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Wölfe in Brandenburg Landwirte: Obergrenze für Wölfe

Von Mathias Hausding | 15.12.2016, 05:00 Uhr

Zahl und Verbreitung der Raubtiere nehmen drastisch zu – Deutlich mehr gerissene Schafe und Rinder

Die Zahl der gerissenen Schafe hat sich im Vergleich zu 2015 mehr als verdoppelt, die der getöteten Rinder stieg von drei auf 23 Tiere. Vor diesem Hintergrund gab es gestern im Wolfsplenum des Landes in Potsdam emotionale Debatten über den Umgang mit dem geschützten Raubtier.

„Mir ist Angst und Bange.“ – „Ich kann nachts aus Sorge um meine Tiere kaum noch schlafen.“ – „Es geht um meine wirtschaftliche Existenz.“ – „Wir bleiben auf unseren Kosten sitzen.“ Etliche solcher Wortmeldungen kamen von Schäfern und Rinderhaltern. Auch Besitzer von Damwild und Jäger stimmten in das Klagelied über den Wolf ein. Dass die Bedenken nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt nicht nur die Zahl der gerissenen Tiere. Experten des Landesumweltamts erläuterten, dass die Bestände 2015/2016 um ein Drittel gestiegen seien, ebenso groß sei der Zuwachs an vom Wolf besetzten Flächen im Land. „Auch die Lückenschlüsse werden kommen“, hieß es. Gezählt wurden in Brandenburg 22 Wolfsrudel, fast die Hälfte aller in Deutschland festgestellten Familien.

Gegen den Ende 2017 auslaufenden Plan zum Wolfsmanagement hagelte es Kritik. „Das ist ein einziges Abwarten, was der Wolf macht“, ärgerte sich Christoph Rechberg, Chef des Vereins „Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg“. Die Unverbindlichkeit des Plans nannte Rechberg „unerträglich“. Er verlangte, dass in einem neuen Managementplan klare Ziele erhalten sein müssten. Vertreter von Bauernbund und Bauernverband forderten eine Obergrenze für Wölfe. Jens Schreinicke, Chef des Kreisbauernverbands Potsdam-Mittelmark, begründete dies damit, dass die Tierhalter in der Vergangenheit auf einem Großteil der durch Wölfe verursachten Schäden sitzengeblieben seien. Er könne sich kaum vorstellen, dass das Land künftig die Kosten für Prävention und Schadensregulierung in vollem Umfang übernehmen werde.

Schäfer warnten mit Blick auf die starke Zunahme der Wolfsbestände davor, dass sie bald ihr Geschäft aufgeben, worunter der Landschaftsschutz leide. Auf diese Gefahr wies auch Christiane Schröder hin, Geschäftsführerin des Naturschutzbunds.

Das Agrar- und Umweltministerium will die Prävention verstärken und die Schadensregulierung vereinfachen. Staatssekretärin Carolin Schilde warf auch die Frage auf, inwieweit die Gesellschaft bereit sei, für solche Maßnahmen noch mehr zu zahlen. Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds, fordert eine Verordnung, die den Abschuss jener Wölfe erlaubt, die sich den Herden nähern. „Das Geldverbrennen für Herdenschutzmaßnahmen muss ein Ende haben“, verlangte er.