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Oper „Tucholskys Spiegel“ Regieanweisungen sind tabu

Von MOZ | 10.12.2016, 05:00 Uhr

Christoph Klimke stellt Libretto für Tucholsky-Oper vor und hat zum Teil genaue Vorschläge für die Inszenierung

Das Libretto für die Oper „Tucholskys Spiegel“ ist fertig. Rheinsbergs scheidender Stadtschreiber Christoph Klimke hat das Werk erstmals bei einer Lesung öffentlich präsentiert. Nun muss der Komponist James Reynolds die Musik zum Text verfassen. Der Termin für die Uraufführung steht bereits fest.

Normalerweise hassen Regisseure es, wenn in den Textvorlagen für Bühnenstücke bereits Regieanweisungen stehen. Christoph Klimke konnte es sich dennoch nicht verkneifen, einige Szenen im Libretto bereits etwas bildhafter zu schildern.

Und Frank Matthus, künstlerischer Leiter der Rheinsberger Kammeroper, kann mit einigen der Vorschläge sehr gut leben. Besonders die letzte Anweisung, in der Kurt Tucholsky seinen Spiegel in Brand setzt, und die Frage offen lässt, ob er tatsächlich, wie behauptet, Suizid begangen hat oder schlichtweg am Leben zerbrochen ist, begeistert Matthus. „Das mit dem brennenden Spiegel ist toll. Das lässt eine Mehrdeutigkeit zu“, schwärmt Matthus.

Der Tod Tucholskys bildet nicht nur das Ende der Oper, sondern auch den Anfang. Kurz vor seinem Ableben blickt der Schriftsteller und Satiriker auf sein Leben zurück. In 13 Szenen zeigt Klimke wichtige Episoden aus Tucholskys Leben: die schlechte Beziehung zur Mutter, die Liebschaften des Lebemanns, die Liebe zu Berlin, seine Arbeit bei der Zeitschrift „Die Weltbühne“, die enge Beziehung zum Herausgeber Siegfried Jacobsohn, die Zeit im Ersten Weltkrieg, Schaffenskrisen sowie sein Weg ins Exil.

Angesichts des umfangreichen literarischen Schaffens Tucholskys kann Klimke vieles nur andeuten. „Ich musste aus einem riesigen Werk ein Destillat bilden“, sagt er. In den Texten kommen Zitate Tucholskys und viele Gedichtzeilen vor. Die Dialoge der Figuren sind assoziativ. Trotz der tragischen Thematik und der finsteren Zeit, in der Kurt Tucholsky erfolglos versuchte, gegen Krieg und später gegen den aufkommenden Faschismus anzuschreiben, verspricht Klimke, dass die Oper kein Trauerspiel über die deutsche Geschichte wird.

Es gibt Lebensfreude, Leidenschaft, Frivolität, Erotik. Schließlich war die Titelfigur ein Lebemann. Mit Zeilen aus Tucholskys Liebesgedichten deutet Klimke auch die Liebschaften des in amourösen Dingen umtriebigen Schriftstellers an. „Dass man nicht alle haben kann“, zitiert Klimke im Libretto Tucholskys Gedicht „Mikrokosmos“. In der Szene werden die Verse an Else Weil gerichtet, eine der wichtigsten Frauen in seinem Leben: „Ich komm doch stets nach den Exzessen zu dir und kann dich nicht vergessen.“

Gemessen an den vielen Facetten im Leben Tucholskys, die Klimke berücksichtigt, ist das Libretto recht dünn. „Ich glaube es sind noch viel zu viele Worte“, sagt der Autor dennoch. Er ist sich sicher, der Komponist James Reynolds werde noch Passagen kürzen. Welche musikalischen Vorstellungen der Tonsetzer für das Bühnenstück hat, konnte dieser nicht verraten. Der Einladung zur Lesung konnte er nicht folgen.

Reynolds hatte aber bereits bei einem Podiumsgespräch während der Langen Nacht der Künste angekündigt, Jazz-Elemente verwenden zu wollen. Zwei oder drei Gedichte Tucholskys hat der Komponist laut Klimke auch schon vertont.

Fest steht bereits, wann die Oper uraufgeführt wird. Die Premiere ist für den 21. Juli angesetzt. Das Werk soll im Schlosstheater aufgeführt werden. Und geht es nach Klimke, wird sogar schon der Weg zum Einlass szenisch begleitet. Laut dem Libretto rufen sieben Sängerinnen und Sänger mit Megafonen aus den Fenstern des Schlosstheaters den Gästen Prosazeilen Tucholskys über Berlin entgegen.

Gut möglich, dass diese Idee tatsächlich umgesetzt wird. Der künstlerische Leiter, Frank Matthus, der in dem Fall auch der Regisseur ist, ist den Anweisungen des Librettisten gegenüber ja durchaus aufgeschlossen.