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Potsdam Mehr Patienten - weniger Betten

Von Mario Tumm | 03.09.2009, 01:57 Uhr

Im Land Brandenburg liegt der Versorgungsgrad mit Krankenhausbetten nach Berechnungen der Statistiker seit Jahren unter dem Bundesdurchschnitt. Zudem steigt die Zahl der Patienten. Die Krankenhausgesellschaft sieht darin ein Dilemma, das Ministerium wiegelt ab.

In 50 brandenburgischen Krankenhäusern standen im vergangenen Jahr 15 242 Betten zur vollstationären Behandlung zur Verfügung, 100 Betten weniger als 2007, so die aktuellen Angaben vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Im vergangenen Jahr habe der Versorgungsgrad 60,3 Betten je 10 000 Einwohner betragen. Der Krankenhausplan des Landes sieht dagegen einen Wert von 62,2 Betten vor, der bundesweite Schnitt für 2006 wird mit 63,5 angegeben.

Allerdings wurden laut 2008 mehr Patienten behandelt. Es seien 527 795 Kranke gewesen. Mit dem Bettenabbau und der höheren Zahl der Patienten stieg die Auslastung der Betten gegenüber 2007 um 1,4 Prozent auf im Schnitt 80,3 Prozent.

"Die Politik ist aufgefordert zu handeln und für Kontinuität zu sorgen", sagt der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft, Jens-Uwe Schreck als Reaktion auf die Statistik. Seit Jahren werde die Bettenzahl verringert, die Arbeit der Ärzte und Pfleger verdichtet. Zudem werden Geschäftsfelder der Kliniken beschnitten. "Die Ökonomisierung der Medizin wie in einem Autowerk ist keine Lösung."

Die Krankenhausgesellschaft sieht die flächendeckende wohnortnahe Versorgung in Brandenburg in Gefahr, wenn nicht kontinuierlich ausreichende finanzielle Mittel fließen. Ein Krankenhausbett könne nicht rund um die Uhr ausgelastet sein, da Krankheiten nicht planbar seien, so Schreck. Betten müssten also ausreichend bereitstehen. Durch die neue europaweite Arbeitszeitverordnung komme ein erhöhter Bedarf an Ärzten dazu. "Es muss mehr Geld ins System, denn es geht um Menschen." Mit dem zunehmenden Anteil Älterer steige auch der Bedarf an Klinikbetten.

Den Vorwurf einer Unterversorgung im Land weist das Potsdamer Gesundheitsministerium zurück. Es gebe nominal zwar weniger Betten, als im Krankenhausplan verzeichnet. Die dortige Zahl sei aber eine Maximalangabe, so die stellvertretende Ministeriumssprecherin Svenja Gamp. Zudem dürfe man die Zusammenarbeit mit Berlin nicht vergessen, vor allem Spezialbehandlungen liefen in der Charité. Die dortige Bettenkapazität stehe auch für Brandenburger Patienten bereit. So lange die vorhandenen Krankenhausbetten nicht zu 100 Prozent ausgelastet seien, reiche die Kapazität aus. Und Gamp verweist auf die fünf Krankenhauszentren im Land, die jedem eine wohnortnahe Versorgung sicher stellten.