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Brandenburg Storch hat keine Lust auf warme Gefilde

Von Klaus D. Grote (MOZ) | 07.12.2016, 12:00 Uhr

Zuhause ist es doch am schönsten: Vogel verbringt auch den Winter in Eden (Oberhavel)

Das Nest auf dem Schornstein hinter der Gaststätte „Papa Asada“ war in Eden (Oberhavel) den Sommer über leer geblieben. Aus dem Geflecht aus Zweigen wuchs Unkraut. Doch dann wurde aufgeräumt. Und plötzlich saß der Storch wieder auf dem Horst. „Der freche Kerl lässt sich bestimmt wieder den Winter vom Storchenbeauftragten durchfüttern“, vermutet Anwohner Robert Schurmann. Er machte gleich einige Fotos von dem Storch, der meist mit aufgeplustertem Gefieder der winterlichen Kälte trotzt.

Schon in den drei vergangenen Jahren hatte der Storch offenbar keine Lust auf den langen Flug in den Süden und blieb einfach hier. Vermutlich hat er sich anderweitig verausgabt, glaubt der Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Roland Heigel. Er „bezichtigt“ den Storch aus Eden der Bigamie. Nach der Paarung mit einer Störchin in der Gemeinde hatte er sich auch im benachbarten Germendorf gepaart. Die Vielweiberei ist im Reich der Störche zwar nicht ungewöhnlich, berichtet Heigel. Aber außergewöhnlich kräftezehrend ist sie dennoch. Am Ende kann sich der Bräutigam nur auf die Verteidigung eines Nestes sowie die Aufzucht des Nachwuchses mit einer Braut beschränken.

In ähnlichen Fällen fanden die verlassenen Weibchen schnell ein neues Männchen, das dann die Eier des Vorgängers aus dem Nest warf. In Wensickendorf ließ sich ein Storch sogar mit drei weiblichen Tieren nacheinander ein, hatte Roland Heigel bereits im Frühjahr berichtet. Kein Wunder, dass bei so viel Klapperei, die stets mit Rivalenkämpfen verbunden ist, am Jahresende nicht mehr genug Energie für den Flug ins warme Winterquartier vorhanden ist.

Der Storch trat lediglich den Rückflug von Germendorf ins rund zwei Kilometer entfernte Eden an. Winterlich versorgt wird er im Notfall voraussichtlich wieder von dem Storchenexperten Roland Heigel. Denn bei Eis und Schnee macht dem Vogel weniger die Kälte zu schaffen, sondern allein das fehlende Nahrungsangebot entscheidet über sein Überleben.