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Potsdam/Berlin Konjunkturklima verbessert

Von Johann Legner und ddp | 16.02.2010, 01:57 Uhr

Die Industrie- und Handelskammern (IHK) von Brandenburg und Berlin sehen wieder etwas optimistischer in die Zukunft.

Ihr neuester Konjunkturreport kommt zu Werten, die in etwa denen entsprechen, die in den Jahren 2004 und 2005 vor dem letzten Konjunkturaufschwung gemessen wurden. Der gestern in Berlin vorgestellte Report basiert auf einer Befragung von 1800 Mitgliedsfirmen.

Daraus geht hervor: Der Anteil der Unternehmer, die von einer guten Geschäftslage sprechen, wächst. Auch bei den Erwartungen für die Zukunft nähern sich die Optimisten zahlenmäßig wieder den Werten derer an, die eher mit Sorgen in die Zukunft schauen. Überall zeige "der Trend wieder nach oben", sagte Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Und: "Trotz noch verhaltener Zukunftserwartungen hat sich die Investitionsbereitschaft spürbar erhöht", ergänzet Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg.

Ein Dämpfer für die Region: Im Bereich der IHK Potsdam verzeichnet der Landkreis Prignitz die mit Abstand Besorgnis erregendsten Zahlen. Dies zeigt sich insbesondere bei der Investitionsbereitschaft. Hier wartet der Landkreis mit vergleichsweise sehr schlechte Angaben auf. Die große Mehrzahl der befragten Prignitzer Betriebe wird laut dem Report allerdings dennoch keinen Personalabbau betreiben und ein Drittel plant sogar, die Zahl der beschäftigten zu erhöhen.

Nicht nur in Berlin scheint die Krise inzwischen zumindest teils, vor allem in der Dienstleistungsbranche und dem Handel, überwunden zu sein. Auch die jeweiligen IHK in Potsdam und Cottbus berichten von einer überwiegend guten aktuellen Geschäftslage. Und in beiden Teilbereichen Brandenburgs sind auch die Erwartungen nicht allzu schlecht.

Lediglich die IHK Ostbrandenburg vermeldet weniger optimistische Zahlen. Und nur im Landesosten ist auch die Hoffnung auf ein Anziehen des Exportgeschäftes gebremst und wird von einer deutlich geringeren Investitionsquote ausgegangen. Aber selbst in dem wachstumsschwachen Gebiet muss nicht mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden, sagte der Chef der dortigen IHK, Schülke.

Die größten Sorgen machen den Kammervertretern zum einen die Bauwirtschaft, die trotz der Konjunkturprogramme derzeit am schlechtesten voran kommt, und zum anderen die Kreditvergabe an Unternehmen. Die Baukonjunktur leide vor allem daran, dass die öffentlichen Auftraggeber kaum noch Spielräume für neue Aufträge hätten, sagten die Experten. Die Mittel aus dem Konjunkturpaket II ersetzten nur zeitweilig diese Rückgänge und deswegen seien in dieser Branche auch die Erwartungen sehr niedrig.

Aus der Befragung geht weiter hervor, dass die Klagen über schlechtere Kreditkonditionen oder die Verweigerung von notwendigen Krediten durch die Banken stark zunehmen. Inzwischen berichtet fast jede dritte Firma darüber - ein Anteil, der sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat. Dabei geht es laut den Hauptgeschäftsführern keineswegs nur um Geld für Investitionen. Auch die Bereitstellung von Betriebsmittelkrediten und selbst Leasing-Geschäfte seien schwerer geworden.

Nicht zuletzt macht sich nach Angaben des Cottbuser IHK-Chefs, Dr. Wolfgang Krüger, mit den verbesserten wirtschaftlichen Perspektiven aber auch zunehmend der "Bewerbermangel" für Lehrstellen bemerkbar.