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Potsdam Kein Einkauf rund um die Uhr

Von Thorsten Gehrke, dpa | 23.10.2009, 01:57 Uhr

Drei Jahre nach Lockerung des Ladenöffnungzeitengesetzes zieht die Branche in Brandenburg Bilanz: Besonders auf im ländlichen Raum hat sich kaum demnach etwas geändert.

Die Freigabe der Ladenöffnungszeiten hat sich nach Einschätzung des Branchenverbandes in Brandenburg bewährt und eingespielt. Der hiesige Einzelhandel sei mit den vor drei Jahren ermöglichten neuen Freiheiten trotz vielfacher "Unkenrufe" sehr bewusst und auch zurückhaltend umgegangen, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günter Päts.   

"Alles hat befürchtet, jetzt wird nächtens bis 24 Uhr und rund um die Uhr geöffnet. Dies ist natürlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht Unsinn", erläuterte Päts. Es seien praktikable Lösungen in ländlichen Regionen und in den Ballungszentren gefunden worden. Der Handel habe die Kundenströme ermittelt und an diese Erkenntnisse die Öffnungszeiten angepasst.

"Es ist gar nicht viel passiert. Auf dem platten Land sowieso nicht", stellte Päts fest. Dort schließen die Geschäfte zumeist um 18 Uhr, wenn nicht durch Mietverträge etwas anderes vorgeschrieben ist. Dagegen gelten in den größeren Städten natürlich längere Öffnungszeiten. Wer nicht nach 20 Uhr arbeiten wolle, der müsse dies auch nicht, versicherte der Verbandsvertreter. "Das ist gesetzlich geregelt." Ihm sei auch nicht bekannt, dass mit Druck auf die Beschäftigten Arbeitszeiten in den Abendstunden durchgesetzt würden.

Die Freigabe der Ladenöffnungszeiten in der Woche wird indes von der Gewerkschaft Verdi weiterhin kritisch gesehen. "Es ist doch Schwachsinn, die Läden bis 22 Uhr offen zu lassen. Um diese Zeit sitzen die Familien zu Hause vor dem Fernseher oder gehen ins Bett", argumentierte Heike Pechte von Verdi in Cottbus. "Für die Arbeitgeber mag diese Regelung gut sein, aber nicht für die Mitarbeiter." Montags bis mittwochs sei nach 20 Uhr in den Einkaufsmärkten "tote Hose".

Pechte verwies auf Klagen von Mitarbeitern eines Einkaufsmarktes in Guben. "Sie beschwerten sich, dass abends vor allem junge Leute dort Alkohol kaufen. Die Lebensmitteleinkäufe würden viel früher erledigt. Warum also soll der Laden so lange offen bleiben?" Falls die Mehrkosten nicht erwirtschaftet würden, verstärkten die Arbeitgeber den Druck auf das Personal oder stellten mehr Teilzeitkräfte ein. "Das kann auch nicht die Lösung sein", meint Pechte.

Bei den Öffnungszeiten haben sich in Brandwenburg laut Branche jahreszeitliche Unterschiede einspielt. So setzten sich in touristischen Hochburgen im Sommer spätere Schließungszeiten durch. Umgekehrt gibt es in den Wintermonaten reges Treiben in den Innenstädten größerer Orte.