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Geringer Stellenwert Weniger Weihnacht in Brandenburgs Betrieben

Von Christian Bark | 05.12.2016, 05:00 Uhr

Feiern oder gemeinsame Geschenke unter Kollegen haben an Bedeutung deutlich nachgelassen.

Weihnachtsfeiern oder gemeinsame Geschenke unter Kollegen nehmen in Brandenburg einen immer geringeren Stellenwert ein. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Bedeutung kollektiver Weihnachtsfeiern hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen“, sagt Andreas Splanemann, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Landesbezirk Berlin Brandenburg. Zwar gebe es sie noch, doch sei das längst nicht mehr die Regel.

Auch der Charakter solcher Feiern hat sich laut Splanemann gewandelt. „Heute geht man eher mit der Arbeitsgruppe oder dem Team nach Feierabend in ein Restaurant“, schildert der Sprecher. Kleine Geschenke an die Beschäftigten seien hier und da noch üblich. Eine gute Unternehmenskultur ist aber davon geprägt, gibt Splanemann zu Bedenken, dass den Beschäftigten das ganze Jahr über Wertschätzung für ihre geleistete Arbeit entgegen gebracht wird. Funktioniere das nicht, mache eine betriebliche Weihnachtsfeier auch keinen Sinn, das Betriebsklima werde dadurch nicht besser.

Mit Blick auf in Tarifverträgen geregelten Sonderzuwendungen für Beschäftigte, zu denen auch das Weihnachtsgeld gehört, bemängelt Splanemann die nachlassende Tarifbindung. „Vor allem im Osten Deutschlands gibt es viele Unternehmen, in denen keine Tarifverträge gelten und in denen auch keine oder nur unzureichende Zuschläge gezahlt werden“, moniert er. Dabei seien diese Zuschläge aus Sicht der Gewerkschaft eine geeignete Art, Zuwendungen auszuschütten. Das Verfahren sei transparent und benachteilige niemanden.

Nach Information des Instituts für Angewandte Arbeitswissenschaften (ifaa) aus Düsseldorf erhält in Deutschland etwa die Hälfte der Beschäftigten Weihnachtsgeld.

Ein Sprecher der Vereinigten Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) gibt an, man wisse aus Umfragen, dass fast drei von vier Beschäftigten bei tarifgebundenen Unternehmen Weihnachtsgeld bekämen. „In der Metall- und Elektroindustrie geht es um rund 25 bis 60 Prozent eines Monatslohns“, erklärt er. Bei nicht tarifgebundenen Firmen erhalte nur knapp jeder zweite Arbeitnehmer Weihnachtsgeld.

Für Brandenburgs Polizisten gibt es das allerdings schon lange nicht mehr, wie der Landesbezirksvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Andreas Schuster, berichtet. „Das ist mit den Jahren immer weiter runter gefahren worden“, erklärt er. Der klägliche Rest sei dann in das Monatsgehalt geflossen.

Weihnachtsfeiern auf den Wachen gehörten immer mehr der Vergangenheit an. „Das Arbeitsklima hat sich deutlich verschlechtert“, beklagt Schuster. Viel Stress, niedrige Bezahlung und zahlreiche Überstunden führten zu einer erhöhten Demotivierung, die sich auch auf die Kollegialität auswirke. Früher habe es noch Geld für Feiern gegeben, das sei heute kaum noch der Fall. Sonderbezahlungen für den Dienst über die Feiertage erhalten die Polizisten laut Schuster auch nicht. Zu den wertschätzenden Gesten gehört laut einer Sprecherin des Potsdamer Polizeipräsidiums jedoch der Besuch des Innenministers sowie des Polizeipräsidenten im Einsatz- und Lagezentrum. „Das rechne ich ihnen auch hoch an“, sagt Schuster. Der Gewerkschafter und weitere Mitglieder wollen auch in diesem Jahr wieder über die Festtage die Kollegen mit Gebäck und Zuspruch aufmuntern - und Geld für Weihnachtsfeiern bereitstellen.