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Bundestagswahl 2017 : Experte erklärt: So wirken Politiker-Plakate

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Ab heute beginnt der Plakat-Wahlkampf. Aber wie wirkungsvoll sind die Politikerköpfe am Straßenrand? Eine Analyse.

Ab heute dürfen die Kandidaten zur Bundestagswahl plakatieren. Damit werben dann sowohl „Kopfplakate“ mit dem Konterfei der Kandidaten als auch Themen- oder Textplakate um die Aufmerksamkeit der Wähler. Aber wirken diese Plakate auch? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Jahren unter anderem Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Köpfe nerven

<p>Viele Wähler sind von den vielen Köpfen nach einer Weile genervt.</p>

Viele Wähler sind von den vielen Köpfen nach einer Weile genervt.

Foto: Imago/Rust

„Es gibt ganz unterschiedliche Wirkungen von Wahlplakaten“, erklärt Brettschneider. „Zunächst einmal machen sie darauf aufmerksam, dass der Wahlkampf begonnen hat. Sie haben also eine Signalfunktion.“ Weiter unterscheiden die Forscher verschiedene Typen von Wahlplakaten: „Auf den reinen ‚Kopfplakaten’ ist ein Kandidat beziehungsweise eine Kandidatin aus dem Wahlkreis abgebildet, meist versehen mit dem Namen, dem Parteilogo und einem Slogan“, so Brettschneider. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass diese Plakate kaum wirken. Sie machen die Kandidaten und Kandidatinnen zwar etwas bekannter, doch viele Menschen sind früher oder später von diesen Plakaten genervt.“


Slogans wirken

Anders sei dies bei den Plakaten der Spitzenkandidaten. Auf deren „Kopfplakaten“ werde in der Regel ein Thema oder eine besondere Eigenschaft (Verlässlichkeit, Führungsstärke) angesprochen. Durch die Verbindung eines Themas mit einem Spitzenkandidaten könnten diese Plakate größere Wirkung entfalten, so der Kommunikationswissenschaftler. Angela Merkels Plakat mit dem Slogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ soll das Erreichte hervorheben und an die gute Wirtschaftslage Deutschlands anknüpfen. Sie setzt auf Vertrautes und auf Verlässlichkeit.

<p>Merkels Plakate setzen auf den Amtsbonus.</p>

Merkels Plakate setzen auf den Amtsbonus.

Foto: Imago/Staufenberg

Das Plakat von Martin Schulz mit dem Slogan „Die Zukunft braucht Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ zielt auf Wandel und auf vermeintliche Führungsqualitäten des SPD-Kandidaten ab.

<p>Das Plakat von Martin Schulz zeigt ihn als Herausforderer.</p>

Das Plakat von Martin Schulz zeigt ihn als Herausforderer.

Foto: SPD


Überzeugungen werden nicht verändert

Bei der dritten Kategorie handelt es sich um reine Themenplakate, insbesondere zu den Politikfeldern Wirtschaft, Umwelt und Soziales. „Parteien können damit die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihre Kernthemen lenken. Dafür darf das Plakat aber nicht überfrachtet sein. Am besten eignet sich die Kombination aus einem Foto, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht, und einem passenden Slogan.

<p>Ein Plakat der Grünen setzt auf knallige Farben und einen einfachen Text.</p>

Ein Plakat der Grünen setzt auf knallige Farben und einen einfachen Text.

Foto: dpa
 

Reine Textplakate hingegen wirken gar nicht – oder sogar abstoßend“, so Brettschneider. Generell zeigten die Forschungsergebnisse, dass Wahlplakate kaum Einstellungen der Wähler verändern.

Bild schlägt Text

Beim Inhalt muss es sich um Themen handeln, die für die Wähler relevant sind, sagt der Wissenschaftler. Und betont: „Bildplakate wirken generell besser als Textplakate.“ Bilder würden schon nach wenigen Millisekunden unbewusst besser bewertet als Texte. Sie erzielen daher eine größere Aufmerksamkeits- und Aktivierungswirkung. Die Bildelemente würden schneller und länger betrachtet als der Rest eines Plakates. Fast 70 Prozent der Betrachtungszeit entfalle auf die Bildbereiche, so Brettschneider. An Bildplakate würden Betrachter sich auch besser erinnern als an Textplakate – und sie häufiger den richtigen Parteien zuordnen. Zudem stoßen Bildplakate auf eine größere Akzeptanz als Textplakate. Und all das gelte unabhängig von der Parteineigung der Betrachter. Außerdem wichtig seien freundliche und leuchtende Farben statt schriller und greller Töne, eine klare Gliederung sowie emotional positiv besetzte Bilder und ein ausgewogenes Kontrastverhältnis.

Künftig: Weniger Plakate – mehr Internet

„In Zukunft werden Wahlplakate etwas an Bedeutung verlieren. Bei begrenzten finanziellen Mitteln für die Wahlwerbung müssen sich Parteien entscheiden, welchen Mix unterschiedlicher Wahlkampfinstrumente sie einsetzen wollen. Da wird es eine Verschiebung geben: Weg vom Plakat, hin zum Internet“, so Brettschneider. „Völlig unwichtig werden Wahlplakate jedoch nie sein – und der Anspruch an ihre Qualität wird wachsen. Gerade bei der Qualität ist noch Luft nach oben.“

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