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Wirtschaft in Brandenburg Fachkräfte werden zum Lotteriegewinn

Von Gudrun Janicke | 19.12.2017, 21:00 Uhr

Die Wirtschaft boomt im Land, doch gut ausgebildeter Nachwuchs fehlt

Die Suche nach versierten und gut ausgebildeten Fachleuten wird für Unternehmen immer mehr zur Lotterie: Wo sind Mitarbeiter zu finden, mit denen die Unternehmen ihre Zukunft planen können? Ende 2020 werden laut Brandenburger Arbeitsministerium 95 000 qualifizierte Fachleute im Land fehlen. Schon jetzt kann jede dritte Stelle nicht besetzt werden. „Wir gehen das Thema offensiv an“, sagte Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Brandenburg. Bundesweit einmalig bietet die Wirtschaftsförderung den Unternehmen nicht nur die klassischen Dienste einer Wirtschaftsförderung wie Ansiedlungs- und Förderberatung an. Auch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Fachkräften oder Weiterbildung sind zunehmend wichtiger. Allein bis Oktober diesen Jahres seien bereits 1400 Firmen beraten worden - 400 mehr als im Vorjahreszeitraum, sagte Kammradt.

Bei der Suche nach Fachkräften arbeite die Wirtschaftsförderung eng mit den Arbeitsagenturen zusammen. Auch mit Hochschulen und dem Berufsförderdienst der Bundeswehr werde kooperiert. In der Weiterbildungsdatenbank seien mittlerweile rund 30 000 Angebote zu finden. Das Land fördere die Qualifizierung der Mitarbeiter aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. „Bis zur Hälfte der Kosten können dadurch reduziert werden“, sagt Kammradt. „Das hilft gerade kleinen Unternehmen. Für Investoren ist das aber auch ein wichtiges Argument, sich für eine Ansiedlung zu entscheiden“. Qualifizierungen seien derzeit vor allem gefragt, um die Mitarbeiter auf die künftige Arbeitswelt und die Digitalisierung einzustellen. Eine Befragung unter 84 Firmen habe gezeigt: Die Erwartungen seien positiv.

„Für Informationen zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt werden derzeit die Befragungen von 1000 Unternehmen ausgewertet“, sagt Kammradt. Die Ergebnisse würden im kommenden Jahr vorliegen. Den Firmen gehe es darum, gerade junge Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu halten. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei ein wichtiges Thema“, sagte Kammradt. Auch Langzeitarbeitslosen solle der Einstieg in Beschäftigung so ermöglicht werden.