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Frankfurt "Filmdiplomat" erhält Viadrina-Preis

Von Oder | 02.12.2010, 01:57 Uhr

Der Regisseur Volker Schlöndorff hat den Viadrina-Preis erhalten - und kommt sich nach eigenem Bekunden wie ein "Schwarzfahrer" vor.

Er fühle sich fehl am Platz in der Reihe der ebenfalls renommierten Preisträger vor ihm. Viel Lob und Würdigung gab es gestern trotzdem.

Für den polnischen Botschafter ist der neue Viadrina-Preisträger ein "Filmdiplomat": So nannte Marek Prawda Schlöndorff in seiner Laudatio, dem gestern die Auszeichnung in Frankfurt (Oder) überreicht wurde. Der 71-Jährige nahm den mit 2500 Euro dotierten Preis für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung im Audimax der Europa-Universität Viadrina entgegen. Der Geehrte selbst gab sich bescheiden und wiegelte ab: "Ich habe mich nie um das deutsch-polnische Verhältnis bemüht." Er sei einfach nur neugierig gewesen und habe eine "Wahlverwandtschaft" zu Polen entwickelt.

Der Regisseur des Werks "Die Blechtrommel", der als erster deutscher Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg einen Oscar bekam, und von "Strajk - Die Heldin von Danzig" sagte, er sei sehr dankbar über die Auszeichnung. Er fühle sich jedoch angesichts der bisherigen Preisträger fehl am Platz in dieser Reihe - zu der auch der Autor des "Blechtrommel"-Romans, Günter Grass, gehört. "Da komme ich mir wie ein Schwarzfahrer vor." 2009 ging der Viadrina-Preis an den ersten nichtkommunistischen polnischen Ministerpräsidenten, Tadeusz Mazowiecki. In diesem Jahr war erstmals ein Vertreter des Films dran.

Schlöndorff verwies auf das Kriegsdrama "Der Kanal" in der Regie von Andrzej Wajda, das er während seines Studiums in einem Pariser Kino gesehen habe und das eine Art Erweckungserlebnis für seine Sympathie mit Polen gewesen sei. Konkret wurde es dann bei der "Blechtrommel". "Jetzt ging es wirklich zur Sache." Schlöndorff erinnerte an die Schwierigkeiten beim Drehen in Danzig. "Es war der Herbst 1978 und auf der stocznia, der Werft, gab es erste Unruhen." An diese Ereignisse knüpfte der Regisseur später mit dem durchaus kontrovers diskutierten Film "Strajk - Die Heldin von Danzig" an. Darin spielt Katharina Thalbach die Kranführerin Anna Walentynowicz.

Diese wurde zur Symbolfigur der polnischen Arbeiterbewegung und starb in diesem Jahr beim Absturz des Flugzeuges, in dem auch Polens Präsident Lech Kaczynski saß. Dass ausgerechnet ein Deutscher sich in dem Film dieses wichtigen Kapitels der jüngsten polnischen Geschichte annahm, erregte Widerspruch in Polen. Prawda sagte dazu, es sei wohl zu früh für einen unbefangenen Blick auf die Ereignisse gewesen.

Für den Botschafter ist Schlöndorff ein Geschichtsvermittler. "Volker Schlöndorff hat mit seinen Filmen unvergessliche Denkmäler gesetzt." Der Regisseur sei eine der "bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen und europäischen Films". Schlöndorff habe zudem dazu beigetragen, die Babelsberger Filmstudios zu erhalten, die "heute ein weltweit geschätzter Drehort für internationale Filmproduktionen sind".