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Rotes Obst fast reif Die Kirschenzeit bricht an

Von Ina Matthes | 22.06.2019, 05:00 Uhr

Forscher entwickeln neue Bewässerungskonzepte - Grundlagen für automatisch gesteuerte Anlagen

Kirschenzeit in Brandenburg. In etwa einer Woche beginnt die Haupt-Ernte für das rote Steinobst. Dann zeigt sich unter anderem eins: Ob der Obstbauer in den zurückliegenden Wochen seine Bäume richtig bewässert hat. Zum Beispiel in der Blütezeit. Dann, wenn etwa die Hälfte der Blüten am Baum offen ist, braucht ein Kirschbaum zum ersten Mal ordentlich Wasser. „Dann beginnt die Zellteilung und die kleinen Früchte bilden sich aus“, erläutert Dr. Manuela Zude-Sasse vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam. Die Expertin für die Physiologie der Obstgehölze und Sensortechnik gehört zu einer Wissenschaftler-Gruppe, die im Projekt Aqua C+ an effizienter Bewässerung im Obstbau forscht.

Die Wissenschaftler betrachten unter anderem die verschiedenen Phasen der Fruchtentwicklung. Es gibt Zeiten, in denen zum Beispiel die Kirschbäume viel und in denen sie nur wenig Wasser brauchen. Letzteres ist dann der Fall, wenn sich die Kerne in den Früchten zum harten Stein ausbilden. Dann sind die Kirschen selbst noch klein und grün. Sobald das abgeschlossen ist und der Baum in das Wachstum des Fruchtfleisches investiert, muss wieder mehr gegossen werden. Wann der Baum in welcher Phase steckt, das kann ein Obstbauer recht einfach durch Messen der Kirschgröße zum Beispiel mit einer Schiebelehre herausfinden.

Die Fruchtentwicklung bei den jeweiligen Obstarten ist nur ein Punkt, den ein Landwirt bei seinem Wassermanagement beachten muss. Vor allem schaut er aufs Wetter und auf seinen Boden. Dieser kann innerhalb einer Obstplantage ganz verschieden sein. „In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg liegen Sandlinsen und lehmige Bereiche oft sehr eng beieinander“, sagt Manuela Zude-Sasse.

Das kann für eine Obstplantage heißen, dass ein Teil sandig ist und die Bäume dort öfter zusätzliches Wasser bekommen müssen. In einem anderen, lehmigen Bereich hingegen überstehen sie selbst Trockenheit mit wenig Bewässerung. Die Wissenschaftler untersuchen die Böden und erstellen genaue Bodenkarten für die am Forschungs-Projekt beteiligten Betriebe. Das sind fünf Obstbauern in Brandenburg, darunter die BB Brandenburger Obst GmbH aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland).

Was die Obstbauern außerdem benötigen, ist eine Wetterstation auf ihren Plantagen. Sie misst Werte wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Niederschläge. Auf Grundlage von Wetterdaten und Bodenverhältnissen wird die tägliche Wasserbilanz berechnet – der Unterschied zwischen Angebot und Bedarf. Daraus lässt sich für den Tag ableiten, wie viel der Landwirt – je nach Entwicklungsphase der Früchte – wo auf seinen Flächen bewässern muss. Wenn man die Vorhersagen des Wetterdienstes einbezieht, lässt sich auch der Wasserbedarf ein paar Tage im Voraus abschätzen.

Die Berechnungen laufen auf Computern am Institut für Agrartechnik und Bioökonomie. Das Institut betreibt eine Cloud, in die alle erfassten Daten hochgeladen werden. Derzeit können die beteiligten Landwirte die errechneten Informationen auf einer Webseite abrufen. „Wir wollen die Daten aber einfacher verfügbar machen“, sagt Manuela Zude-Sasse. Das könnte per App auf einem Mobiltelefon sein. Mit den Daten ließen sich auch Bewässerungsanlagen direkt automatisch steuern. Welche Variante für die Obstbauern die praktikablere ist, wird derzeit diskutiert. Ziel ist, dass Dienstleister den Informationsservice zur Bewässerung für die Landwirte anbieten. Mit zwei Interessenten ist das Institut im Gespräch. Das Forschungsprojekt selbst läuft bis 2021. Am Ende soll dabei ein Service herauskommen, der Obstbauern hilft, effizienter zu bewässern. Und der mit überschaubarem technischen Aufwand verbunden ist.