Ein Angebot des medienhaus nord

Alte Bräuche wiederbeleben Das Ostervolk in der Lausitz

Von Silke Nauschütz | 20.04.2019, 05:00 Uhr

Auch Bräuche wie Ostersingen oder Osterfeuer werden wieder gepflegt. Andere Traditionen verschwinden hingegen langsam.

Einst zogen die sorbischen Mädchen in der Osternacht durch die Dorfstraßen. Sie sangen Choräle bis zum Sonnenaufgang und verkündeten fröhlich die Auferstehung des Herrn. Die Lieder lernten sie an langen, dunklen Winterabenden bei der Heimarbeit von ihrer Vorsängerin, der Kantorka.

So beschreibt Kathrin Schwella den alten Brauch des Ostersingens. Die Sorbin singt selbst zu Ostern und hat noch eine echte Vorsängerin kennengelernt. „Wenn die Kantorka anfing zu singen, hörte sie nicht mehr auf“, erzählt die Mitarbeiterin beim sorbischen Dachverband Domowina. „Es gab kaum Noten für die traditionellen Gesänge, die Lieder aus den Spinte-Stuben wurden mündlich an die nachfolgenden Generationen weitergegeben.“

Bis in die 50er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hielt sich das Ostersingen in der Niederlausitz. Mit der Industrialisierung in der Region und der Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR verschwanden die singenden Mädchengruppen aber aus den Dörfern.

Inzwischen leben die kleinen Frauenchöre in Südbrandenburg wieder auf, etwa in Jänschwalde, Dissen und Ruben, wie Schwella beobachtet. „Nicht jede Frau kann sorbisch sprechen, aber alle lernen die sorbischen Lieder und Choräle.“ Gesungen wird zu Sonnenaufgang vor den Fenstern der Häuser im Dorf, am Nachmittag des Ostersonntags dann in den Kirchen. Und die, sagt Schwella, seien gut besucht.

Um die Winterdämonen zu vertreiben entzündeten die Sorben auch riesige Osterfeuer. Tagelang sammelten die Dorfbewohner Holzreste und trugen sie zu einem großen Holzstoß zusammen. Ursprünglich glaubte man, dass alle Erde, die durch das Feuer beleuchtet wurde, fruchtbar werden würde. Inzwischen würden die Feuer allerdings weniger und kleiner, bedauert Schwella. Das liege an den strengen Umweltauflagen, die Ordnungsämter erteilten seltener Ausnahmegenehmigungen.

Einen weiteren Brauch erklärt Babett Zenker, Leiterin des Heimatmuseums Dissen, den Besuchern: Das Holen des Osterwassers. Die Tradition sei so gut wie verschwunden und finde sich heute eher in Erzählungen der Älteren wieder. In der Nacht zum Ostersonntag hatten die Mädchen früher das Osterwasser zum Beispiel aus einer Quelle geschöpft. Es sollte gegen bestimmte Krankheiten helfen, Neugeborene wurden darin gebadet und das Vieh damit besprengt. Vor allem aber sollte es zur Schönheit verhelfen. Heilend sei das Osterwasser aber nur gewesen, wenn die Mädchen während des Holens nicht sprachen, erklärt Zenker. Sonst verwandelte sich das Osterwasser zu „Plapperwasser“ und sei unbrauchbar gewesen.

Einer Schulklasse zeigt Zenker auch noch das Verzieren von Eiern mit Wachs und Gänsefederkielen. „Die meisten sorbischen Osterbräuche haben etwas mit Fruchtbarkeit zu tun“, erzählt sie. Das Ei gelte bei den etwa 20 000 Sorben in der Niederlausitz heute noch als Symbol des erwachenden Lebens und der Fruchtbarkeit. Bei den Ornamenten wird vor allem Wert auf Symmetrie gelegt. „Das älteste verwendete Motiv ist das Sonnenrad, das Leben symbolisiert“, sagt Zenker. Wenn ein Muster um das Ei ganz herumgeht, sei das ein Zeichen für Unendlichkeit und Ewigkeit. Die Sitte, gefärbte Eier zu verschenken, sei in der Lausitz erstmals 1717 bezeugt, erzählt sie.

„Wir werden das alte Ostervolk genannt, weil es für uns das traditionsreichste und größte Fest mit dem schönsten Brauchtum ist“, sagt Kathrin Schwella. „Ostern demonstrierte für die Sorben schon in früherer Zeit Glaube und Hoffnung“. Das sei bis heute so geblieben.