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Potsdam Wettbewerb zum Stadtumbau

Von Alexander Fröhlich | 22.12.2010, 01:57 Uhr

In Brandenburgs Städten wird nicht nur wegen des Wohnungsleerstands abgerissen.

Die rot-rote Landesregierung fördert ab 2011 nach mehrjähriger Unterbrechung auch wieder den Neubau. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger präsentierte die Sieger des im August gestarteten Fördermittelwettbewerbs "Modellhafter Mietwohnungsneubau". Als besonders nachahmenswert befand eine Jury Projekte aus Templin (Uckermark), Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) und Eberswalde (Barnim). Insgesamt 44 Anträge aus 18 Städten waren eingegangen, letztlich schlug die Jury 16 Anträge aus 12 Städten für die Förderung vor. Darunter sind aus Kyritz, Frankfurt (Oder), Prenzlau, Pritzwalk, Luckenwalde, Finsterwalde, Cottbus und Spremberg. Für die Jahre 2012 und 2013 soll es weitere Wettbewerbe geben. Bis 2013 sollen mit Fördergeldern von insgesamt 30 Millionen Euro aus Bundesmitteln etwa 1000 Wohnungen neu entstehen. Allerdings nicht irgendwelche. In den Innenstädten sollen vor allem altersgerechte und bezahlbare Angebote gefördert werden, die Nachfrage nach "energetisch effizienten und generationsgerechtem" Wohnraum sei hoch.

"Wir stellen fest, dass ältere Menschen wieder zurück in die Städte gehen, weil dort die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist", sagte Vogelsänger. Es gebe zwei gegensätzliche Entwicklungen: In den berlinferneren Regionen, auch in den Städten schrumpft die Bevölkerung, in den Stadtkernen aber sei ein Zuwachs zu verzeichnen.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren vor allem die Stadtzentren

saniert wurden, 70 bis 80 Prozent sind laut Vogelsänger bereits geschafft. Jetzt geht es darum, preiswerten Wohnraum zu schaffen. Dazu sollen vorhandene Lücken geschlossen und Brachen bebaut werden. "Jetzt sind nur noch schwierige Immobilien übrig. Das Programm ist eine gute Gelegenheit nachzusteuern." Bewerben konnte sich für die über 15 Jahre laufenden und zinsgünstigen Förderkredit das Genossenschaften, Wohnungsunternehmen und private Bauherren. Letztere aber investieren immer seltener in Berlin-fernen Regionen. "Wir sind in die Bresche gesprungen", sagte Hans-Jörg Löther, Geschäftsführer der Gebäude- und Wohnungsverwaltung Wittstock. Dort werden nun Gebäuderuinen abgerissen, eine Brache mit Parkplätzen und Spielplätzen belebt - und zugleich die historische Fassadenzeile in der Innenstadt wieder geschlossen. Geplant sind behindertengerechte Wohnungen.

Auch in Templin wird der historische Stadtkern durch Rückbau immer mehr

sichtbar. Dort wird nun die örtliche Wohnungsbaugenossenschaft eine Baulücke innerhalb der Stadtmauern schließen. Für 1,1 bis 1,3 Millionen Euro sollen 800 Quadratmeter Wohnraum entstehen. "Wir wollen die Moderne mit der Historie verbinden, etwa mit Dachterrassen", sagte die Vorstandsmitglied Anke Junker-Füchsel. Erster Spatenstich könnte bereits im Herbst 2011 sein.

Um die Förderung über ein zunächst zinsloses Darlehen mit zweiprozentiger Tilgung zu erhalten, müssen mindestens ein Viertel der neuen Wohnungen preisgünstig angeboten werden. Für die Miete im "Speckgürtel" heißt das maximal 5,50 Euro pro Quadratmeter, außerhalb 4,60 Euro. Die Fördergelder fallen umso höher aus, je mehr Sozialwohnungen in einem Projekt geschaffen werden. Bis zu 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind möglich. Zusätzlich gibt es einen Bonus , wenn das Gebäude einen höheren Energiestandard erfüllt, als vorgeschrieben.