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Oper auch für Kinder „Zauberflöte im Scherenschnitt“

Von Jeanette Bederke | 28.02.2019, 05:00 Uhr

Ein Kinderkunstbuch, das Mozarts Oper wie ein Scherenschnitt erzählt wird zur Vorlage einer Inszenierung der Oper Oder Spree

Zwei tanzende Löwen, in deren Mitte ein Prinz Flöte spielt. Sie sind das Titelbild eines Kinderkunstbuches, das der Autor Till Seiler (Bad Saarow) geschrieben hat. Opernkenner sehen auf den ersten Blick, dass es sich um eine Szene aus Mozarts „Die Zauberflöte“ handelt. Kaum eine andere Oper ist weltweit so bekannt und wird so häufig inszeniert. Die schwarz-weißen, an Scherenschnitte erinnernden Grafiken steuerte die Kinderbuchillustratorin Gertrud Zucker bei: „Wir wollen Kindern diese märchenhafte Geschichte, in der das Gute über das Böse triumphiert, auf 32 Seiten nahebringen“, sagt die 83-Jährige.

Die ebenfalls in Bad Saarow lebende Zeichnerin erzählt: „Ich habe dafür die Schabkunsttechnik wiederbelebt, die ist inzwischen aus der Mode gekommen.“ Auf mit Gips oder Kreide beschichtete weiße Blätter hat sie mit schwarzer Tusche gezeichnet und mit Radiernadeln Konturen, Gesichtszüge oder Kleiderfalten gekratzt. „Man muss sich schon konzentrieren, verkratzt sich leicht mal und muss von vorn anfangen.“ Ein Jahr lang arbeitete die gebürtige Berlinerin an den Illustrationen, die nun Inspiration für eine Kinderoper sein werden.

„Wir haben uns für die diesjährige Oper Oder-Spree ebenfalls Mozarts Zauberflöte ausgesucht“, erzählt Arnold Bischinger, Kulturamtsleiter in der Kreisverwaltung Oder-Spree. „Das war schon im vergangenen Sommer und im Nachhinein glücklicher Zufall. Als wir dann das Buch sahen, kam uns die Idee.“ Ergänzend zu der Inszenierung für Erwachsene wird es so erstmals eine Version für lediglich zwei Sänger und einen Pianisten geben, die für Kinder gedacht ist. Die „kleine“ Zauberflöte soll am 7. Juli auf der Burg Beeskow Premiere haben, Ende Juli im Kloster Neuzelle (Oder-Spree) aufgeführt werden und anschließend durch den Landkreis touren. „Dort, wo die Kreismusikschule Außenstellen hat, werden wir spielen und hoffentlich Kinder für klassische Musik interessieren“, sagt Bischinger.

Die Idee sei in Deutschland nicht neu, für die Macher der Oper Oder-Spree aber schon, ergänzt Tillmann Schladebach, der für die Stiftung Stift Neuzelle Kulturprojekte koordiniert. Das regionale Musikfestival zur Förderung junger Sänger gibt es bereits seit 2001, finanziert über Landesfördermittel, Sponsoren und Eintrittsgelder.

Jährlich wird mit dem Neuen Bulgarischen Sinfonieorchester Sofia eine Oper produziert und als Open Air im Kloster Neuzelle sowie im Innenhof der Burg Beeskow aufgeführt. Parallel gibt es einen Gesangs-Meisterkurs für Nachwuchsmusiker. Mozarts „Zauberflöte“ hat am 4. Juli auf dem Kloster-Kreuzhof Premiere, insgesamt sind in Neuzelle und Beeskow acht Vorstellungen geplant.

Für die elf Rollen hatten sich mehr als 350 Sänger - mit Studienabschluss in der Tasche, aber noch ohne erstes Engagement - aus einem Dutzend Länder beworben. Nicht nur da ist die Resonanz gut. „Unser Publikum ist uns treu, honoriert, dass das Festival regional gewachsen ist, dass es jedes Jahr neue Künstler erlebt und das es zu den Aufführungen nicht in Schlips und Kragen kommen muss“, sagt Bischinger.

Bisher war die Oper Oder-Spree nur etwas für Erwachsene, künftig soll die junge Generation mit Hilfe einer eigenen, vereinfachten Version als neue Zielgruppe gewonnen werden. „Wir hatten schon länger den Wunsch, das in der Region beliebte Opernfestival mit jährlich über 3 000 Besuchern weiterzutragen“, sagt Schladebach. „Bei der großen, aufwendigen Inszenierung scheiterte das jedoch an geeigneten Auftrittsorten. Im Taschenformat ist das schon eher möglich.“ Für die Ausstattung der Kinderoper sind die Zeichnungen von Gertrud Zucker ausschlaggebend, betont auch er. Das freut die Künstlerin, die mehr als 150 Bücher illustriert hat. „Meine Enkel denken ja, klassische Musik hat was mit dem Altern zu tun. Um das zu widerlegen, habe ich die Zauberflöte gemacht.“ Durch die Zeichnungen sollen Kinder neugierig gemacht werden auf die Musik.

Das Entwickeln von Bildideen und das Zeichnen seien für sie inzwischen eine Art Lebenshilfe, erst recht seit dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren, sagt Zucker. „Ich muss mich beschäftigen, kann ja nicht dauernd nur Staub wischen“, meint die zierliche kleine Frau mit dem grauen Kurzhaarschnitt. Gerade hat sie Randverzierungen für ein Buch mit „Sprichwörter-Geschichten“ gemacht. Außerdem arbeitet sie an Federzeichnungen für einen Band ausgewählter Texte eines großen Brandenburgers, Theodor Fontane.