Echo in Medien und Politik : So reagiert die internationale Presse

Früher waren Tageszeitungen die wichtigste Informationsquelle für politische Themen. Das Internet hat mittlerweile fast die gleiche Bedeutung. /dpa
Früher waren Tageszeitungen die wichtigste Informationsquelle für politische Themen. Das Internet hat mittlerweile fast die gleiche Bedeutung. /dpa

svz.de von
25. September 2017, 21:00 Uhr

Der Wahlausgang in Deutschland ist in den überregionalen Medien heute das große Thema. Meist steht die Person Angela Merkel im Fokus, die aufgrund ihrer Flüchtlingspolitik und ihrer Führungsrolle in Europa stark polarisiert. Deshalb spielt auch der Einzug der AfD mitsamt des frühen Ausstiegs von Frauke Petry eine bedeutende Rolle in der Berichterstattung.

Le Monde (Frankreich): „Bundestagswahlen in Deutschland – Zittersieg für Angela Merkel“

Le Figaro (Frankreich): „Der Platz der Kanzlerin in den Geschichtsbüchern ist befleckt vom historischen Ergebnis der Populisten von der AfD. Ihre Migrationspolitik verbunden mit der Allianz mit der SPD hat der extremen Rechten dieses Ergebnis geschenkt (...). „Mutti“ ist zur „Mutter der AfD“ geworden.“

L'Opinion (Frankreich): Auch wenn die Kanzlerin nach dem Brexit und der Wahl des Isolationisten Trump ihre Verantwortung für die Zukunft der Union kennt, weiß sie doch, was die Deutschen nicht zu akzeptieren bereit sind: im Namen der Solidarität mehr zu zahlen (...). Seit Sonntag hat der Präsident eine Verbündete, die sicher Gewicht hat, aber sehr geschwächt ist.“

Rossijskaja Gaseta (Russland): „Die AfD wird die erste nationalistische Partei, die nach dem Zweiten Weltkrieg in das deutsche Parlament einzieht. (...) Doch die Befürchtungen mancher Experten, dass sich die Partei weiter radikalisieren könnte, sind unbegründet: In Deutschland wird jeder aufkommende Extremismus und Nationalismus streng überwacht.“

La Stampa (Italien): „Berlin hat trotz der Bestätigung von Angela Merkel seine politische Stabilität verloren. Die katastrophale Niederlage der SPD (die schlimmste ihrer Geschichte) ist ein Warnsignal für die gesamte europäische Linke (...). Zu guter Letzt muss der Erfolg der Alternative für Deutschland dazu führen, die Argumentation der sogenannten Populisten – abgesehen von ihren rassistischen Impulsen – stärker zu berücksichtigen.“

Corriere della Sera (Italien): „Instabil. So hat sich Deutschland, wider Erwarten, gestern Abend enthüllt. Das Land, das im vergangenen Krisenjahrzehnt der Anker war, der Europa vor dem Abdriften bewahrt hat, das Land, von dem man bis vor ein paar Tagen nicht glaubte, dass es Überraschungen bereithält, hat gewählt: und hat das traditionelle politische System auf den Kopf gestellt.“

El Mundo (Spanien): „Angela Merkel setzt sich bei deutschen Wahlen durch – Ultrarechte stürmt als drittstärkste Kraft ins Parlament“

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz): „Das starke Abschneiden der kleineren Parteien FDP und AfD erlaubt es der Wahlsiegerin Merkel nicht, einfach weiterzumachen wie bisher. Die beiden neuen Parteien im Bundestag können die Kanzlerin von rechts unter Druck setzen und die Politik der nächsten Bundesregierung beeinflussen – als Regierungspartner oder von der Oppositionsbank aus.“

New York Times (USA): „Merkel holt weiteren Wahlsieg, Rechte halten Einzug ins Parlament“

De Volkskrant (Niederlande): „Merkel am stärksten, Demos gegen AfD - nach Meinung der Grünen sind die ,Nazis zurück’ im Parlament“

Jerusalem Post (Israel): „Merkel auf Kurs Richtung vierte Amtszeit – äußerste Rechte mit historischen Gewinnen“

Haaretz (Israel): „Wenn die Wählerbefragungen (...) mehr oder weniger akkurat sind, wird die einzige Regierungskoalition, die Merkel bilden kann, mit den Freien Demokraten und den Grünen sein. Dies sind zwei Parteien mit ganz verschiedenen Programmen, was es fast unmöglich machen wird, viele der radikalen neuen Grundsätze einzuführen, die Deutschland und Europa braucht.“

Israel Hajom (Israel): „Die AfD ist eine konservativ-nationale Protestpartei, welche erfolgreich den ansteigenden Ärger und die Empörung in verschiedenen Teilen der Gesellschaft in Deutschland für sich genutzt hat, die durch Masseneinwanderung ausgelöst wurden; durch Terrorismus, Kriminalität und Gewalt, die mit der Ankunft der muslimischen „Flüchtlinge“ verbunden wurde; durch das zunehmende Gefühl des Mangels persönlicher Sicherheit und durch ihren Unwillen, weiter die Rechnung für scheiternde europäische Volkswirtschaften zu bezahlen, um diese zu stützen.“

Guardian (Großbritannien): „Es bringt in Deutschlands föderale Politik ein Element von Gift und Polarisierung, das jedem, der einer liberalen Demokratie anhängt, nur zu denken geben muss.“

The Times (Großbritannien): „Eine weit rechts stehende Partei hat erstmals seit mehr als 50 Jahren das deutsche Parlament erstürmt, weil sie von den Ängsten vor dem Migranten-Zustrom unter Angela Merkel profitierte.“

BBC (Großbritannien): „Angela Merkel mag die Wahl gewonnen haben, aber es fühlt sie nicht wie ein Sieg an ... Was die Regel in vielen anderen europäischen Ländern ist, war im Nachkriegs-Deutschland für unmöglich gehalten worden.“

Star (Türkei): „Der türkeifeindliche Hass-Diskurs von (Angela) Merkel und ihrem Koalitionspartner (Martin) Schulz hat den Rechtsextremisten genützt. Die Neonazis sind erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ins Parlament eingezogen.“

Lidove noviny (Tschechien): „Das ist die Strafe für die bisherige Regierungsarbeit und für das Experiment, die Grenzen zu öffnen und Deutschland zum „Licht für die Völker“ zu machen. Zugleich ist es eine Abstrafung für das Modell der großen Koalition, welche Kritiker und Gegner an den Rand drängte. Umso mehr die Kritiker als Populisten und Extremisten verschrien wurden, desto mehr konnten sie bei den Wählern zulegen.“
 

Die Stimmen hierzulande wussten das Wahlergebnis angesichts des jüngsten Rechtsrucks auf der Welt differenzierter einzuordnen. Dennoch waren auch besorgniserregte Stimmen ob des Ergebnisses zu vernehmen.

Die Zeit : „Ein Umbruch sieht anders aus. Man vergleiche dieses Wahlergebnis bloß mit den jüngsten Wahlen in den USA, Frankreich, Polen oder England. Die Wahlkämpfe unserer Nachbarn und Verbündeten waren von harten ideologischen Konflikten geprägt und hatten meist den Austausch der politischen Elite zur Folge. Verglichen damit ist Deutschland ein Hort der Stabilität.“

Rheinische Post : „Der 24. September 2017 markiert das vorläufige Enddatum einer wohltemperierten, konsensgeprägten Nachkriegs-Republik. Das Land rückt nach rechts. Mit unüberhörbarem Lärm und mehr als 80 Abgeordneten zieht eine Partei in den Bundestag ein, die sich als Anti-Establishment profilierte, dabei Ressentiments gegen Fremde schürte und den Konsens der Demokraten umdefinieren möchte, dass die Erinnerung an den Holocaust nur eine der Scham und der Verantwortung für ein „Nie wieder“ sein kann. Traurig!“

Süddeutsche Zeitung : „Für die SPD und vor allem für die CDU gibt es am Sonntagabend nur eine einzige gute Nachricht, nur ein einziges Lichtlein: In drei Monaten ist Weihnachten. SPD und CDU sind die großen Verlierer der Wahl. Für die CSU vor allem ist das Wahlergebnis in Bayern ein Debakel. Die Partei wurde enteiert, sie wurde düpiert, die Partei hat ihren Stolz verloren. In der SPD hat Martin Schulz es nicht geschafft, den Sog für die SPD nach unten zu stoppen., Richtigerweise hat deswegen Martin Schulz sogleich erklärt, dass die SPD in die Opposition gehen wird. (...) Das ist überlebenswichtig.“

Alle weiteren Informationen, Einschätzungen und den Liveblog zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Dossier.

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