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Ernte in Brandenburg Ernte besser als erwartet

Von Anna Bückmann | 19.08.2020, 05:00 Uhr

Brandenburgs Landwirte fahren durchschnittliche Getreideernte ein. Defizite gibt es allerdings bei Obst und Spargel.

Die Erntebilanz für Brandenburgs Bauern fiel in diesem Jahr nicht so schlimm aus wie befürchtet. Bei Getreide und Raps bewegte sie sich auf durchschnittlichem Niveau – sowohl im konventionellen als auch ökologischen Anbau. „Wiederholte regionale Niederschläge sorgten nach zwei Extrem-Jahren für eine durchschnittliche Getreide- und Rapsernte“, sagte Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) am Dienstag. Zum Erntestart waren die Bauern von einer unterdurchschnittlichen Ernte ausgegangen.


Fehlende Niederschläge zwischen März und MaiStark prägend für die Ernte waren wiederholt fehlende Niederschläge zwischen März und Mai, die zu der für Brandenburg problematischen Vorsommertrockenheit führten. Darüber hinaus waren regional sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen zu verzeichnen. Im Juni lagen diese immerhin zwischen sieben und 100 Litern.

Insgesamt wurde in diesem Jahr auf einer Fläche von 483 906 Hektarn Getreide angebaut (443 197 konventionell und 40 709 ökologisch). Auf Winterraps entfielen 77 707 Hektar. Im konventionellen Segment ernteten die Brandenburger Landwirte insgesamt 2,5 Millionen Dezitonnen Getreide. Der Ertrag pro Hektar stieg damit um 11,2 Prozent gegenüber dem fünfjährigen Mittel, inklusive zweier Dürrejahre . Im ökologischen Segment wurden in diesem Jahr 76 117 Dezitonnen Getreide eingefahren. Damit stieg der Hektarertrag durchschnittlich um 2,9 Prozent gegenüber dem fünfjährigen Mittel. Auf den konventionell produzierten Raps entfielen 242 873 dt. Damit stieg der Ertrag pro Hektar um 17,5 Prozent im Vergleich zum fünfjährigen Mittel.

Dennoch: Die langen Trockenperioden in den Vorjahren und ein Wasserdefizit im Boden hätten den Anbau erschwert. Zwar hat es in diesem Jahr bereits öfter geregnet. Das Wasserdefizit in Brandenburgs Boden sei dadurch aber nicht ausgeglichen worden. Darauf müssten sich die Landwirte auch im kommenden Jahr einstellen.


Ertragsverluste durch Spätfröste im FrühjahrBei den Obstbauern führten Spätfröste im Frühjahr zu Ertragsverlusten bei fast allen Kulturen. Bereits 2019 litten die Bauern nach Angaben des Ministeriums unter Frostschäden. Auch bei der Gemüseernte meldeten die Landwirte demnach Verluste, auch wegen der Corona-Pandemie. 20 Prozent der Anbaufläche für Spargel hätten in dieser Saison nicht abgeerntet werden können. Es fehlten Erntekräfte und Absatzwege wie beispielsweise Restaurants - diese sind wichtige Abnehmer für die Bauern. Mit rund 19 100 Tonnen ging die Spargelernte im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zurück, wie das Statistikamt Berlin-Brandenburg mitgeteilt hatte.

Hendrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes und Biolandwirt, warnt indes in einer Mitteilung vor der Illusion, den gegenwärtigen Herausforderungen in erster Linie allein durch den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft begegnen zu können. „Das Angebot an ökozertifiziertem Getreide vor allem beim Brotroggen ist schon jetzt größer als die Nachfrage. Das führt dazu, dass viele Biolandwirte ihr Getreide zu konventionellen Preisen verkaufen mussten, bei jedoch deutlich höheren Produktionskosten“, so Wendorff. Die Fläche des Ökolandbaus dürfe deshalb nur mit entsprechender Nachfrage wachsen. Das sei ein Gebot ökonomischer Nachhaltigkeit. Ein sinnvoller Schritt zu mehr Nachhaltigkeit wäre der Ausbau der Versorgung mit regionalen Erzeugnissen. „Wir wollen deshalb unseren Fokus ganz klar auf die Versorgung der Hauptstadtregion Brandenburg-Berlin richten. Damit hätten wir die Chance, unsere Land- und Ernährungswirtschaft noch ressourcenschonender zu entwickeln, weil zum Beispiel lange Transportwege entfallen“, erklärt der LBV-Präsident.