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Potsdam Kein Grund für Panik vor Amoklauf

Von Alexander Fröhlich | 19.09.2009, 01:57 Uhr

Die Schulen haben gemeinsam mit dem Land Notfallpläne erarbeitet. Auch technische Veränderungen wurden vorgenommen.

Nach einem Anschlag eines Gymnasiasten auf eine Schule im bayerischen Ansbach am Donnerstag sieht Brandenburgs Bildungsministerium die Einrichtungen im Land gut für Notfälle aufgestellt. Kritik kommt hingegen vom Cottbuser Schuldezernten Bernd Weiße, der die Notfallplanung des Landes für zu unkonkret hält.

In der Woche vor Schulbeginn hatte das Ministerium um Holger Rupprecht (SPD) einen Katalog mit Handlungsempfehlungen in 23 kritischen Situationen an die Schulen verteilt. Diese sollten sich erstmals selbst individuelle Notfallpläne erarbeiten und regeln, wie sich Lehrer und Schüler in Notsituationen verhalten sollen.

Wie weit die Schule damit sind, konnte der Ministeriumssprecher gestern nicht sagen. Bei der Ausgabe der Notfallordner Ende August hatte Minister Rupprecht damit gerechnet, dass die Schulen bis zu den Herbstferien ihre Aufgaben erledigt hätten. Anlass war der Amoklauf vom März in Winnenden (Baden-Württemberg) mit 16 Todesopfern. Brandenburg war laut Ministerium damals eines der wenigen Bundesländer ohne Notfallpläne. Wie notwendig diese sind, zeigt ein Fall aus Perleberg. Nach zwei anonymen Drohbriefen steht ein Gymnasium seit vergangener Woche unter Polizeischutz.

Der neue Ordner enthält konkrete Hinweise zum Verhalten bei Notfällen. Grundlage sind die mehr als 100 Seiten umfassenden Handlungsempfehlungen aus Berlin. "Es sind alles Vorschläge, die Schulen müssen eigene Krisenszenarien entwickeln", hieß es. Die meisten Schulen hätten aber ohnehin schon zuvor schulintern Pläne erarbeitet. In Potsdam sind die Schulleiter noch dabei, Sicherheitskonzepte zu erstellen, hieß es aus dem Rathaus. Mit Polizei, Feuerwehr und städtischem Immobilienservice habe sich die Stadt darauf geeinigt, an den Türen aller Räume die Klinken außen durch Knaufe zu ersetzen. Ein Alarmsystem werde derzeit noch geprüft.

Anders in Cottbus: Schuldezernent Weiße erklärte, die Stadt als Träger von 30 Schulen habe gemeinsam mit Polizei und Schulleitern einen guten Stand erreicht. Oft waren technische Fragen zu klären, zum Beispiel ob Lehrer im Amokfall die Türen von innen verschließen können, was laut Weiße in allen Schulen kann der Fall sei.

Noch nicht einheitlich geregelt sei der Alarm, nur in sechs Schulen gäbe es Lautsprecher. Bei den anderen hätte man für verschiedene Notfälle unterschiedliche Alarmsignale vereinbart. Diese sollen an allen städtischen Schulen einheitlich sein, weil viele Lehrer an mehreren Schulen arbeiten. Der Extremfall solle auch trainiert werden, so Weiße. Bereits jetzt müsse eine Evakuierung zwei Mal im Jahr geübt werden. "Wir werden darauf drängen, dass es auch Übungen gibt, bei denen man sich verschanzen muss."