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Potsdam Fast 26 500 Arbeitsunfälle

Von Mathias Hausding | 05.01.2019, 05:00 Uhr

Zahl der meldepflichtigen Unfälle in Brandenburg gestiegen. Laut Arbeitsschutzbericht spielt seelische Gesundheit immer größere Rolle.

Eine Schuttrutsche war schlecht verankert, so dass ein Maurer bei Abbrucharbeiten vier Meter in die Tiefe stürzte und starb. Auf dem Gelände eines Sägewerks kollidierte ein Dienstauto in einer Kurve mit einem entgegenkommenden 24 Tonnen schweren Radlader. Der Pkw-Fahrer kam dabei ums Leben. Das sind zwei Unfälle von insgesamt 26 499, die im vor wenigen Tagen vorgelegten Arbeitsschutzbericht 2017 vermerkt sind. 529 Unfälle mehr als im Vorjahr sind es. Insgesamt waren zwölf Tote zu beklagen, ein Todesfall weniger als 2016. Meldepflichtig ist ein Unfall, wenn die oder der Betroffene daraufhin mindestens drei Tage ausfällt.

Brandenburg liegt mit diesen Zahlen nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt. An einem normalen Arbeitstag ereignen sich in der Mark 132 meldepflichtige Unfälle, davon zwei mit einem bleibenden Schaden, der zur Zahlung einer Unfallrente führt. Die im Bundesvergleich hohe Quote wird im Bericht mit den hiesigen Strukturen begründet. Unfallträchtige Branchen wie die Land- und Forstwirtschaft sowie das Baugewerbe seien in der Mark überrepräsentiert. Auch gebe es in kleineren Betrieben tendenziell größere Probleme mit dem Arbeitsschutz. Erschwerend dürfte hinzukommen, dass laut Bericht landesweit lediglich 81 Personen für die Überwachung von Arbeitsschutzstandards in insgesamt rund 66 000 Betrieben zur Verfügung stehen. Ein Kontrolleur ist also rechnerisch für mehr als 800 Betriebe zuständig.

Als potenziell besonders gefährliche Orte werden im Bericht wenig überraschend Baustellen genannt. Besondere Vorsicht ist auch bei Reparatur- und Reinigungsarbeiten an größeren Anlagen geboten. Anhand einiger konkreter Beispiele werden Fehler aufgezeigt, die zu Unfällen geführt haben. Im Falle des Radlader-Unfalls etwa habe sich gezeigt, dass dessen riesige Schaufel für das Gerät gar nicht zugelassen war und der Fahrer so nur eingeschränkte Sicht hatte.

Großen Raum nehmen im Bericht „arbeitsbedingte psychische Fehlbelastungen“ ein. Oft würden die individuelle Konstitution, eventuelle private Probleme und Stress im Job zusammenkommen. Da psychische Probleme inzwischen die dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle seien, komme der seelischen Gesundheit eine immer größere Rolle zu.

In einer speziellen Untersuchung von 682 märkischen Betrieben seien die Mitarbeiter des Landesamts für Arbeitsschutz zu dem Fazit gekommen, dass nicht einmal die Hälfte der Firmen über angemessene Regeln für die Vermeidung psychischer Belastungen verfügt.

In den Augen von Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) gebe es hier auch mit Blick auf die Digitalisierung noch viel zu tun. „Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen, das kann zu erheblichen psychischen Belastungen führen“, warnt sie. Die Arbeitgeber seien dazu aufgerufen, bei der Planung neuer Arbeitsverfahren mögliche Gefährdungen zu erkennen und zu vermeiden.