München : Merkel erntet erneut Pfeifkonzert

Für die Kanzlerin ist der Besuch in München der letzte ihrer neun Wahlkampfauftritte im Freistaat.
Für die Kanzlerin ist der Besuch in München der letzte ihrer neun Wahlkampfauftritte im Freistaat.

Nachdem vor 2 Wochen in Wolgast sogar Tomaten flogen, wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel auch heute mit einem Pfeifkonzert empfangen

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22. September 2017, 21:13 Uhr

Merkel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer demonstrierten beim CSU-Wahlkampfabschluss am Freitagabend in München Einigkeit. Die Kanzlerin lobte mehrfach die Politik der CSU in Bayern - und Seehofer Merkels Regierungszeit als „gute Jahre“. Den Konflikt um eine feste Obergrenze für Flüchtlinge von 200 000 pro Jahr, die die CSU massiv fordert und Merkel klar ablehnt, blendeten die beiden aus.

Merkel muss mit heiserer Stimme gegen ein gellendes Pfeifkonzert und Hau-ab-Rufe von Störern anreden. Wie bei vielen Auftritten in Ostdeutschland hält Merkel dagegen: „Mit Pfeifen und mit Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands mit Sicherheit nicht gestalten.“ Später kommt die CDU-Vorsitzende natürlich auf ihre Entscheidung aus dem Sommer 2015 zu sprechen, Flüchtlinge unkontrolliert ins Land zu lassen. Das Thema ist wieder virulent, beschert der AfD im Endspurt viel Zuspruch, Merkel dagegen könnte in der Wählergunst noch abrutschen, wie manche Umfragen vorhersagen. Was 2015 passiert sei, „das darf, das soll und das wir sich nicht wiederholen“, sagt Merkel.„Wir haben aus den Ereignissen von damals gelernt.“

In der CDU-Spitze hoffen sie, dass die Demoskopen nicht total daneben liegen. Landet die Union im von den meisten Instituten vorhergesagten Korridor zwischen 36 und 37 Prozent, wäre das immerhin Merkels zweitbestes Ergebnis nach 41,5 Prozent 2013, heißt es vorsorglich.

Dann könnte eine Diskussion über die Verantwortung der Kanzlerin für den Stimmenrutsch zumindest etwas glimpflicher ausfallen, hoffen sie in der CDU. Die Suche nach einer neuen Regierung in einer Jamaika-Konstellation mit FDP und Grünen oder in einer neuen Groko dürfte schwierig genug werden.

 

Fällt die Union dagegen unter Merkels schlechtestes Ergebnis von 33,8 Prozent aus dem Jahr 2009, dürfte nicht nur Seehofer seine Zurückhaltung fahren lassen. Ganz schnell könnte der CSU-Chef klar machen wollen, wer die Verantwortung für ein mieses Ergebnis hat: Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik. Maximale Distanz wäre dann wohl angesagt, ein Jahr vor der für den bayerischen Ministerpräsidenten so wichtigen Landtagswahl. Auch in den eigenen Reihen könnte die Frage nach Merkels Zukunft wieder lauter gestellt werden.

Auf dem Marienplatz zeigt sich Merkel genauso entschlossen wie Schulz auf dem Gendarmenmarkt. Sie spürt, ein gutes Ergebnis ist kein Selbstläufer. Die SPD mag sie nicht unterschätzen. „Wir haben keine einzige Stimme zu verschenken“, sagt Merkel in eigener Sache. Die Sozialdemokraten hätten zu keinem Zeitpunkt Rot-Rot-Grün ausgeschlossen. „Wir können keine Experimente gebrauchen, wir brauchen Stabilität und Sicherheit.“

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