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Alles Fontane Zärtlichkeitsallüren und anderes

Von Benjamin Lassiwe | 20.02.2019, 05:00 Uhr

Das Land Brandenburg steht 2019 ganz im Zeichen von Theodor Fontane

In Brandenburg wird er 2019 überall sein: Theodor Fontane. Der Autor von „Effi Briest“ und des „Stechlin“, der Verfasser der Wanderungen durch die Mark Brandenburg, der Journalist und Kriegsberichterstatter. Am 30. Dezember jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal – schon am 30. März wird in Neuruppin in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Themenjahr „Fontane.200“ des Kulturlandes Brandenburg eröffnet.

„Theodor Fontane prägt die Identität Brandenburgs, über die Grenzen des Landes hinaus“, sagte Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Themenjahres. Seine Werke seien eindrucksvolle und sehr hintergründige Spiegelungen der preußischen Gesellschaft, die immer noch aktuell seien.

Gefeiert wird das Themenjahr vor allem in Neuruppin, wo der Dichter die ersten Lebensjahre verbrachte. Im städtischen Museum ist die Leitausstellung zu sehen, die sich mit Leben und Werk des Autors beschäftigt. „Vielen Fontane-Liebhabern ist gar nicht bewusst, dass er erst spät, mit 57, zum klassischen Schriftsteller wurde“, sagte Kurt Winkler von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte. „Unsere Besucher blicken Fontane ein Stück weit über die Schulter, es geht um die Frage, wie Text entsteht und wie Text auch anders entstehen kann.“

An Hand der Notizbücher von Fontane erhalten Besucher beispielsweise Einblick in die Arbeit des Schriftstellers. So sollen auch Fontanes Wortschöpfungen wie „Generalkladderadatsch“ oder „Zärtlichkeitsallüren“ dort thematisiert werden. Und im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam findet unter dem Motto „Bilder und Geschichten“ eine Ausstellung statt, die sich mit Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ und den von ihm geschilderten Orten und Begegnungen beschäftigt.

Doch auch anderswo im Land beschäftigt man sich in diesem Jahr mit Theodor Fontane. In Lübben etwa soll es eine Ausstellung unter dem Titel „Durch die wendische Wallachei – Lübben und der Spreewald zur Zeit Theodor Fontanes“ geben. „Sie schildert Lübben als Ausflugsziel im 19. Jahrhundert“, sagt Brigitte Faber-Schmidt vom Kulturland Brandenburg. „Und sie soll zeigen, wie unser heutiges Bild vom Spreewald damals entstanden ist.“

Zudem soll es im Museum Schloss und Park Branitz eine Sonderschau zu Fontanes Verehrung für den aus Cottbus stammenden Maler Carl Blechen geben: Der Dichter hatte ursprünglich vor, Blechen ein eigenes Kapitel in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ zu widmen. Doch dazu ist es nicht gekommen, denn der Verleger kürzte den Abschnitt aus dem Manuskript heraus.

Der Projektkoordinator für das Fontanejahr 2019, Hajo Cornel, sagte, für das Themenjahr habe man „ein Programm entwickelt, das nicht den älteren Herrn am Schreibtisch in den Mittelpunkt stellt, sondern auch den Journalisten und Theaterkritiker, den Zeithistoriker und Briefeschreiber.“ Gerade das lebenslange Recherchieren und Notieren sei unabdingbar für alles gewesen, was wir heute von Fontane kennen. Man wolle 2019 für „Überraschungen“ und „Irritationen des gängigen Bildes von Fontane“ sorgen. Wozu auch neue Formen der Beschäftigung mit Fontane gehören: Für Schulklassen, die nach Neuruppin fahren, soll es Fontanes Arbeitszimmer als „Escape-Room“ geben: Die Jugendlichen werden in dem Zimmer eingesperrt, und können es nur verlassen, wenn sie sich vorher im Rahmen einiger Rätselaufgaben mit den Texten des Schrifstellers beschäftigt haben.

Das jedoch dürfte vielen Jugendlichen nicht schwerfallen. Martina Münch, die selbst mehrfache Mutter ist, berichtete am Mittwoch davon, dass sich zumindest ihre Kinder voller Begeisterung mit „Effi Briest“ und den „Irrungen und Wirrungen“ beschäftigten. Womit die Ministerin, die Fontanes Werke wenige Sätze zuvor als „eher sperrig zu lesen“ charakterisierte, selbst wohl am allerwenigsten gerechnet hat.