Ein Angebot des medienhaus nord

Potsdam Schüler als Firmenchefs

Von Jens Twiehaus, dapd | 06.12.2010, 01:57 Uhr

Es ist stickig und eng in dem kleinen Raum.

Daniel und Richard sitzen zwischen Lehrbüchern, PC-Bildschirmen und Aktenordnern - das Zimmer ist ihr Hauptquartier. Von hier aus steuern sie und 13 Kollegen die Firma "M & B", das steht für Medien und Büro. Daniel und Richard sind noch Schüler, ihre "M & B" ist eine von mehr als 100 Schülerfirmen im Land. Um solche Projekte bekannter zu machen, erscheint heute in Brandenburg das bundesweit erste gedruckte Branchenverzeichnis für Schülerfirmen.

Richard hat die Firma "M & B" an der Potsdamer Lenné-Gesamtschule mit aufgebaut. Angefangen haben sie vor drei Jahren. Seitdem hat das Team seine Leistungen ständig erweitert. Ihr Startkapital waren unter anderem 100 Aktien, die sie zu je 50 Euro an Eltern oder Mitschüler verkauften, erzählt der 16-Jährige. Zunächst begannen sie mit Computerdienstleistungen. Sie schraubten Rechner zusammen, bauten kleine Netzwerke auf. An einer Grundschule gaben sie einen Computerkurs für Fünftklässler.

Dann begannen sie, Bürobedarf vom Schreibheft bis zum Füller zentral in größeren Mengen einzukaufen und somit Rabatte einzustreichen, berichtet der betreuende Lehrer Thomas Jandt. Auf die Idee dazu waren sie gekommen, weil Lehrer der Lenné-Schule früher viel unwirtschaftlicher selbst einzelne Hefte und Lineale für Schüler aus sozial schwachen Familien einkauften. Die Mitarbeiter von "M & B" stellen nun einmal pro Halbjahr kostenlose Pakete mit Stiften, Schreibblöcken und Heftern für Schüler zusammen, die sich diese Sachen kaum alleine kaufen könnten. Das Geld dafür holen sie sich, wie früher die Lehrer, aus dem Schulsozialfonds des Landes zurück.

Zudem öffnen sie ihr Büro in den großen Pausen und verkaufen Schreibwaren an ihre Mitschüler - bis zu 50 Prozent unter dem Ladenpreis, dank der Mengenrabatte beim Einkauf. Zu den Kunden gehöre selbst die Stadt Potsdam, erzählt der 17-jährige Daniel, der die Finanzabteilung leitet.

Genial einfache Ideen setzen Schülerfirmen auch an Gymnasien, Grundschulen oder Oberstufenzentren um, sagt Norbert Bothe von der Servicestelle Schülerfirmen. Die Servicestelle berät und unterstützt seit fünf Jahren Schüler und Lehrer im Land. Bezahlt wird das vom Bildungsministerium sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Die Rechnung für das mehr als 100 Seiten starke Branchenverzeichnis der Schülerfirmen begleicht laut Bothe das Wirtschaftsministerium. Das Buch soll helfen, mehr Kontakte zu "größeren Betrieben" zu knüpfen. Die Schülerfirmen stellen ihre Projekte in dem Verzeichnis in elf Branchen unterteilt dar, mit Bildern und Referenzprojekten für ihre Arbeit. "Schülerfirmen sind dabei in erster Linie pädagogische Projekte", betont Bothe. Die Firmen nehmen zwar auch "richtiges Geld in die Hand". Doch im Vordergrund stehe dabei immer, dass die meist Minderjährigen Verantwortung übernehmen müssen - für ihr Team und dessen Idee.

Richard von "M & B" macht genau das besonders Spaß: "Ich will selbst etwas machen und nicht immer auf der Schulbank sitzen". Daniel hat schon das nächste Projekt der wachsenden Firma im Blick: "Wir wollen alte Videokassetten digitalisieren - die Lehrer haben ja noch so viele davon".