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Potsdam/Beeskow CO2-Speicherung: BUND warnt erneut vor Risiken

Von dpa | 23.12.2010, 01:57 Uhr

Die Endlagerung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken oder anderer Industrie in tiefen Erdschichten birgt aus Sicht von Umweltschützern unkalkulierbare Risiken.

Zu dieser Einschätzung kommt ein geologisches Gutachten, das der Brandenburger Landesverband der Umweltschutzorganisation BUND gestern in Potsdam vorstellte. Demnach kann die Speicherung des Klimagases CO2 mittels der CCS-Technologie zur Versalzung des Grundwassers führen.

Bislang könne zudem nicht nachgewiesen werden, dass die in Brandenburg geplanten CO2-Lagerstätten dicht sind, sagte der Gutachter und Geologe Ralf Krupp. Sein Gutachten war bereits vor einem Monat in Berlin präsentiert worden. Die bislang angewendeten Rechenmodelle sind nach Ansicht von Krupp nicht geeignet, einen Sicherheitsnachweis zu führen. Die hohen Drücke, die erforderlich sind zum Verpressen des verflüssigten CO2 in große Tiefe, könnten auch kleine Erdbeben verursachen. Entweichendes Kohlendioxid, das sich in Senken oder Tälern sammelt, könnte die Bevölkerung gefährden.

Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hofft, dass es bis Ende Januar Klarheit über eine mögliche Erkundung von Lagerstätten in Ostbrandenburg gibt. Vorrang hat aus seiner Sicht aber die Sicherheit der Bevölkerung. Nur dann werde es eine Erkundung geben.

Für Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND beweist das Gutachten, dass die Risiken einer Speicherung von CO2 zu groß sind. Da Christoffers versichert habe, die Sicherheit der Bevölkerung Vorrang solle haben, müsse die Erkundung von CO2-Lagerstätten abgebrochen werden, forderte Kruschat. Damit könne die CCS-Technologie von der Landesregierung nicht als Klimaschutzstrategie angewendet werden.

Seit fast zwei Jahren versucht die schwarz-gelbe Bundesregierung, ein Gesetz zur Abtrennung des Kohlendioxids aus Industriegasen sowie zu seinem Transport und zur Speicherung (CCS-Gesetz) auf den Weg zu bringen. Bisher scheiterte das Gesetz am Widerstand mehrerer Bundesländer, darunter Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Brandenburgs rot-rote Landesregierung drängt darauf, das Gesetz nach mehreren Verschiebungen möglichst Anfang 2011 im Bundestag zu verabschieden.

Nun haben die Bürgerinitiativen gegen eine Verpressung des Kohlendioxids einen eigenen CCS-Gesetzentwurf vorgelegt. Demnach soll der Bundestag beschließen, Transport und unterirdische Speicherung von CO2 zu verbieten.