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Potsdam "Vertretbare Belastung"

Von Susann Fischer, ddp | 21.10.2009, 01:57 Uhr

Hemmnis für den Flugbetrieb? Entlastung für die Anwohner? Am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) könnte es in Spitzenzeiten bis zu 103 Flugbewegungen pro Nacht geben.

Einen entsprechenden Planergänzungsbeschluss zum Lärmschutzkonzept stellte Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) gestern in Potsdam vor. Demnach könnte es im Jahr 2023 durchschnittlich 77 Flugbewegungen zwischen 22 und 6 Uhr geben. Allerdings soll zwischen 0 und 5 Uhr ein weitgehendes Flugverbot gelten.

Dellmann sprach von einer Belastung für die Anwohner am BBI-Standort Schönefeld, die jedoch vertretbar sei. Flughafensprecher Ralf Kunkel begrüßte die Klarheit, kritisierte aber langfristige Entwicklungshemmnisse. Ähnlich äußerte sich easyJet-Geschäftsführer Thomas Haagensen.

Laut Dellmann sollen in der Kernzeit der Nacht von 0 bis 5 Uhr außer Post- und Regierungsmaschinen keine Flugzeuge landen oder starten. In den so genannten Randzeiten von 22 bis 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr werden jedoch Flüge zugelassen. Für die Zeiten jeweils eine Stunde vor und nach der Kernzeit sollen die Airlines Kontingente erhalten, um die Zahl der Flüge möglichst gering zu halten. In der Zeit von 22 bis 23 Uhr dürfen die Airlines jedoch uneingeschränkt fliegen.

Die Prognose für das Jahr 2023 geht von durchschnittlich 44 Flügen in dieser Stunde aus. Die Kapazität des BBI würde sogar 80 Flüge je Stunde ermöglichen.

Aus Sicht der Planungsbehörde überwiegen in den Randzeiten die öffentlichen Interessen die Lärmschutzbelange der Anwohner. Dellmann sagte, den Menschen werde Lärm zugemutet. Doch würden gerichtliche Vorgaben eingehalten. So sehe der Plan auch weitere Verbesserungen beim Lärmschutz vor. Zudem dürfe in der gesamten Nachtzeit der Airport nur mit lärmarmen Flugzeugen verlassen oder angesteuert werden.

Der Minister wies darauf hin, dass es derzeit noch einen uneingeschränkten 24-Stunden-Flugbetrieb in Schönefeld gebe. Mit dem Flugverbot in der Kernzeit verbessere sich die Situation für die Anwohner.

Bis 2023 räumt der Planbeschluss nach Ansicht von Kunkel dem Flughafen ausreichend Wachstumschancen ein. Mittelfristig sei der Beschluss gut. Langfristig jedoch werde die "strikte Deckelung" bei den Nachtflügen ein weiteres Wachstum des Airports behindern. Kunkel ergänzte, die zusätzlichen Maßnahmen zum Schallschutzprogramm kosteten rund 30 Millionen Euro.