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Criewen Zarter Schwanengesang im Odertal

Von Stefan Adam, dpa | 08.02.2010, 01:57 Uhr

Im Unteren Odertal im Norden Brandenburgs ist in diesen Tagen wieder ein liebliches Geläut zu hören: Hunderte Singschwäne geben kostenlos Konzerte in der verschneiten und vereisten Winterlandschaft.

Trotz der extremen Witterung haben sich etwa 400 Tiere im einzigen Nationalpark Brandenburgs niedergelassen. "Vom Wohlklang dieser Konzerte sind die Menschen begeistert", sagt der Ornithologe Jochen Haferland von der Parkverwaltung. Einige hundert Tiere erreichen in den nächsten Wochen das Gebiet. Februar und März ist die Hauptzeit, in der die Tiere auf dem Weg in ihre nordischen Brutgebiete im Unteren Odertal rasten. Vom 12. bis 14. Februar lädt der Park wieder Besucher zu den 4. Singschwantagen ein.

Das Singen, eine arteigene Kommunikation, sei nur in der kalten Jahreszeit zu erleben, berichtet Haferland. "Es ist das eigenartige Balzgehabe der Tiere. Der zarte Gesang der Singschwäne erinnert an ein feines Glockenläuten." Der Nationalpark sei inzwischen zu einem der größten Überwinterungsgebiete in Deutschland für die Singschwäne geworden. Bis zu 1500 dieser Tiere wurden in den vergangenen Jahren gezählt. Der strenge Frost in diesem Winter mache den Tieren ziemlich zu schaffen. So besiedelten sie jetzt bevorzugt die eisfreien Stellen der Oderaue und gründelten nach Nahrung, erzählt der Vogelkundler. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen und dem daran hängenden Fisch- und Amphibienlaich. Da die umliegenden Rapsfelder tief verschneit sind, meiden die Schwäne den Flug auf die Felder, um Kräfte zu sparen. Sobald aber die Sonne scheine, werden die Tiere wieder aktiv. "Dann kommen sie schnell in Balzstimmung", bemerkt Haferland.

"Im Unteren Odertal macht der Singschwan gewissermaßen Urlaub", berichtet der Nationalparkleiter Dirk Treichel. Er sei der kleinere Bruder des Höckerschwans, habe im Unterschied zu diesem einen gelblich leuchtenden Schnabel und mache kaum hörbare Fluggeräusche. Der Schwan gilt als König der Wasservögel: stolz, kraftvoll und majestätisch. "Dabei grenzt es an ein physikalisches Wunder, dass dieser schwere Vogel sich überhaupt in die Lüfte schwingen kann." Der Bestand sei nicht bedroht, die großen und kräftigen Vogel hätten kaum natürliche Feinde, meint Treichel. Der Singschwan fliehe vor dem skandinavischen Winter und suche seichte Gewässer. Viele beringte Tiere kämen aus dem Baltikum.

"Der Singschwan ist sehr anpassungsfähig und oft in Gesellschaft mit dem Höckerschwan anzutreffen", hat Treichel beobachtet. Er erinnert zugleich an die Rolle, die Schwäne in Mythologie und Sagenwelt spielen. "Der Schwan galt unseren Vorfahren als Tier der Reinheit und des Lichtes", erzählt der Parkchef. Für die Kelten war er mit der Sonne verbunden, in ägyptischen Pyramiden seien geschnitzte Schwäne als Grabbeilage gefunden worden. "Diese Mythen und die naturschutzfachlichen Belange den Besucher näher zu bringen, ist ein Hauptanliegen der Singschwantage."

"Der Singschwan ist dabei, sein Verbreitungsgebiet nach Süden auszudehnen", sagt Torsten Langgemach, Leiter der Vogelschutzwarte Buckow (Havelland). Aus den Masuren in Polen sei dieses Verhalten seit Jahren bekannt und nehme zu. Auch in der Niederlausitz und in Sachsen hat sich der Singschwan als Brutvogel etabliert. "Vor 50 Jahren war der Singschwan noch eine Besonderheit in Brandenburg, heute ist er ein regelmäßiger Wintergast und Durchzügler", meint Langgemach. Odertal und Oderbruch, Elbaue und Havelniederung gelten als bevorzugte Gebiete mit etwa 3000 Tieren.

Der Singschwan ist im Gegensatz zum Höckerschwan eine geschützte Art und darf nicht gejagt werden. "Er gilt als ein Sympathieträger und die Menschen mögen es nicht, dass er in der Bratpfanne landet", sagt der Vogelfachmann. Und auch das zeichnet die weißen Vögel aus: Sie leben monogam, eine Ehe kann bis zu 30 Jahre dauern.