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Zwei unter einem Dach Der Kampf um die Teeküche im Landtag

Von PRI | 19.02.2014, 07:27 Uhr

Gemeinsame Flure, zu viele Kaffeemaschinen, Kraftausdrücke und dauerhaft verschlossene Türen. Im Landtag, wo seit einer Woche auch der Landesrechnungshof residiert, muss man sich erst noch aneinander gewöhnen. Ein erster Versuch schlug fehl.

Gemeinsame Flure, zu viele Kaffeemaschinen, Kraftausdrücke und dauerhaft verschlossene Türen. Im Landtag, wo seit einer Woche auch der Landesrechnungshof residiert, muss man sich erst noch aneinander gewöhnen. Ein erster Versuch schlug fehl.

Der Landesrechnungshof ist ein Lückenfüller im neuen Landtag. Die Behörde mit ihren mehr als 100 Mitarbeitern war bislang zur Miete beim Bundesrechnungshof untergebracht. Als der neue Landtag vor knapp zehn Jahren geplant wurde, waren sich alle Fraktionen einig: Das Gebäude muss so groß werden, dass im Falle einer Fusion mit Berlin ausreichend Platz für beide Parlamente ist. So wollte man einer Debatte über einen Umzug ins ausreichend große Berliner Abgeordnetenhaus der Boden entziehen. Für den nun zu großen Landtag musste eine Zwischenlösung her. Da die oberste Prüfbehörde unter ihrem damaligen Präsidenten Thomas Apelt nicht energisch genug auf einen eigenen Bau beharrte, wurde sie zur Verschiebemasse. Auf drei Etagen im Seitenflügel müssen die Mitarbeiter nun die Lücken zwischen den Fraktionen füllen.

Als einzigen Akt der Selbstbehauptung trotzte der Rechnungshof dem Bauherren verschließbare Türen ab, damit die Abgeordneten nicht den Prüfern über die Schulter oder durch die Glastüren in die Büros schauen können. Von geheimen Papieren, die liegen gelassen und gefunden werden könnten oder einer zu großen Nähe zwischen den unterschiedlichen Nutzern und Beeinflussungen, war die Rede.

Der Landtag bezog seine Räume im neuen Haus vergangenen Dezember. Die Büros, Flure und Teeküchen wurden in Besitz genommen. Als am vorletzten Wochenende der Rechnungshof in seine Räumlichkeiten umzog, gab es offenbar schon Gewohnheitsrechte, vor allem was eine Teeküche auf dem Flur der FDP betraf.

Allerdings reisten die Neuen auch mit einer ganzen Batterie an Kaffeemaschinen an. Im alten Domizil konnte jeder Mitarbeiter seine eigene Maschine in seinem Büro nutzen. Im neuen Landtag ist dies aus Brandschutzgründen nur noch in den Teeküchen vorgesehen. Wahrscheinlich führte das schon zum Stress im östlichen Seitenflügel des Landtagsschlosses.

Ärger war auch programmiert, weil die Rechnungsprüfer zwar mit ihren elektronischen Schlüsseln zur gemeinsamen Teeküche kamen, die FDP-Mitarbeiter und -Abgeordneten aber durch die verschlossene Tür nicht weiterhin den kürzesten Weg über den Flur des Rechnungshofes in die Tiefgarage nutzen konnten. Außerdem störten die Mitarbeiter des Rechnungshofes bei ihrem Gang zur Kantine die Liberalen bei der Arbeit, so eine der Befindlichkeiten. Also einigten sich die Nachbarn, die Glastüren zwischen FDP und Rechnungshof für beide Seiten verschließen zu lassen.

Am Montag führte dies zur nächsten Stufe der Eskalation. Rechnungshofdirektorin Kerstin Osten wollte nach ihrem Geburtstag ihre Mitarbeiter einladen und bestellte einen Imbiss. Der kam über den Mitteltrakt durch den FDP-Flur bis zur verschlossenen Glastür – aber nicht weiter. Über andere Geschosse kam Osten, die offenbar nichts von der gläsernen Verschlusseinigung wusste, zum Cateringservice, aber die Tür blieb auch von der anderen Seite verschlossen.

Die Emotionen schaukelten sich hoch. Von Kraftausdrücken gegenüber der FDP wird berichtet. Später erfolgte eine förmliche Entschuldigung. Rechnungshofpräsident Christoph Weiser und der FDP-Fraktionschef Andreas Büttner kamen überein, dass die Situation nicht weiter eskalieren darf. Um die Gemüter zu beruhigen, sollen die Türen noch ein paar Wochen geschlossen bleiben.

Rechnungshofpräsident Weiser betont, dass er die Abschottung zwischen den Nutzern des Gebäudes eigentlich nicht für notwendig erachtet. Beide hoffen, dass in absehbarer Zeit die Türen wieder für die direkten Wege zur Tiefgarage beziehungsweise zur Kantine nutzbar sein werden. Eine Etage höher sind die Verstimmungen nicht nachvollziehbar. Dort teilt sich die Grünenfraktion mit einer anderen Abteilung des Landesrechnungshofes einen Flur. „Bei uns sind die Türen immer offen geblieben und es gab auch keinerlei Probleme“, berichtet Fraktionschef Axel Vogel.