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Arbeitsmarkt Luckau: Klein, aber fein

Von MOZ | 09.12.2016, 05:00 Uhr

Das Städtchen steht 25 Jahre nach der Wende gut da – und hat auffallend wenig Arbeitslose

Große Arbeitgeber sucht man in und um Luckau (Dahme-Spreewald) vergeblich. Und doch hat das beschauliche Städtchen am Rande des Spreewalds aktuell eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in ganz Brandenburg. Aber warum eigentlich?

Um einen Strukturbruch muss sich Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) keine Gedanken machen. „Den haben wir zum Glück schon hinter uns“, sagt er mit Blick auf die Nachwendezeit, in der auch in Luckau und Umgebung hunderte Arbeitsplätze von heute auf morgen weggebrochen sind. „Bei uns vor allem in der Landwirtschaft“, erzählt der Rathauschef. Aber immerhin gebe die Branche auch jetzt noch vielen Einwohnern Arbeit. Andere, für Luckauer Verhältnisse große Arbeitgeber sind das Wolffkran-Werk, das Krankenhaus und das Gefängnis im Ortsteil Duben, in dem knapp 200 Menschen arbeiten.

Den einen großen Arbeitgeber mit 1000 oder gar noch mehr Beschäftigten gibt es in der Gegend jedoch nicht. Allerdings kann Lehmann dieser Tatsache sogar etwas Positives abgewinnen. Im Haushalt einer Kommune spiegele sich zwar der Wohlstand eines ansässigen Unternehmens wider. Genauso bekomme man aber auch zu spüren, wenn es Verluste einfährt, sagt Lehmann in Richtung Cottbus und Umgebung, wo der Energiekonzern Vattenfall zuletzt von vielen Kommunen Gewerbesteuerbeträge in Millionenhöhe zurückgefordert hat. Die Lausitzer Braunkohlekumpel haben mit der Lausitz Energie Bergbau AG inzwischen einen neuen Arbeitgeber. Die Angst vor dem Ende der Kohle und einem möglichen Strukturbruch ist aber geblieben.

Früher hat die Kohle auch in Luckaus näherer Umgebung eine große Rolle gespielt. Heute sind die Gruben längst stillgelegt und mit ihnen das Kraftwerk im nur wenige Kilometer entfernten Lübbenau. Inzwischen können sich die Luckauer über eine stabile und breit aufgestellte Wirtschaft freuen – und auch über eine auffallend niedrige Arbeitslosenquote.

„4,7 Prozent hatten wir im vergangenen Jahr im Schnitt“, sagt der Bürgermeister. Das sei die geringste Quote in Südbrandenburg gewesen. Jedoch würden viele Luckauer täglich zur Arbeit pendeln, räumt der parteilose Rathauschef ein, der seit sieben Jahren im Amt ist. Dresden ist 100 Kilometer entfernt, der Berliner Rand noch weniger. „Und die Autobahn ist direkt vor unserer Tür“, erklärt Lehmann. Ab Anfang 2018 werde die B87, die von Luckau nach Duben zur Auffahrt führt, ausgebaut. „Dann sind Sie in fünf Minuten auf der Autobahn.“

Allein Luckaus Zuganbindung sei noch nicht optimal, meint der 51-Jährige. Am Bahnhof im Ortsteil Uckro hält zwar die Regionalexpresslinie 3, die Pendler nach Berlin oder Dresden bringt. Allerdings bislang nur im Zweistundentakt. Luckau kämpft gemeinsam mit umliegenden Kommunen um einen Einstundentakt zumindest im Berufsverkehr. Vorerst wird die Strecke aber noch bis Ende 2017 für Tempo 200 ausgebaut.

Weit oben auf der Agenda der Stadtverordneten steht auch der Ausbau des Radwegenetzes, vor allem um Tagestouristen, die vornehmlich aus dem Spreewald kommen, eine bessere Anbindung zu bieten. Ein Ausflug nach Luckau oder zum nahe gelegenen Schlabendorfer See, der aus dem ehemaligen Tagebau Schlabendorf-Süd entstanden ist, lohne sich allemal, betont Bürgermeister Lehmann. „Unsere historische Altstadt ist einmalig.“

Auch das alte Gefängnis liegt im historischen Stadtkern und bildet heute den kulturellen Mittelpunkt Luckaus. Dort gibt es zum Beispiel eine Kulturkirche und das Niederlausitzmuseum. Aber auch 23 Wohnungen hat die Stadt in den alten Gemäuern errichtet. „Alle belegt“, sagt Lehmann. Die Nachfrage sei riesig. Einige Mieter sind zurückgekehrte Ex-Luckauer, was Lehmann besonders freut.

Der Bürgermeister hofft, dass der künftige Großflughafen BER in Schönefeld für weiteren Einwohnerzuwachs sorgen wird. „Es wird Menschen geben, die dort arbeiten werden, aber in der Peripherie wohnen möchten“, meint der Rathauschef. Ihnen biete Luckau beste Bedingungen. „Alle sozialen Einrichtungen sind saniert, im nächsten Jahr bauen wir eine neue Kita. Wir haben einen Indoor-Spielplatz, ein Freibad, einen Pendlerparkplatz an der Autobahn und planen neue Baugebiete, weil die drei nach der Wende ausgewiesenen jetzt volllaufen.“

Selbst mit Blick auf die anstehende Kreisreform ist Lehmann guter Dinge und zeigt sich weitaus optimistischer als viele seiner Amtskollegen. Der geplante Zusammenschluss der Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming biete gute Entwicklungsmöglichkeiten, schätzt er ein.