Ein Angebot des medienhaus nord

Angebote rund um die Uhr Brandenburg als Automatenland

Von Christian Bark | 15.06.2019, 05:00 Uhr

Das Geschäftsmodell hat in Zeiten fehlender Einkaufsmöglichkeiten vor allem im ländlichen Raum Potenzial

Die Produktpalette, die Kunden in Automaten angeboten wird, hat sich in Brandenburg vielfältig entwickelt. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, bilden Automaten im Land eine Ergänzung zum stationären Handel. „Insbesondere in strukturschwachen, ländlichen Gegenden werden Automatenlösungen immer beliebter“, sagt Heike Richter, Sprecherin des Bundesverbands der Vending-Automatenwirtschaft. Die Branche betreibt in Deutschland über 570 000 Automaten, die hauptsächlich Heiß- und Kaltgetränke sowie Snacks anbieten.

„Die großen Entfernungen und zunehmende Auflösung dörflicher Strukturen können durch Automatenlösungen optimal aufgefangen werden“, sagt die Sprecherin. Bei Nahrungsmitteln reiche das Angebot von belegten Brötchen bis zu Sushi-Rolls. Auch im Getränkeangebot würden sich zunehmend frische Obst- und Gemüsesäfte und Smoothies finden.

„Automaten für Handelsware gibt es im Land in vielfältigster Ausführung“, sagt auch Wolfgang Kampmeier vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. Nach dessen Einschätzung befindet sich ein Großteil der Automaten an Bahnhöfen und Hochschulen. Laut Richter sind im öffentlichen Bereichen aber nur 20 Prozent aller Vendig-Automaten untergebracht. Alle anderen stünden Mitarbeitern in Betrieben und Unternehmen zur Verfügung.

Weitere Absatzkanäle sind Richter zufolge der landwirtschaftliche Bereich und Metzgereien. „Auch hier gibt es eine starke Entwicklung hin zum Automaten, der genutzt wird, um außerhalb der Kernöffnungszeiten Fleisch, Milch, Eier und weitere Erzeugnisse an die Kunden zu bringen“, so die Sprecherin.

Das bestätigt Wolfgang Kampmeier und hebt Automaten für frische Milch hervor, die meist in Supermärkten zu finden seien. Das hatte zuletzt auch die Agrar GmbH Kraatz bei Gransee (Oberhavel) probiert. „Wegen zu geringer Nachfrage haben wir uns mit den Automaten aber nun auf unseren Hof beschränkt“, berichtet Mitarbeiterin Stephanie Arnold.

Auf dem Hof gebe es dann nicht nur frische Milch, sondern auch Fleisch, Eier und Butter aus dem Automaten. „Das funktioniert vor Ort sehr gut, weil die Kunden hier gleich sehen, wo all diese Produkte herkommen“, sagt Arnold. Was die Frischmilchautomaten in Supermärkten angeht, da bleibe sie für die Zukunft optimistisch.

Während Heike Richter davon ausgeht, dass Automaten einen Ersatz für nicht mehr vorhandene Einkaufsläden, vor allem im ländlichen Raum, darstellen, sieht Wolfgang Kampmeier die Geräte nicht als alleinige Zukunft des Handels im Land. „Automaten werden aber eine ergänzende Rolle zum stationären Handel bilden“, sagt er.

Auch die Automatenindustrie ist im urbanen wie im ländlichen Raum vor einige Herausforderungen gestellt. „Einzig bürokratische Schwierigkeiten beim Aufstellen der Verkaufsgeräte an bestimmten Standorten und der unvermeidliche Vandalismus sind Stolpersteine, die die erfolgreiche Verbreitung momentan noch in Grenzen hält“, sagt Richter.