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Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Cannabis-Anbau in der Lausitz

Von Redaktion svz.de | 01.02.2019, 08:15 Uhr

79 Unternehmen haben sich für den Anbau von jährlich 2600 Kilogramm beworben / Eine kanadische Firma will in die Lausitz

Zur Versorgung schwer kranker Patienten hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Ausschreibung für den Anbau und den Kauf von Cannabis veröffentlicht. Ende 2020 soll in Deutschland erstmals Cannabis für medizinische Zwecke geerntet werden. 10 400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2600 Kilogramm, sind demnach erlaubt.

„Bei der Festlegung der Menge musste auch berücksichtigt werden, dass Hersteller, Händler und Apotheken medizinisches Cannabis künftig nicht ausschließlich bei unserer Cannabisagentur, sondern weiterhin auch bei Importeuren kaufen können“, betont Maik Pommer, Sprecher des Instituts.

Die Erteilung des Zuschlags soll im zweiten Quartal 2019 erfolgen. Das Institut erwarte dann die erste Ernte Ende 2020. Auf Rezept gibt es Cannabis in Deutschland bereits seit 2017. Derzeit werde die Hanfpflanze jedoch lediglich aus dem Ausland importiert. Das soll sich in Zukunft ändern.

Unter den bundesweit 79 Bietern befindet sich auch die ABcann Germany GmbH. Sie ist eine Tochter der kanadischen ABcann Medicinals Inc. und wurde 2017 mit Sitz in Schönefeld (Dahme-Spreewald) gegründet. „Von den 13 Losen können auf einen Bieter maximal fünf Lose entfallen.

Das entspräche einer maximalen Menge von einer Tonne pro Jahr“, erklärt Raffael Sturm, Prokurist bei ABcann Germany,  auf Nachfrage. Um diese Menge von bis zu einer Tonne Cannabis verarbeiten zu können, soll eigens eine moderne Produktionshalle gebaut werden – und zwar in der Lausitz. Wo genau, darüber herrsche noch Stillschweigen, betont Raffael Sturm, der aber dann doch ein paar Details verrät.

Seit 2016 stünde ABcann Germany bereits mit der Kommune des geplanten Standortes in Kontakt. Rund 50 Arbeitsplätze sollen dort mit dem Bau der 8 mal 107,5 Meter großen Produktionsstätte entstehen. Man habe eine Überkapazität mit eingeplant und hätte auch auf dem Grundstück noch genügend Platz für eventuell notwendige Erweiterungen.

Über die Größe des Investitionsvolumens möchte der Prokurist allerdings noch nichts sagen. Sobald man den Zuschlag seitens des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten habe, könne mit dem Bau begonnen werden. Alle Planungen seien dafür bereits abgeschlossen.

2017 war von einer Kooperation mit der Brandenburgischen technischen Universität Cottbus-Senftenberg die Rede.  „Im Rahmen eines ersten Bieterverfahrens hatte es seitens ABcann eine entsprechende Absichtserklärung bezüglich einer Zusammenarbeit mit der BTU gegeben. Wir prüfen jetzt, ob wir das reaktivieren können. Es gebe ja da tolle Möglichkeiten für Studenten“, sagt Raffael Sturm.

Im Ausschreibungsverfahren wurden mehr als 200 Bieterfragen gestellt. Diese führten, wie auch in anderen Vergabeverfahren üblich, zu Klarstellungen und einer Anpassung der Angebotsfrist um insgesamt sieben Wochen. Ein Nachprüfungsantrag eines Bieters wurde von der Vergabekammer des Bundes zurückgewiesen.

Da der Bieter gegen diese Entscheidung der Vergabekammer klagt, ist für den 10. April ein Verfahren beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf terminiert. „Die Zuschlagserteilung im Vergabeverfahren kann daher nicht vorher erfolgen“,so BfArM-Sprecher Pommer.

Das Ausschreibungsverfahren hatte sich bereits länger hingezogen als vorgesehen. Eine erste Ausschreibung hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufheben müssen. Das OLG Düsseldorf hatte die Auffassung eines Unternehmens bestätigt, die verbleibende Frist sei nach einer Änderung des Verfahrens nicht mehr ausreichend gewesen.

Mit Blick auf die Entwicklung der Patientenzahlen wurde die Gesamtmenge der aktuellen Ausschreibung gegenüber der ersten Ausschreibung von 6600 auf 10 400 Kilogramm für vier Jahre erhöht.

Cannabisblüten und Extrakte aus Cannabis können in Deutschland mittels Betäubungsmittel-(BtM-)Rezept verordnet werden. Im Gesetz sind keine einzelnen Indikationen aufgeführt. Cannabisblüten und -extrakte können daher für jede Indikation verordnet werden, wenn „eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht“ oder wenn diese Leistung „im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann“.