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Forst Gasanbieter verzweifelt gesucht

Von Jörg Ciszewski | 07.12.2010, 01:57 Uhr

Was Marlinde Herrmann aus Forst im Spree-Neiße-Kreis bei der Suche nach einem Gasversorger erlebt hat, könnte ein Paradebeispiel für die Versorgungssituation im ländlichen Brandenburg sein.

Nur scheinbar stand der Frau eine Vielzahl an Energieanbietern zur Auswahl, nachdem sie im Internet ermittelt hatte, dass sie durch einen Wechsel des Gasversorgers mehr als 400 Euro sparen kann. Denn: Seit April haben bereits vier Anbieter die 75-Jährige abblitzen lassen. Ein Sprecher des Online-Portals Verivox räumt derweil Schwächen seines Abfragesystems ein.

Im April ist Marlinde Herrmann von den Stadtwerken Forst zum Versorger Lichtblick gewechselt. "Ich vermiete in Forst ein 263-Quadratmeter-Haus. Die Mieter sollen geringe Nebenkosten haben", erklärt die Seniorin. Kurz nach der Änderung hat der Sohn der Seniorin im Internet herausgefunden, dass es noch günstiger geht. Die Forsterin wollte erneut wechseln. Vier Anbieter aus dem gesamten Bundesgebiet habe sie im vergangenen halben Jahr bereits angefragt. Ohne jeden Erfolg. Rainer Warnecke von der Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass für kleine Anbieter die Lieferung an Einzelkunden in Forst unattraktiv sein könne. Es würden auf dem Weg an die polnische Grenze unterschiedliche Verteilernetze genutzt und somit Gebühren fällig. "Das sind dann Unternehmensentscheidungen."

Der Gasversorger Wemag mit Hauptsitz in Schwerin habe Marlinde Herrmann sogar bereits zugesagt und sei dann wieder abgesprungen, so die Forsterin. Auch bei der Maingau Energie GmbH, die vom Vergleichsportal Veri vox für Forst aufgeführt worden war, habe es nicht geklappt: "Der von Ihnen gewünschte Tarif ist generell in Ihrem Postleitzahlengebiet verfügbar. Leider ist jedoch an Ihrer Abnahmestelle dieser Tarif nicht realisierbar", heißt es in der Erklärung. Für die Hausbesitzerin ist das nicht nachvollziehbar.

Am meisten wundert sich Herrmann, dass der Anbieter Spreegas aus Cottbus entgegen den Angaben bei Verivox nicht nach Forst liefert. Wenn sie in Schacksdorf, einige Kilometer südlich wohnen würde, könne Spreegas sie beliefern, erfuhr sie am Telefon. "Aber wir reißen doch nicht das Haus in Forst ab und bauen es in Schacksdorf wieder auf", sagt sie mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Auf Nachfrage bei Spreegas bestätigt Vertriebsleiterin Anke Wislaug, dass der bei Verivox ermittelte Spreegas-Tarif nicht für Forst zur Verfügung steht. "Im Forster Stadtgebiet sind die Stadtwerke Grundversorger. Die beziehen aber ihr Gas von uns. Deshalb treten wir in dem Gebiet nicht als Mitbewerber auf", so Wislaug. In Schacksdorf wiederum sei Spreegas Grundversorger.

Und weil das Vergleichsportal Verivox auf seiner Homepage nach Postleitzahlen auswählt, kann kein Unterschied zwischen Forst und Schacksdorf dargestellt werden, beide haben die Postleitzahl 03149. "Das Problem ist uns bekannt. Wir arbeiten an einer neuen Datenbankversion, die auch Unterschiede zwischen Ortsteilen mit gleicher Postleitzahl darstellen kann", sagt Verivox-Sprecher Jürgen Scheurer.

Für Marlinde Hermann ist das gar kein Trost. "Jetzt ist der Markt liberalisiert und alle Anbieter machen kräftig Werbung. Doch die Kunden vor Ort haben tatsächlich nur eine kleine Auswahl." Das bestätigt Rainer Warnecke von der Bundesnetzagentur. "In dünn besiedelten Gegenden ist die Auswahl kleiner als in Ballungszentren. Neben dem Grundversorger sind häufig nur Ableger von den Großunternehmen auf dem Markt. Die können sich das leisten." Auch wenn kleine Versorger bundesweit Werbung machen, seien sie nicht verpflichtet, jeden Kunden zu beliefern. "Es gibt keinen Kontrahierungszwang", sagt auch Wolfgang Baumgarten von der Verbraucherzentrale in Cottbus.