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Potsdam Poppe: Verändertes Klima

Von dapd | 15.12.2010, 01:57 Uhr

Seit ihrer Wahl vor einem Jahr will Brandenburgs Stasi-Beauftragte Ulrike Poppe Veränderungen im gesellschaftlichen Klima ausgemacht haben.

Es gebe eine neue Debatte über das Verhältnis zur Vergangenheit und ihre Folgen, sagte Poppe gestern in Potsdam. Auslöser dafür sei ein "Unbehagen" gewesen, das durch Aufarbeitungsdefizite entstanden sei. Das habe das Vertrauen in die Politik beschädigt und auch das Vertrauen untereinander in der Bevölkerung. Der Landtag hatte Poppe am

17. Dezember 2009 einstimmig als Beauftragte für die Aufarbeitung von Diktaturfolgen gewählt.

Brandenburg hatte zuvor als einziges ostdeutsches Bundesland nie einen Stasi-Beauftragten eingesetzt. Nach der Bildung der ersten rot-roten Koalition in Brandenburg im Herbst 2009 waren mehrere neue Stasi-Fälle innerhalb der Linksfraktion bekannt geworden. Dadurch war eine breite Debatte über Defizite in der Vergangenheitsbewältigung entbrannt. Im Landtag hat in der Folge eine Enquete-Kommission zu dem Thema ihre Arbeit aufgenommen, in der auch Poppe mitwirkt.

Es gebe immer noch Unterschiede bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte in den anderen ostdeutschen Ländern, sagte sie. Jedoch sei ein Großteil der Bevölkerung inzwischen an einer Aufarbeitung interessiert. Dass es Defizite bei der Aufarbeitung gab und gibt, zeigt laut Poppe der nach wie hohe Beratungsbedarf. Zahlreiche Opfer wendeten sich an ihre Behörde. Viele Opfer von politischer Verfolgung in der DDR litten noch heute unter den Folgen.

Beratungen bilden laut Poppe den Schwerpunkt der Arbeit ihrer Behörde. Seit dem 1. März haben die Mitarbeiter mehr als 250 Menschen intensiv beraten und begleitet. Rund 150 Bürger erhielten eine einmalige Beratung. Rund 300 Menschen erhielten Auskünfte am Telefon. Bei den Anfragen und Beratungen geht es um die Einsicht in Akten der Stasi-Unterlagenbehörde, Rehabilitationsanträge oder auch psychosoziale Angebote. Wichtig ist Poppe nach eigenen Angaben auch die Jugendbildung. In den Schulen treffe sie einerseits Lehrer mit einem "schwierigen Verhältnis" zum Thema Aufarbeitung, andererseits aber auch Pädagogen mit einem großen Engagement. Künftig sollten verstärkt Zeitzeugen in die Arbeit mit Schülern eingebunden werden, um die Erfahrungen mit der DDR-Diktatur authentisch wiedergeben zu können. Stark gestiegen sei die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht.