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Gleichberechtigung bleibt ein Thema „Inklusion beginnt im Kopf“

Von Redaktion svz.de | 14.12.2016, 05:00 Uhr

Etwa jeder fünfte Brandenburger hat eine Behinderung / Gleichberechtigung noch nicht überall vollzogen

Gemeinsames Lernen in Schulen, barrierefreie Wohnungen und leicht erreichbare Arztpraxen: Brandenburg will mit mehr als 100 Vorhaben die Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung weiter vorantreiben. Bis zum Jahr 2021 seien 105 konkrete Maßnahmen in allen Ressorts der Regierung geplant, sagte Sozialministerin Diana Golze (Linke) gestern.

Damit werde ein 2011 beschlossenes erstes Paket fortgeschrieben, aus dem nicht alles erreicht worden sei, erklärte die Ministerin. Ergänzt wurden nun die Bereiche Kinder und Jugendliche sowie Flüchtlinge, beispielsweise mit Angeboten für deutsche Gebärdensprache. „Wir wollen tatsächliche Teilhabe für alle Menschen, ganz egal ob mit oder ohne Behinderung“, sagte Golze. Barrierefreiheit nütze zum Beispiel auch Familien mit kleinen Kindern und älteren Menschen.

Konkret soll in den kommenden Jahren unter anderem der gleichberechtigte Zugang von Kindern mit Behinderung im Schulhort erreicht werden. Für Jugendliche solle etwa die Berufsorientierung verbessert werden.

Vieles sei insbesondere eine Frage der Haltung, sagte Golze weiter. „Inklusion beginnt im Kopf.“ Daher gelte es mitunter, auf Dinge aufmerksam zu machen und Menschen mit Behinderung Mitsprache zu gewähren und sie einzubeziehen. Brandenburg sei bei dem Thema Vorreiter, meinte die Ministerin.

Der Landesbehindertenbeauftragte Jürgen Dusel forderte mehr Aktivitäten von Kommunen für Gleichberechtigung. Sie müssten - wie bereits die Landeshauptstadt Potsdam - eigene Pläne aufstellen, um Teilhabe zu ermöglichen. Er wünsche sich künftig zum Beispiel mehr bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum im Land.

Auch der Landesbeauftragte glaubt, dass sich in der Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung noch etwas ändern muss: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie in manchen Amtsstuben immer noch so eher als Bittsteller, denn als gleichberechtigte Bürger wahrgenommen werden.“ Etwa jeder fünfte Brandenburger hat eine Behinderung.