen Moment“ aus.

Israel: Außenminister Avigdor Lieberman

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat Frankreich sein Beileid ausgesprochen. „Israel fühlt den Schmerz Frankreichs an diesem Tag mit“, betonte Lieberman am Mittwoch. „Wir dürfen es den Terroristen nicht erlauben, in der freien Welt Angst zu verbreiten“, sagte er den Angaben zufolge nach dem Anschlag mit mindestens zwölf Toten. „Der Westen muss stark und einig gegen den Terrorismus zusammenstehen.“

Nato

Die Nato bekräftigte ihren Willen zum Kampf gegen den Terrorismus. „Die Nato-Verbündeten halten im Kampf gegen Terrorismus zusammen“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg „Wir stehen in voller Solidarität bei unserem Verbündeten Frankreich.“ Terrorismus „in allen seinen Formen“ könne „niemals toleriert oder gerechtfertigt werden“.

Vatikan

Auch der Vatikan verurteilt den Anschlag in Paris. Das Attentat sei doppelt schlimm, denn es handle sich sowohl um einen „Akt der Gewalt“ als auch um einen „Angriff auf die Pressefreiheit“, berichtete die Nachrichtenagentur Adnkronos am Mittwoch unter Berufung auf Vatikan-Kreise. Eine offizielle Reaktion des Kirchenstaates oder des Papstes lagen zunächst nicht vor.

 

Mehr als 100 000 Franzosen gingen am Mittwochabend landesweit auf die Straßen, um sich mit „Charlie Hebdo“ zu solidarisieren. Auch in weltweit bekundeten Tausende in Städten ihre Solidarität, so etwa in Berlin.

Mehrere französische Blätter druckten am Donnerstag eine fast schwarze Seite Eins. Die eher linke „Libération“ schrieb auf schwarzem Grund: „Nous sommes tous Charlie“ (Wir sind alle Charlie). Die konservative Zeitung „Le Figaro“ titelt: „La Liberté assassiné“ (Die ermordete Freiheit). Das Blatt „Le Parisien“ schrieb auf der Eins: „Ils ne tueront pas la liberté“ (Sie werden die Freiheit nicht töten). Eine Reihe deutscher Zeitungen druckte Mohammed-Karikaturen und andere religionskritische „Charlie Hebdo“-Zeichnungen nach. Unter der Schlagzeile „Vive la liberté“ („Es lebe die Freiheit“) bestreitet die Berliner Zeitung „B. Z.“ die gesamte Titelseite ihrer Donnerstagausgabe mit Titelbildern des Magazins. „Wir veröffentlichen die Satire von Charlie Hebdo aus Respekt vor den Ermordeten, die die Meinungsfreiheit verteidigten“, heißt es in einer Erklärung der Zeitung an ihre Leser. Auch andere Blätter zeigen Zeichnungen.

Drei französische Medienhäuser sagten der Satirezeitschrift Hilfe zu. Der staatliche Hörfunk und das Fernsehen sowie die Tageszeitung „Le Monde“ erklärten, sie wollten dem Magazin das notwendige Personal und Sachmittel zur Verfügung stellen. Ihre Mitteilung trägt die Überschrift: „Damit Charlie lebt.“

Der Anschlag am Mittwoch ist nicht der erste auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“. Bereits am 2. November 2011 kam es in den neu bezogenen Redaktionsräumen am Boulevard Davout in Paris zu einem Brandanschlag, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde. Der Sachschaden war enorm. Damals zeigte sich die französische Zeitung „Libération“ solidarisch und stellte der „Charlie Hebdo“-Redaktion trotz Drohungen Räume zur Verfügung. Zusätzlich wurde die Seite gehackt. Unter einem Bild des Wallfahrtsortes Mekka stand die Botschaft: „Unter dem Deckmantel der Pressefreiheit greift ihr mit euren gehässigen Karikaturen den großen Propheten des Islam an. Der Fluch Gottes soll euch treffen. Wir werden in der virtuellen Welt euer Fluch sein. Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“

Die Redaktion hatte aufgrund des Wahlerfolgs der Islamisten bei den ersten freien Wahlen in Tunesien ein Sonderheft aufgelegt. Es hieß „Charia Hebdo“. Im Heft wurde Mohammed als Gast-Chefredakteur auserkoren und als Karikatur auf der Titelseite abgebildet. Dazu die Worte: „Wenn Ihr Euch nicht totlacht, gibt es 100 Peitschenhiebe!“ Einen Zusammenhang mit dem Brandanschlag schloss der Chefredakteur damals aus. Niemand hätte Zugriff auf das Heft gehabt, da es erst nach dem Anschlag in die Kioske kam.

 

Schon 2006 druckte Charlie Hebdo die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Jyllands-Posten nach und erweiterte sie durch eigene Karikaturen. Auch 2012 und 2013 veröffentlichte das Magazin weitere Mohammed-Karikaturen zu einem Zeitpunkt, wo die Stimmung in den muslimischen Ländern aufgeheizt war und es blutige Proteste unter anderem in Libyen, Tunesien, dem Sudan, Jemen und auch Frankreich gab. Wegen Drohungen wurden die Redaktionsräume durch die Polizei geschützt. 20 französische Einrichtungen wurden damals geschlossen, da die Regierung terroristische Ausschreitungen befürchtete.

mit dpa

Charlie Hebdo ist eine französische Satirezeitschrift, die seit 1992 in Paris erscheint und zu einem Preis von drei Euro verkauft wird. Die wöchentliche Auflage liegt bei rund 75.000 Exemplaren und wird auf Zeitungspapier gedruckt. Gründer des Magazins ist Francois Cavanna, der am 29. Januar 2014 starb. Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt „Hara-Kiri“ hervor. Das Magazin wurde 1981 zeitweilig eingestellt.

Das Wochenblatt ist am ehesten den deutschen Satiremagazinen „Titanic“ und „Eulenspiegel“ vergleichbar. Autoren und Zeichner von „Charlie Hebdo“ scheren sich nicht um Begriffe wie politische Korrektheit. Zu den Attackierten zählen Mächtige aus Politik und Wirtschaft genauso wie Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Der Name setzt sich aus „Charlie“ (Comicfigur Charlie Brown von den „Peanuts“) und dem Wort „Hebdo“, was im Französischen die Abkürzung für Wochenzeitschrift, Wochenblatt bedeutet. Der Name soll auf die Wurzeln der Zeitschrift als Comic-Magazin verweisen.

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