Ein Angebot des medienhaus nord

geringere Vergütung im Vergleich zu Berlin Pflegebranche fordert mehr Geld

Von Henning Kraudzun | 15.08.2015, 15:00 Uhr

Fährmann beruft sich bei dieser Zahl auf eine jüngst von den Wirtschaftsfördergesellschaften vorgestellten Studie.

Pflegefachverbände haben von der Landesregierung ein Konzept gegen den Fachkräftemangel in der Branche gefordert. Angesichts von 2700 Pflegekräften, die täglich nach Berlin pendeln, müsse die Politik mehr dafür tun, um die Rahmenbedingungen in Brandenburg zu verbessern, sagt die Landesvorsitzende des Verbandes privater Pflegeanbieter, Ellen Fährmann. „Da müssten sämtliche Alarmglocken schrillen.“ Fährmann beruft sich bei dieser Zahl auf eine jüngst von den Wirtschaftsfördergesellschaften vorgestellten Studie.

Ein wesentlicher Grund für die Schieflage sei die im Vergleich zu Berlin geringere Vergütung durch Krankenkassen, so Fährmann. So würde für die gleichen Leistungen – etwa für einen Verbandswechsel – bis zu 30 Prozent weniger bezahlt. Dadurch könnten die Unternehmen in Brandenburg auch nicht die gleichen Löhne zahlen. Der Verband erwartet, dass sich der Fachkräftemangel künftig weiter verschärft.

Die Kritik weisen Sozialministerium und Krankenkassen entschieden zurück. „Es liegt doch am Verband selbst, bessere Vergütungen mit den Kassen auszuhandeln“, sagt Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. Hier könne die Landesregierung nicht eingreifen. Zudem dringt nach seinen Aussagen das Sozialministerium seit Jahren darauf, dass die Unternehmen im Land mit einer leistungsgerechten Vergütung deutlich attraktiver werden. „Hier gibt es noch Defizite“, so Hesse.

Im Vergleich der ostdeutschen Länder liegt Brandenburg laut einer weiteren Studie an der Spitze: 1994 Euro erhalten Pflegekräfte zwischen Elbe und Oder im Durchschnitt. In Berlin liegt der Verdienst allerdings bei 2271 Euro, in Baden-Württemberg gar bei 2725 Euro. Zwar haben Landesregierung und Pflegeverbände 2014 vereinbart, einen Tarifvertrag auszuhandeln – allerdings bislang ohne Ergebnis.