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Kleptow Von der Weide ins Museum

Von Leticia Witte, dpa | 16.12.2010, 01:57 Uhr

Man nehme eine DVD mit einem Live-Auftritt des Komikers Mario Barth, werfe den Beamer an und beschalle eine Herde Rentiere in einem Stall mit Gags, Applaus und Gejohle.

"Dann schrecken die Tiere vor nichts mehr zurück", erklärt Rentierzüchter Thomas Golz aus der Uckermark sein Rezept. "Auf der DVD ist alles, was ich brauche, um die Tiere gegen äußere Reize abzustumpfen." Golz steht auf der winterlichen, weitläufigen Weide in Kleptow bei seinen Rentieren. Rechts und links hält er Rudolph und Hein Blöd an der Leine - in der Tat wirken sie sehr zahm.

Die Golzschen Rentiere werden nicht nur für das gebucht, was man von ihnen in der Weihnachtszeit gemeinhin erwartet - Schlitten ziehen, auf Adventsveranstaltungen bestaunen lassen. Sie sind auch die Attraktion in einer ungewöhnlichen Ausstellung eines Berliner Museums: Zwölf Rentiere vom Kleptower Hof sind zusammen mit trällernden Kanarienvögeln in der "Soma"-Schau von Carsten Höller im Hamburger Bahnhof zu sehen.

Dank des Spezialtrainings machten den Rentieren schreiende Kinder, fahrende Autos oder andere Geräusche nichts mehr aus, ist Golz überzeugt. Gerade ist Hochsaison für sein Geschäft. Bis zu den Feiertagen reihen sich die Termine für seine Rentiere aneinander.

Der Hof in der Nähe von Prenzlau ist von Weiden umgeben, auf denen 30 Rentiere und acht Elche stehen - auf insgesamt 30 Hektar, die hin und wieder von einem Haus gesäumt werden. "Die Tiere kennen ja ursprünglich gar keine Zäune", sagt Golz. Zäune sind aber selbst in der dünn besiedelten Uckermark nötig, damit die Exoten nicht ausbrechen.

Vor mehr als zehn Jahren zogen die ersten Rentiere in die Uckermark. Später kamen die öffentlichen Auftritte der Vierbeiner, zum Beispiel in der Fernsehserie "Tierärztin Dr. Mertens" oder im Tier-Quiz mit Frank Elstner.

Beanstandungen von Tierschützern oder Veterinären habe es bislang nicht gegeben, betont Golz. Laut Deutschem Tierschutzbund in Bonn werden Rentiere als Haustiere angesehen. Vorschriften für die anspruchsvolle Haltung gebe es nicht, es sollten aber 1000 Quadratmeter Wiese pro Tier zur Verfügung stehen. Der Sprecher des Tierschutzbundes, Marius Tünte, weist auf die Empfindlichkeit der Vierbeiner hin. "Eine Haltung der Rene in Deutschland ist sehr kritisch zu bewerten."

Dennoch gibt es sie dort - etwa auf den Kleptower Weiden, wo sie unerschrocken auf Besucher zugehen, an ihnen schnuppern und sich streicheln lassen. Und eben im Museum. "Die Tiere spielen, fressen, schlafen", sagt die für die Ausstellung in Berlin zuständige Sprecherin.