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Kirchenmusiker hilft in Nepal Mit der Trompete zum Himalaya

Von Kerstin Schreiber | 29.03.2018, 05:00 Uhr

Der Fürstenwalder Georg Popp fliegt regelmäßig als ehrenamtlicher Trompetenlehrer nach Kathmandu in Nepal

Einen Gartenschlauch, 1,41 Meter lang, einen Trichter aus dem Supermarkt und ein kleines Mundstück aus Plastik: Mehr braucht Fürstenwaldes Kirchenmusikdirektor Georg Popp nicht, um ein Blasinstrument zusammenzustecken. Gemacht hat er das zigmal: Für Musikschüler in Kathmandu (Nepal), denen er in einer Trompetenklasse der Christians Arts Association of Nepal das Spielen der Blechblasinstrumente nahebringt. Dafür fliegt er aus dem Landkreis Oder-Spree um die halbe Welt. Die evangelische Gossner Mission übernimmt die Reisekosten und nutzt Spenden zur Anschaffung der Instrumente.

2013 war Popp erstmals als Trompetenlehrer sechs Wochen im Land am Himalaya, ein Bekannter hatte ihn auf die kleine christliche Gemeinschaft und ihr Interesse an Musik aufmerksam gemacht. Auch 2014, 2016 und 2017 reiste er mehrere Wochen nach Asien, unterrichtete durchschnittlich 30 Schüler: „Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer - und das dreimal am Tag“, erzählt der 58-Jährige. „Wir haben nicht nur um die Mittagszeit und nachmittags geübt, sondern schon früh am Morgen, um 7 Uhr. Da hatten einige schon einen einstündigen, beschwerlichen Anfahrtsweg hinter sich.“ Und das alles freiwillig für eine Musik, die in Nepal kaum bekannt und nicht besonders beliebt ist. Trompeten, sagen die Einheimischen, sei was für die unterste Kaste des Landes und nicht gesellschaftsfähig. Lediglich auf Hochzeiten werden sie gespielt.

Seine Schüler staunten immer wieder, „wenn ich von Johann Sebastian Bach erzähle und der Trompete als Symbol für Gottes Majestät in dessen Weihnachtsoratorium“, sagt Popp. Daraufhin seien alle neugierig auf die Möglichkeiten des für Nepalesen ungewöhnlichen Instruments. Inzwischen hätten die Bewohner von Kathmandu angefangen, sich an den Klang der Trompeten zu gewöhnen.

Den Trompetern in spe verhilft ihr Lehrer mit einigen kompositorischen Tricks zu akzeptablen ersten Tönen: Er erdenkt simple Melodien, basierend auf leicht erlernbaren halben und ganzen Noten. Lesefreundlich mit großen Symbolen auf eigens eingeflogenen Bögen notiert. Für F-Dur gibt es, sofern vorhanden, grüne Blätter, für C-Dur blaue Zettel und gelbe Papiere für G-Dur.

Mit dem Herrenhuter Pfarrer Nagendra Pradhan, der ihm in Kathmandu zur Seite steht, greift er auf einfache Lieder zurück, die jedes Kind in Nepal kennt. Oder Popp schreibt Neues, textet selbst und lässt die Worte in Englisch und Nepali übersetzen.

Schon nach ein paar Stunden können seine Schüler ihren Instrumenten erste Töne entlocken. Begeistert machen sie sich ans Werk, dabei ist es egal, dass der Übungsraum klein ist, alle eng gedrängt sitzen. „Ich bewundere die Lebensfreude meiner Schüler. Trotz harten Lebens sind sie immer freundlich, sehr herzlich. Ihre Augen strahlen, wenn sie Blut für die Blasmusik geleckt haben und stolz sind, auf das, was sie da lernen.“

Die Freude seiner Schüler am neuen Können sei der größte Lohn für ihn, so Popp. Nur wenige Stunden nimmt er sich bei den Nepal-Reisen Zeit, um das Land mit seinen Tempeln und Hochgebirgen zu erkunden. „Ich bin zum Unterrichten dort, nicht als Tourist.“ Dieses Engagement erfreut nicht nur seinen Superintendenten Frank Schürer-Behrmann vom Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree, sondern auch die Gossner Mission. Deren Direktor Christian Reiser sagt, dass es einfach beeindruckend sei, zu sehen, wie Georg Popp die Bläsermusik als Brücke zwischen den Kulturen nutzt.