Grüne : Warmlaufen für’s Regieren

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Parteitag im Gasometer in Berlin wird zur großen Motivation

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17. September 2017, 21:00 Uhr

Zum Abschluss machen sie alle auf der Bühne gemeinsam die Welle: Die beiden Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Grünen-Urgestein Jürgen Trittin, die 16 Spitzenkandidaten der Länder recken die Hände hoch. Geschlossenheit, Standing Ovations der 93 Delegierten und 400 Gäste zu stampfenden Beats im Gasometer in Berlin-Schöneberg.

Die Ökopartei will nach dem 24. September mitregieren, das ist das klare Signal vom Wahlparteitag gestern in dem zum hippen Veranstaltungsort umfunktionierten Gasometer: „Es geht darum, endlich auch im Bund mitzugestalten, eine Richtungsentscheidung für mehr Klimaschutz und Gerechtigkeit zu erreichen!“ Göring-Eckardt gibt die Marschroute vor: Nach der Macht greifen, zur Not auch mit der FDP.

Klar, harte Attacken fährt die Grünen-Spitze auch gestern wieder gegen FDP-Chef Christian Lindner. Göring-Eckardt wirft ihm „Realitätsverweigerung“ vor und spricht ihm moralische Standfestigkeit ab. Harte Gegensätze in der Flüchtlingspolitik und beim Klimaschutz. Aber eine Absage an Jamaika? Im Gegenteil: „Wir sind in unruhigen Zeiten. Das Land muss gut regiert werden. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst!“ setzt Özdemir die Segel Richtung Schwarz-Gelb-Grün, denn das wäre nach dem jetzigen Stand der Umfragen die einzige Alternative zur Neuauflage von Schwarz-Rot.

Statt sich auf Kanzlerin Angela Merkel und die Union einzuschießen, wird SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz mit Sperrfeuer belegt. „Das Traurigste waren die Schulz-Garantien“, ruft Göring-Eckardt mit Blick auf die roten Linien der SPD. „Nichts zum Klima, zu Kindern und Altersarmut.“ Schulz habe Kanzlerin Merkel einen „Blankocheck“ für eine Neuauflage von Schwarz-Rot ausgestellt. „Politik-Dumping“ wirft sie Schulz vor, das hätten die Wähler nicht verdient. „Wo ist die stolze SPD geblieben?“ fragt sie.

Dahinter steht der Versuch, auf den letzten Metern der SPD Wähler abzujagen, deswegen machen die Grünen auch das Thema Gerechtigkeit plötzlich so groß. „Nächsten Sonntag werden wir einen richtigen Überraschungscoup landen“, gibt Göring-Eckardt die große Motivatorin, sieht die Grünen doch noch als drittstärkste Kraft über die Ziellinie gehen. In Umfragen liegen die Grünen aber nur zwischen sieben und neun Prozent. Warmlaufen fürs Regieren um jeden Preis - mit dem Feind schon fast im Bett - kann das gutgehen? Um die Fundis in den eigenen Reihen mitzunehmen, werden gestern noch mal die zehn Kernforderungen festgeklopft, von der Abschaltung der dreckigsten Kohlekraftwerke über das Aus für den Verbrennungsmotor im Jahr 2030 bis zum Nein zu Obergrenze und Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge.

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