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Frankfurt Der Schmuggel floriert

Von Oder | 04.12.2010, 01:57 Uhr

Oft rollt die heiße Ware im Kofferraum nach Deutschland - ganz ohne Tarnungsversuch: Hunderttausende unversteuerte Zigaretten, einfach auf der Ladefläche eines Autos verstaut.

Solche Entdeckungen macht Dirk Suckow regelmäßig. Der Zollbetriebsinspektor fährt seit Jahren Streife im deutsch-polnischen Grenzgebiet bei Frankfurt (Oder) und hat schon viele Schmuggler aus dem Verkehr gezogen. Doppelte Böden, komplizierte Verstecke im Radkasten oder in der Seitenverkleidung - "diese Mühe machen sich viele gar nicht mehr".

2007 fielen die festen Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze weg. Ein- und Ausreisende und ihre Fahrzeuge werden seitdem nur stichprobenartig überprüft. Schmuggler gehen dem Zoll oft nur zufällig ins Netz. Bei 20 000 ein- und ausreisenden Fahrzeugen pro Tag gleicht die Suche der nach der Nadel im Heuhaufen. Gerade haben Zöllner Suckow und seine Kollegin Ines Duchrow auf der A 12 kurz hinter der Grenze ein Auto angehalten. Nach einem Blick in seinen Geländewagen darf der Mann aus Hessen weiterfahren. Er hatte nichts zu verbergen, wie viele andere an diesem Morgen.

Die Strecke in Ostbrandenburg wird auch Warschauer Allee genannt. "Der hochfrequentierte Grenzübergang Frankfurt (Oder) ist dabei quasi das Tor nach Osteuropa", sagt Andreas Behnisch vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder). Unterwegs sind Händler, Spediteure, Ausflügler, aber auch unzählige Schmuggler und andere Kriminelle wie Menschenhändler. Deshalb ist dort auch die Bundespolizei unterwegs.

Die Schmuggler transportieren Rauschgift, Waffen oder Geld - und vor allem unzählige Zigaretten. Allein 2009 beschlagnahmte das Frankfurter Hauptzollamt den Angaben zufolge mehr als 47 Millionen unversteuerte Zigaretten. Viele, viele weitere werden bei Kontrollen nicht entdeckt. So entsteht dem deutschen Staat jährlich ein Milliardenschaden.

Natürlich werden Zigaretten und Drogen nicht immer wie ein Supermarkteinkauf im Kofferraum über die Grenze gefahren. Oft geben sich die Schmuggler deutlich mehr Mühe, um ihre Ware zu verstecken. Denn der Aufwand kann sich lohnen. "Wenn es gelingt, die unversteuerten Zigaretten ins Bundesgebiet zu bringen und hier zu verkaufen, ist die Gewinnspanne riesig", so Behnisch. In Russland etwa würden lokale Marken für 1,50 bis zwei Euro pro Stange eingekauft und für den zehn- bis fünfzehnfachen Preis auf dem deutschen Schwarzmarkt veräußert.

Um das zu unterbinden, setzen die Brandenburger Zöllner bei Verdacht auch mal ihre Spürhunde ein. Oder ein Hohlraum-Sichtgerät, mit dem sich in dunkle Dieseltanks blicken lässt. Auf einem Gelände ein paar Kilometer hinter der Grenze steht zudem das riesige Röntgen-Gerät, mit dem sich ganze Lastwagen samt Ladung durchleuchten lassen.

Erst einmal müssen die Schmuggler aber auf der Straße entdeckt werden. Um sie herauszufischen, braucht es "Bauchgefühl", wie die Zöllner sagen. Und gute Augen. Die allerdings haben die Schmuggler auch: "Deren Späher fahren die Autobahn auf und ab, um nach uns Ausschau zu halten und zu warnen", sagt Zöllnerin Duchrow und fügt hinzu: "Es ist eben kein Räuber- und Gendarm-Spiel um ein paar Zigaretten, sondern der Kampf gegen organisierte Kriminalität."