Ein Angebot des medienhaus nord

Mehr Kredite Mehr Brandenburger überschuldet

Von Jörg Schreiber | 08.12.2016, 05:00 Uhr

Jeder zehnte Erwachsene kann seine Verbindlichkeiten nicht begleichen.

Die Brandenburger nehmen wieder mehr Kredite auf als in den Vorjahren. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditrefom geraten damit auch immer mehr Haushalte in die Schuldenfalle. Das Land liegt dabei knapp über dem Bundesdurchschnitt.

„Die Zahl überschuldeter Verbraucher in Brandenburg hat den höchsten Stand seit 2008 erreicht“, sagte Creditreform-Sprecher Michael Herzog am Dienstag bei der Vorstellung des „Schuldneratlas Brandenburg 2016“. Demnach gab es im Bundesland zum Stichtag 1. Oktober 212 523 Menschen, die ihren Zahlungsverpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht mehr nachkommen können. Oder einfacher gesagt: Deren Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen.

„Damit ist aktuell jeder zehnte Erwachsene in Brandenburg als überschuldet anzusehen“, machte Herzog die Dimension deutlich. Vor einem Jahr betraf das 210 321 Brandenburger, also rund ein Prozent weniger als jetzt. Allerdings ist Brandenburg weit von den Zahlen vor der Finanzkrise entfernt: Im Jahr 2007 etwa galten 256 867 Brandenburger als überschuldet. Die Zahl sackte zwei Jahre später auf 202 281 Menschen ab und steigt seither tendenziell wieder leicht an.

Die Schuldnerquote, die die Zahl der überschuldeten Menschen zur Bevölkerungszahl ins Verhältnis setzt, hat sich seit 2015 von 10,04 Prozent auf 10,14 Prozent erhöht. Bundesweit stieg die Quote stärker an – nämlich von 9,92 auf 10,06 Prozent. Am höchsten ist sie in Bremen (14,01 Prozent) und Berlin (12,74 Prozent).

Menschen geraten vor allem durch Arbeitslosigkeit oder geringes Einkommen in die Schuldenfalle, wie Herzog erläuterte. Allerdings gingen die Erwerbslosenzahlen in den vergangenen Monaten kontinuierlich zurück. Zudem stiegen die Tariflöhne. „Vor diesem Hintergrund ist die steigende Überschuldungsentwicklung negativer zu bewerten als in den Vorjahren“, heißt es im Schuldneratlas Brandenburg. Offenbar verleiteten die Niedrigzinsen dazu, dass sich immer mehr Menschen mit Krediten langgehegte Wünsche erfüllen. Wenn es dann aber zu unvorhergesehenen Ereignissen wie einer Erkrankung, einer Trennung oder Arbeitslosigkeit komme, drohe Überschuldung, heißt es weiter.

Als bedenklich bewertete es Herzog, dass die sogenannte harte Überschuldung zunimmt. Davon sprechen Experten, wenn die Justiz eingreift – also es beispielsweise Einträge ins Schuldenregister gibt. Hiervon betroffen seien in Brandenburg 131 395 Menschen. Das sei ein neuer Höchststand. Männer sind im Übrigen fast doppelt so häufig überschuldet wie Frauen. Das Problem der Altersüberschuldung ist in Brandenburg weniger stark ausgeprägt: 7,14 Prozent der 60- bis 69-Jährigen gelten als überschuldet. Das liegt deutlich unter dem Landesschnitt.

Besonders hoch ist der Anteil überschuldeter Menschen im Land Brandenburg an der Gesamtbevölkerung in der Stadt Brandenburg/Havel, er liegt dort bei 16,05 Prozent, wie aus dem „Schuldneratlas Brandenburg 2016“ von Creditreform hervorgeht. Das bedeutet, dass dort etwa jeder sechste Erwachsene seine Verbindlichkeiten nicht zurückzahlen kann. Vergleichsweise viele Schuldner gibt es auch in Frankfurt (Quote von 12,75 Prozent), im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (12,45 Prozent), in Cottbus (11,41 Prozent) sowie in der Prignitz (11,27 Prozent). Gering sind die Schuldnerquoten demgegenüber in den Kreisen Potsdam-Mittelmark (7,87 Prozent) und Elbe-Elster (8,91 Prozent) sowie in Potsdam (9,09 Prozent).

Im „Mittelfeld“ liegen die Landkreise Barnim (9,73 Prozent), Oder-Spree (9,67 ), Märkisch-Oderland (10,03), Oberhavel (10,04) und Uckermark mit einer Schuldnerquote von 10,24 Prozent. Die Zahl der überschuldeten Menschen ist seit dem vergangenem Jahr in fast allen Kreisen angestiegen. Lediglich in Frankfurt (Oder) und Teltow-Fläming registrierte Creditreform einen geringfügigen Rückgang sowie in der Stadt Brandenburg eine Stagnation – wenn hier auch auf sehr hohem Niveau. Den stärksten Anstieg gab es dagegen im Norden – in Ostprignitz-Ruppin, Uckermark und Prignitz.

Creditreform kommt zu dem Schluss, dass die regionalen Unterschiede in Sachen Verbraucherüberschuldung weiter zunehmen. Selbst innerhalb der Stadtgebiete der vier kreisfreien Kommunen differiere die Schuldnerdichte. Am stärksten ausgeprägt ist dieser Unterschied den Angaben zufolge in Cottbus, wo die Quote je nach Stadtgebiet zwischen 4,5 und 18,3 Prozent liegt. In Frankfurt liegt die Spanne zwischen 9,1 und 18,1 Prozent. Wodurch diese großen Spannweiten zu erklären sind, bleibt offen. Offenbar gibt es Regionen und Stadtteile, in denen die Menschen eher Schulden machen als in anderen.