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Einschüchterung mit Molotow-Cocktails Prozess: Brandanschlag gestanden

Von Winfried Wagner | 28.03.2018, 05:00 Uhr

Der Hauptangeklagte sagt aus, man habe mit der Attacke auf das Flüchtlingsheim den Menschen „einen Schrecken einjagen wollen“

Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Kremmen (Kreis Oberhavel) hat der Hauptangeklagte ein Geständnis abgelegt. „Der Plan war, denen einen Schrecken einzujagen“, sagte der 29-jährige Kremmener gestern zum Beginn des Prozesses am Landgericht Neuruppin.

Er habe sich damals mit dem Bekannten über die Flüchtlingspolitik unterhalten. Dann sei er in den Keller gegangen, habe zwei Molotow-Cocktails in 0,33-Liter-Bierflaschen gegossen.

Der Bekannte räumte vor Gericht ein, mit dem 29-Jährigen zum „Asylheim“ gegangen zu sein. Er habe ihn aber immer wieder davon abhalten wollen, die Brandsätze zu werfen. Als das nicht gelang, sei er gegangen, bevor die Tat passierte. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern gemeinschaftlich versuchten Mord, versuchte schwere Brandstiftung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor.

Der 29-Jährige sagte, er habe die beiden Brandsätze in der Nacht zum Ostersamstag im April 2017 auf ein Haus der umzäunten Unterkunft geworfen. Er habe einmal eine Wand getroffen und einmal einen Fensterrahmen. „Ich wollte aber das Fenster nicht treffen“, sagte der Angeklagte. Beide mit Benzin gefüllten Flaschen prallten ab und brannten auf dem Gehweg und auf dem Rasen. Der Wachschutz wurde durch einen Knall aufmerksam und konnte die Flammen schnell löschen.

Verletzt wurde niemand. „Ich hatte keine Lust auf die ganze Diskussion um Flüchtlinge, mir ging das generell auf die Nerven“, erklärte der Hauptangeklagte. Vor dem nächtlichen Gang über fast zwei Kilometer zu der Unterkunft habe man noch „sieben bis acht Bier getrunken.“

Beide Angeklagten wiesen j Vorwürfe zurück, sie seien ausländerfeindlich oder gehörten einer rechtsextremen Gruppierung an. „Ich bin kein Hitlerfanatiker“, erklärte der arbeitslose 29-Jährige. Er interessiere sich für Geschichte und sammle Münzen und Militaria, auch mit Metallsuchgeräten auf Äckern. Alkohol trinke er täglich, nehme auch Betäubungsmittel.

„Ich habe alles für Gequatsche gehalten und nicht gedacht, dass er Ernst macht“, sagte der 35-Jährige zum Anschlag. Er sei zwar mitgegangen, aber habe seinem Bekannten noch am Flüchtlingsheim gesagt, er solle das lassen. „Als er nicht hörte, bin ich weggegangen.“ Später habe er gehört, dass nichts Schlimmeres passiert sei.

Die Staatsanwaltschaft hält die Rolle des 35-Jährigen für weniger harmlos. So habe der Ältere dem 29-Jährigen Gummihandschuhe gegeben und an dem Abend Handyfotos gemacht. Diese seien aber noch in der Nacht nach dem Vorfall gelöscht worden. Zudem soll der 35-Jährige Videos auf seinem Smartphone gehabt haben, die Flüchtlinge beim Randalieren zeigten und in der fremdenfeindlichen Szene kursierten.

In der gesamten Unterkunft, die aus vielen Häusern besteht, lebten damals 70 Menschen. In dem Haus, auf das die Brandsätze geworfen wurden, hielten sich vier Leute auf. Eine DNA-Spur führte die Polizei im August 2017 zu dem 29-Jährigen, der seitdem in U-Haft sitzt. Sein Komplize wurde im November festgenommen, kam aber später wieder auf freien Fuß.

Der Prozess wird am 29. März fortgesetzt. Dann sollen Ermittler und Polizeibeamte angehört werden. Mit einem Urteil rechnen die Beteiligten am 20. April.