Bundestagswahl 2017 : Umfrage-Vergleich: So eindeutig war Merkels TV-Duell-Sieg doch nicht

Wer hat beim TV-Duell besser abgeschnitten? Das Institut Prognosys hat vier Umfragen ausgewertet.

svz.de von
04. September 2017, 14:05 Uhr

Wie geht die Bundestagswahl am 24. September aus? Unser Verlag hat gemeinsam mit dem Institut Prognosys aus Handewitt eine Wahlbörse gestartet, um das Ergebnis vorherzusagen (hier können Sie mittippen). Wie hat das TV-Duell den Parteiaktien-Handel und die Wählermeinung beeinflusst? Angela Merkel wird als Siegern gefeiert, doch so eindeutig ist das doch nicht. Walter Mohr, Leiter des Instituts Prognosys, wirft einen aktuellen Blick auf die Wahlbörse und andere Umfragen.

Wahlbörse

Zu Beginn des Duells betrug der Vorsprung der Union vor der SPD in der Wahlbörse 13,8 Prozentpunkte. Im ersten Teil der Sendung konnte man eine leichtere Vergrößerung registrieren (knapp pro Merkel). Danach fiel die Differenz etwas unter das Ausgangsniveau zurück (knapp pro Schulz). Insgesamt gab es keine signifikanten Veränderungen, was als Unentschieden einzustufen ist.

Infratest dimap

Die beiden größten Umfrageinstitute kamen bei ARD und ZDF zum Einsatz. Infratest dimap hatte im Deutschlandtrend schon vorher ermittelt, dass 64 Prozent der Wähler erwarten, Merkel würde besser abschneiden und nur 17 Prozent Schulz. Nach der Sendung ergab die Abstimmung mit 55 Prozent für Merkel und 35 Prozent für Schulz ein entsprechendes positives Ergebnis für die Kanzlerin.

Forschungsgruppe Wahlen

Das in den letzten Jahren bei Landtagsprognosen beste Umfrageinstitut, Forschungsgruppe Wahlen, ermittelte für das ZDF andere Zahlen. 39 Prozent sahen den Ausgang unentschieden, 32 Prozent pro Merkel und 29 Prozent pro Schulz. An dieser Stelle muss unbedingt einmal die Unsicherheit von Umfragen erwähnt werden, die mindestens drei Prozentpunkte nach oben und unten beträgt. Betrachtet man diesen Sachverhalt, dann überschneiden sich die Bereiche für Merkel und Schulz und als Fazit folgt daraus ein Unentschieden. Bei der Forschungsgruppe Wahlen wurde der Eindruck aus der Wahlbörse bestätigt, dass Merkel im ersten und Schulz im zweiten Teil vorn lag.

Debatometer

Die umfangreichste und feinteiligste Studie wurde mit dem Debatometer der Universität Freiburg bei 20.000 Zuschauern vom Fernsehsender Sat1 durchgeführt. Hierbei konnte jeder Teilnehmer während der Sendung mehrfach sein Urteil zu speziellen Ausführungen der Kandidaten abgeben. Am Anfang wurde die Parteipräferenz festgestellt, die sich ungefähr mit den Umfragen deckte. Es gab auch eine größere Gruppe von fast einem Viertel unentschlossener Wähler. Das Endergebnis zeigt mit 40 Prozent für Schulz und 40 Prozent für Merkel einen völligen Gleichstand. Bei den noch Unentschlossenen votierten sogar 47 Prozent für Schulz und 29 Prozent für Merkel. Wichtigstes Thema war für die Zuschauer die Flüchtlingspolitik, wo Schulz mehr Stimmen bekam. Auf dem zweiten Platz folgte die innere Sicherheit, wo Merkel punktete.

Fazit: Zusammenfassend kann man also bei drei von vier Analysen von einem Unentschieden und in einem Fall von einem Sieg der Kanzlerin sprechen.

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