Bundestagswahl 2017 : Zwischenstand in der Wahlbörse: Kampf um Platz drei bleibt spannend

Knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl führt die Union weiter haushoch. Doch das Ergebnis der Kleinen könnte entscheidend werden.

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01. September 2017, 17:30 Uhr

Wie geht die Bundestagswahl am 24. September aus? Gemeinsam mit dem Institut Prognosys aus Handewitt hat unsere Zeitung eine Wahlbörse gestartet, um das Ergebnis vorherzusagen (hier können Sie mittippen). Walter Mohr, Leiter des Instituts, beobachtet den Handel.

Was ist eine Wahlbörse?

Bei der Wahlbörse wird mit virtuellen Partei-Aktien gehandelt. Das Planspiel ist ein relativ präzises Prognoseinstrument, um den Ausgang einer Wahl vorherzusagen. Die Wahlbörse für Schleswig-Holstein hat schon fast 140 Mitspieler angezogen. Schon etwa 100 Teilnehmer können sehr gute Ergebnisse erzielen, die denen von Umfragen ebenbürtig sind.

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Aktuell führt weiterhin die CDU/CSU mit 37,0 Prozent (Werte anderer Umfragen variieren zwischen 36 und 40 Prozent) klar vor der SPD mit 23,4 Prozent (22-25 Prozent). Beide großen Parteien haben noch etwas mehr verloren, wobei sich der hohe Abstand zwischen ihnen in den vergangenen Wochen kaum verändert hat. „Sie werden ihr Niveau von 2013 wohl nicht erreichen, weil die vier kleineren Parteien in der Summe deutlich mehr Stimmen holen werden als damals und mit Sicherheit in den neuen Bundestag einziehen“, erläutert Walter Mohr.

 

Der Kampf um den dritten Platz ist sehr spannend. „In unserem Prognosys-Master-Vote, einer Methode, die alle verfügbaren Prognosen mittels einer speziellen Gewichtung kombiniert, waren AfD, Linke und FDP fast immer gleich auf mit häufigen Wechseln in der Reihenfolge“, sagt Mohr. Zuletzt hat sich die AfD mit 10,1 Prozent (7-11 Prozent) etwas abgesetzt. „Allerdings weisen die große Spannweite bei den Umfragen sowie die hohe Streuung und der starke Umsatz der Börsenkurse auf eine erhöhte Unsicherheit bei der Einschätzung hin“, glaubt Mohr.

Hinter der AfD folgen die Linke mit 8,7 Prozent (8-10 Prozent) und die FDP mit ebenfalls 8,7 Prozent (7-10 Prozent). Wie bei den meisten Umfragen nehmen die Grünen mit 7,6 Prozent (6,5-8 Prozent) den sechsten Platz ein. Die Sonstigen stehen ziemlich konstant bei 4,5 Prozent (3,5-6 Prozent).

Auch wenn die Unterschiede bei den kleineren Parteien nur ein geringes Ausmaß von etwa 2,5 Prozent ausmachen, sind ihre Auswirkungen auf die künftige Regierungsbildung bedeutsam. „Die in den meisten Umfragen am häufigsten gewünschte schwarz-gelbe Koalition kann jetzt nur noch mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 25 Prozent rechnen“, hat Mohr berechnet.

Ist die Wahl also schon entschieden?

„Wenn man rein statistisch die Entwicklung der Prozentzahlen beachtet, spricht vieles dafür“, erklärt Mohr. Der Mathematik-Professor weist aber darauf hin, dass laut Umfragen fast die Hälfte der Wähler noch unentschlossen ist. Etwa zehn Prozent der Wähler wollen sich sogar erst am Wahltag entscheiden. So bleibt es offen, zumal am kommenden Sonntag vor vielleicht 20 Millionen Zuschauern das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz stattfindet, das wichtigste Einzelereignis im Wahlkampf. Bei der Wahl 2002 hat das zweite Rededuell zwischen Stoiber und Schröder ebenfalls mit zur Wende beigetragen, allerdings war damals die Differenz zwischen den beiden Kontrahenten nicht so hoch. Etwa ein Viertel der Befragten sagte gerade in einer Umfrage, dass das TV-Duell zum Teil einen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung haben könnte. Wir werden die Kursentwicklung der Wahlbörse während dieser Fernsehdebatte und kurz danach beobachten und analysieren.

„Häufig kommt es in der letzten Woche noch zu deutlichen Bewegungen (last swing)“, weiß Mohr, der schon seit der Jahrtausendwende Wahlen mit Wahlbörsen begleitet. „So wird immer mit Spannung die letzte ZDF-Befragung am Donnerstag vor der Wahl erwartet. Die Wahlbörse wird sogar bis zum Wahltag Prognosen machen, was durchaus ein Vorteil sein kann.“

Der stärkste Impuls würde jedoch von einem zündenden Thema ausgehen, glaubt Mohr und erinnert an die Wahl 2005 mit dem beginnenden Irakkrieg. „In den beiden letzten Bundestagswahlen hat es damit nicht geklappt und auch dieses Mal sieht es nicht so aus, obgleich mit dem Flüchtlingsproblem und den zukünftigen Renten zwei heiße Themen auf dem Tisch liegen.“

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